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Union und SPD verteidigen 165er-Wert für Schulschließungen

10:19
20.04.2021
Union und SPD haben den höheren Inzidenzwert von 165 für Schulschließungen in der Bundes-Notbremse verteidigt. Durch Vorrang bei Impfungen werde das «schulische Personal in Gänze zeitnah durchgeimpft sein», heißt es in einem «Fragen- und Antwortkatalog» unter anderem der CDU/CSU-Gesundheits- und Rechtspolitiker an die Mitglieder der Unionsfraktion. Das Schreiben liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. «Zum anderen geht man davon aus, dass das Infektionsgeschehen an Schulen unterhalb dieser Schwelle über regelmäßiges Testen kontrollierbar bleibt», heißt es weiter.

Berücksichtigt werde mit der Wahl des höheren Schwellenwertes auch, welche enormen Belastungen auf berufstätige Eltern zukämen, wenn sie über lange Zeit ihre Kinder selbst betreuen oder eine Betreuung organisieren müssten. «Darüber hinaus wird der Tatsache Rechnung getragen, dass Kinder und Jugendliche weniger gut auf menschliche Kontakte verzichten können als Erwachsene und dass sie in der Schule auch sozialen Umgang erlernen.»

Für die SPD-Fraktion sagte die gesundheitspolitische Sprecherin Sabine Dittmar am Dienstag, sie sei «wahnsinnig froh, dass wir von den 200 weggekommen sind». Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Dirk Wiese sagte, über den Schwellenwert sei lange debattiert worden. «Letztendlich resultiert die 165 daraus, dass am Montag der Durchschnittswert aller 16 Bundesländer beim Inzidenzwert bei ungefähr 165 lag.»

Der Deutsche Lehrerverband hatte sich kritisch geäußert. Dass die ursprüngliche Inzidenzgrenze für Schulschließungen von 200 auf 165 abgesenkt wurde, sei zwar ein Fortschritt, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag). «Doch auch eine Inzidenz von 165 ist noch deutlich zu hoch.» Im Gegensatz zu Schulen sieht die Bundes-Notbremse für die meisten anderen Maßnahmen ein Schwellenwert von 100 vor. Für Schulschließungen sollte zunächst eine Grenze von 200 gelten. Nach viel Kritik wurde diese auf 165 abgesenkt. Das Gesetz soll am Mittwoch im Bundestag verabschiedet werden.

(dpa)

Biotech-Branche verzeichnet Schub - aber Geld für Wachstum knapp

10:07
20.04.2021
Die deutsche Biotech-Branche will das breite Interesse an Corona-Impfstoffen nutzen, um mehr Aufmerksamkeit und bessere Rahmenbedingungen der Politik zu erreichen. «Biotech muss als Schlüsseltechnologie in vielen Bereichen angesehen werden, nicht nur in der Pandemie», sagte Oliver Schacht, Vorstandschef des Branchenverbands Bio Deutschland, am Dienstag. Die Politik müsse die Bedingungen für Wachstumsfinanzierung verbessern.

Zwar gebe es in Deutschland Gelder für Grundlagenforschung und die Frühphasenfinanzierung von Firmen, aber es mangele an hohen Summen für die späteren klinischen Phasen der Arzneientwicklung. So dürften Investoren wie Versicherungen kaum in Biotechfirmen investieren, und Aktiengewinne in Deutschland würden hoch besteuert.

Im vergangenen Jahr erlebte die Branche mit Leuchttürmen wie den Impfstoffforschern Biontech aus Mainz und Curevac aus Tübingen einen Schub: Der Umsatz der 710 deutschen Biotech-Firmen wuchs um 36 Prozent auf rund 6,5 Milliarden Euro, die Forschungsausgaben kletterten auf 2,5 Milliarden Euro. Auch die Beschäftigung stieg kräftig um 10 Prozent auf über 37 000. Dieser Sprung werde sich 2021 nicht wiederholen, aber der Trend sei positiv, sagte Schacht.

Zugleich erhielt die Branche den Rekordwert von gut drei Milliarden Euro von Investoren, und der Wert der börsennotierten Biotechfirmen verdoppelte sich, wie Zahlen der Prüfungsgesellschaft EY zeigen. Der Löwenanteil des Geldes kam aber wenigen Firmen zugute.

Wenn man das Momentum jetzt nicht nutze, drohe der Aufschwung zu verpuffen, sagte EY-Experte Alexander Nuyken. Die mRNA-Technologie, die beim Impfstoff von Biontech zum Einsatz kommt, berge viel Potenzial auch für Krebstherapien und gegen Autoimmunerkrankungen. Diese therapeutischen Ansätze seien bei den staatlichen Förderungen der Corona-Impfstoffe vernachlässigt worden.

Biotech-Firmen tüfteln an komplizierten Wirkstoffen und Therapien. Das ist teuer und langwierig, weshalb Biotechunternehmen auf Geld von Investoren angewiesen sind. Die Branche hierzulande wächst zwar, liegt aber beim Wagniskapital und Börsengängen weit hinter den USA zurück. Auch mangelt es in der deutschen Biotech-Branche an Gründern.

(dpa)

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