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Corona-Krisenmanagement: SPD-Vize Midyatli greift Merkel und Union an

12:28
09.04.2021
SPD-Bundesvize Serpil Midyatli hat das Vorgehen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Corona-Pandemie scharf kritisiert. «Die geplante Änderung des Infektionsschutzgesetzes zeigt, dass Angela Merkel die CDU-Ministerpräsidenten nicht mehr im Griff hat», erklärte Midyatli am Freitag in Kiel. «Die Kanzlerin hat große Mitschuld an der aktuellen Lage.» So habe sie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bei der Impfstoffbeschaffung ausgebremst und die flächendeckende Einführung von Schnelltests verzöget. «Auch das Scheitern der letzten Ministerpräsidentenkonferenz geht maßgeblich auf ihr Konto.»

Der Bund sollte sich im Rahmen der vorhandenen Kompetenzen darauf konzentrieren, ausreichend Impfstoff zu beschaffen und die versprochenen Schnelltests zu liefern, sagte Midyatli, die in Schleswig-Holstein SPD-Landesvorsitzende ist. Auch müssten die Wirtschaftshilfen schneller kommen.

Midyatli rügte unterschiedliche Signale aus dem Unionslager: Während Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans bei knapp unter 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen über Öffnungen statt über die Notbremse spreche, forderten Bayerns Markus Söder, Merkel und CDU-Chef Armin Laschet einen bundesweiten Lockdown. Dieser wiederum würde auch Schleswig-Holstein mit seinen relativ niedrigen Corona-Zahlen betreffen. «Aber dieses Problem muss die Union intern klären», sagte Midyatli. «Dafür braucht es keine Änderung des Infektionsschutzgesetzes.»

(dpa)

Trotz Impfrekord: Experten warnen vor Überlastung der Kliniken

12:27
09.04.2021
Trotz neuer Impfrekorde ist die Lage in der Corona-Krise aus Sicht von Experten alarmierend. Intensivmediziner warnen vor einer Überlastung des Gesundheitssystems, und auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigt sich besorgt. Daher müsse die dritte Welle gebrochen werden, sagte Spahn am Freitag in Berlin. Die sozialen Kontakte müssten eingeschränkt werden, notfalls auch mit nächtlichen Ausgangssperren.

Die Lage in den Kliniken sei zutiefst besorgniserregend, warnte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Gernot Marx. «Es brennt. Die Lage ist sehr dramatisch. Jeder Tag zählt.» Es gebe einen ungebremsten und dramatischen Anstieg von Covid-Patienten. Beim Impfen sei die Bundesrepublik auf der Zielgeraden. Deutschland dürfe aber nicht auf den letzten Metern Menschen gefährden - kurz bevor sie durch eine Impfung geschützt werden könnten, sagte er. «Wir brauchen aber mehr Zeit fürs Impfen.»

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, warnte davor, sich nicht von den niedrigeren Meldezahlen rund um Ostern beirren zu lassen. «Wir haben genug andere Informationen. Wenn wir wissen, dass die dritte Welle da ist, und wenn wir wissen, dass wir in einem exponentiellen Wachstum sind, dann kann es doch nicht sein, dass man sich durch einige niedrige Zahlen über einige Tage irritieren lässt», sagte er.

Das RKI geht davon aus, dass sich in den Ferien weniger Menschen testen ließen, was zu einer geringeren Meldezahl an die Gesundheitsämter führte. Nach Daten vom Freitag haben die Ämter in Deutschland dem RKI binnen eines Tages 25 464 Corona-Neuinfektionen gemeldet, gut 3500 mehr als vor einer Woche. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 296 neue Todesfälle verzeichnet, das waren gut 60 mehr.

Nach dem Einstieg der Hausarztpraxen hat sich die Zahl der Corona-Impfungen in Deutschland stark erhöht. Das stimmt auch Spahn positiv: «Beim Impfen sind wir auf einem guten Weg. In den vergangenen Tagen wurden so viele Menschen geimpft, wie nie zuvor», sagte Spahn am Freitag in Berlin. Demnach habe es am Donnerstag mit 719 000 Impfungen einen weiteren Tagesrekord gegeben. Am Tag zuvor waren rund 656 000 Dosen verabreicht worden.

Der sprunghafte Anstieg in den vergangenen Tagen sei darauf zurückzuführen, dass einerseits mehr Impfstoffe verfügbar gewesen seien und auch die Hausärzte in die Corona-Impfungen eingestiegen seien. Demnach hätten Stand Freitagmorgen 14,7 Prozent der Bürger eine erste Impfung erhalten. Insgesamt verabreicht wurden laut Spahn seit dem Start der Impfkampagne im Dezember rund 17 Millionen Impfdosen.

«Die Zahlen zeigen sehr deutlich, dass die Musik bei den Corona-Impfungen jetzt in den Arztpraxen spielt und die Kolleginnen und Kollegen dort die Impf-PS schnell, sicher und unbürokratisch auf die Straße bringen», erklärte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, in einer Mitteilung. Sein Stellvertreter Stephan Hofmeister sagte: «Wer Geschwindigkeit beim Impfen will, muss sich jetzt dafür einsetzen, dass möglichst viel des verfügbaren Impfstoffs in die Praxen gesteuert wird.»

Das Impftempo in den Praxen könnte allerdings bald wieder etwas ins Stocken geraten. Denn seit längerem bekannt ist, dass die Impfstoffmenge für die Praxen in der Woche Mitte April (KW 16) vorübergehend geringfügig zurückgeht, bevor sie dann stark steigt - während sie für die Impfzentren gleich bleibt. KBV-Vize Hofmeister verlangte, «dass aller verfügbarer und für die Praxen zugesagter Impfstoff vollständig in den Praxen ankommt. Für Mai erwarten wir dann eine Größenordnung von vier Millionen Dosen und mehr pro Woche in den Praxen».

Spahn sagte zur Belieferung, der Beschluss sehe vor, dass die Impfzentren etwa 2,25 Millionen Impfdosen pro Woche bekämen. «Das heißt im Umkehrschluss, dass alles, was darüber hinausgeht, jetzt in die Arztpraxen geht.» Das seien in der vergangenen Woche 940 000 gewesen, in der kommenden Woche eine Million Dosen. «Ich würde liebend gerne auch noch mehr Impfdosen auch in der darauffolgenden Woche in die Arztpraxen geben, ich kann aber tatsächlich nur die Impfdosen zur Verfügung stellen, die tatsächlich da sind.»

In den ersten zwei Wochen würden die Praxen mit dem Impfstoff von Biontech beliefert, bekräftigte Spahn. Ab Mitte April gebe es etwa zur Hälfte Biontech und zur Hälfte Astrazeneca, später auch den Impfstoff von Johnson & Johnson. Biontech liefere bisher sehr verlässlich und auf den Wochentag genau. Das habe man bei den anderen Herstellern noch nicht erreicht, hier sei teils nur die Lieferwoche bekannt, nicht aber der Tag.

(dpa)

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