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Wie es nach der EMA-Entscheidung weitergehen könnte

14:18
18.03.2021
Viele warten gebannt auf die Neubewertung des Astrazeneca-Impfstoffs durch die Europäische Arzneimittelagentur. Für den späten Donnerstagnachmittag wird eine Presskonferenz erwartet. Wie geht es danach weiter? Wann kann möglicherweise wieder geimpft werden?

Berlin - Die European Medicines Agency (EMA) ist die maßgebliche Institution, wenn es um die Bewertung von Arzneimitteln für den europäischen Markt geht. Die Behörde, die in der Coronakrise durch die Zulassung der mittlerweile entwickelten Impfstoffe in den Mittelpunkt des Interesses rückte, ist keine losgelöste Instanz, sondern eine Art Dachverband oder Netzwerk der europäischen Experten auf diesem Gebiet, unter anderem der des deutschen Paul-Ehrlich-Instituts.

Nachdem dieses am Montag seine Bedenken gegen das Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca öffentlich machte, die Bundesregierung die Empfehlung aufnahm und wegen einer möglicherweise erhöhten Thrombosegefahr die Impfungen mit Astrazeneca vorübergehend aussetzte, haben die Experten im EMA-Verbund neu beraten und die aktuell verfügbare Daten zu möglicherweise gravierenden Komplikationen neu bewertet. In diesen Prozess war sowohl der Präsident des Paul-Ehrlich-Institut, Klaus Cichutek, eingebunden wie auch das Bundesgesundheitsministerium, da auch die EU-Mitgliedstaaten angehört wurden.

Was passiert nun nach der Pressekonferenz in Brüssel, die für 16 Uhr angesetzt ist? Empfehlungen und Entscheidungen der EMA müssen von der Europäischen Kommission angenommen und offiziell bestätigt werden – erst dann werden sie für alle Mitgliedstaaten verbindlich.

Das war beispielsweise auch bei den generellen Zulassungen der Impfstoffe von Astrazeneca, Biontech/Pfizer und Moderna der Fall. Es handelte sich dabei jedoch nur um eine Formalie, die weniger als eine Stunde in Anspruch nahm. Insofern wird die EMA-Entscheidung noch an diesem Donnerstag wirksam werden.

Grundsätzlich sind drei Szenarien denkbar. Erstens könnte die EMA den Astrazeneca-Impfstoff grundsätzlich als zu gefährlich einstufen und die europaweiten Impfungen grundsätzlich stoppen. Das gilt jedoch als extrem unwahrscheinlich, weil schon am Montag Äußerungen bekannt geworden waren, die die potenzielle Thrombose-Gefahren mit dem großen Nutzen im Kampf gegen Covid-19 ins Verhaltnis setzte.

Die zweite Möglichkeit wäre, dass die bestehende Zulassung von Astrazeneca verändert wird. Wenn er beispielsweise an jüngere Frauen, die die ebenfalls mit einem erhöhten Thrombose-Risiko behaftete Anti-Baby-Pille nehmen, nicht mehr verimpft werden dürfte, müsste in Deutschland vor der Wiederaufnahme der Impfungen die Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums verändert werden.

Dies würde etwas länger dauern als die dritte Variante, mit der in Kreisen der Bundesregierung gerechnet wird: Die EMA könnte empfehlen beim Impfen mit Astrazeneca einen entsprechenden Warnhinweis zu geben.

In diesem Fall müssten – bevor die Impfungen wieder aufgenommen werden könnten – in Absprache mit den Bundesländern die sogenannten Aufklärungsbögen entsprechend geändert werden. Wie aus dem Gesundheitsministerium von Jens Spahn (CDU) zu hören ist, fand diese Arbeit jedoch bereits parallel zur Nachprüfung durch die EMA statt. Sollte sie also in diesem Sinne entscheiden, dürften die angepassten Texte schon sehr bald in den Impfzentren vorliegen, die dann auch sehr schnell wieder diejenigen Bürgerinnen und Bürger mit Astrazeneca impfen könnten, die einen Termin haben und das wollen.