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Impfungen: Jetzt übernehmen die Hausärzte

15:42
12.03.2021
Der flächendeckende Impfstart durch Hausärzte soll in Bayern Anfang April kommen. Doch das Landratsamt Bayreuth beginnt ein Pilotprojekt, bei dem Praxen bereits in dieser Woche mit Impfdosen versorgt werden. Im südlichen Landkreis warten einige noch auf den Stoff, während andere bereits seit Mitte der Woche impfen.

Pegnitz/Pottenstein - 1000 Impfdosen für die Hausärzte - so lautete zum Ende der vergangenen Woche die Order aus dem Landratsamt. Der Landkreis will vorlegen: Zehn Praxen im Landkreis verfügen seit Mitte der Woche über jeweils 100 Impfdosen, die weiteren 100 für die Zweitimpfung sollen zeitnah dazukommen. Bis zum 1. April soll das Projekt vorerst laufen, danach sollen Hausärzte noch intensiver und flächendeckender eingebunden werden. „Wenn wir am Ende auch noch größere Liefermengen erhalten und so das Impftempo weiter steigern können, blicke ich sehr zuversichtlich auf die nächsten Wochen“, erklärte Landrat Florian Wiedemann (FW).

Auch Praxen aus dem südlichen Landkreis sollen dabei sein, welche das sind, das verrät Pressesprecher Hannes Huttinger nicht. Doch nach einigen kurzen Telefonaten in der Region wird man fündig: Am Mittwoch habe er in Pottenstein bereits zehn Menschen geimpft, am Donnerstag ebenfalls zehn in Betzenstein, bestätigt der Pottensteiner Arzt Dr. Franz Macht.

Er habe sich sehr gefreut, dass seine beiden Praxen mit jeweils 100 Dosen versorgt wurden, sagt Macht. Wie genau die Verteilung in den kommenden Wochen aussehen soll, weiß er nicht genau: Laut Huttinger sollen die zweiten Dosen in den kommenden zehn bis zwölf Wochen ankommen. Macht hält wegen dieser Unsicherheit für den Moment Impfdosen zurück.

Die Logistik sei keine große Herausforderung, so der Mediziner: „Wir machen das einfach neben den Hausbesuchen, die wir sowieso durchführen – und auch die Grippeimpfungen haben wir ja immer neben dem laufenden Betrieb verabreicht.“ Die Freude bei seinen Patienten sei spürbar gewesen: „Noch am Dienstag habe ich ihnen gesagt, dass ich nicht absehen kann, wann ich impfen kann. Und dann stand ich ein paar Tage später mit dem Stoff vor der Tür.“ Es gebe bisher die Anweisung, nur Personen der ersten Priorisierungsgruppe zu impfen, also vor allem Senioren, die bisher vom Impfzentrum Pegnitz noch nicht abgedeckt wurden – ansonsten habe er freie Hand mit „seinen“ Impfdosen.

Die Tatsache, dass Macht im Moment nur Astra Zeneca verimpft, sei bisher kein Problem gewesen: „Die Leute vertrauen uns als Hausärzten. Wenn wir damit vor der Tür stehen und sagen, dass der Stoff hilft, dann akzeptieren sie das.“ Das Misstrauen sei vor allem einer Überorganisation der Bundesregierung anzulasten. Die, so hofft es zumindest Macht, soll wegfallen, wenn Mitte April flächendeckend Praxen mit Impfstoffen versorgt werden. „Spätestens dann muss die Priorisierungsgeschichte auf den Mond geschossen werden. Wir werden so viele Impfungen haben, dass wir nicht wissen werden, wohin damit.“ Um einen Anreiz zu schaffen, befürwortet er dann auch einen Unterschied zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften: „Die sollten dann wieder alles dürfen. Wir müssen so auch die rund 30 Prozent zu einer Impfung bringen, die sich auf die Immunität der anderen verlassen wollen.“ Außerdem sei noch die immense Bürokratie – „ein Schmarrn“ – ein Hindernis der Impfstrategie: „Die Impfung dauert zwei Sekunden. An der Dokumentation sitze ich eine halbe Stunde.“

Die Hausarztpraxis am Mühlweg sei nicht Teil des Projekts, sagt Dr. Johannes Havla: „Es gab bereits Ende Februar eine Anfrage, ob wir Interesse hätten.“ Havla und sein Kollege Dr. Dirk Rebhan hätten sich dagegen entschieden. „Für Pilotprojekte haben wir keine Zeit, uns ist auch nicht klar, warum es das braucht. Der Impfstoff muss jetzt in die Hausarztpraxen.“

Impfen sei „ureigenste Domäne“ der Haus- und Kinderärzte, sagt Rebhan. „Wir kennen die Menschen, die Allergien, die Vorerkrankungen. Die Abläufe sind seit Jahren eingespielt.“ Im Vereinigten Königreich sei das schon lange Standard, erklärt Havla: „Dort gab es von Anfang an die Strategie, die Hausärzte einzubinden. Das erklärt auch, warum man dort schon viel weiter ist als in Deutschland.“

Die Praxen könnten nicht nur eine Vielzahl an Impfungen in der Breite anbieten – sobald der Stoff denn vorliegt, erklärt Rebhan: „Wir bieten Geschwindigkeit und Sicherheit. Die Patienten vertrauen uns und warten, bis wir die Impfung anbieten.“ Impfzentren hält Havla für sinnvoll, solange eine breite Versorgung mit dem Vakzin nicht gegeben ist. Sobald die Hausärzte impfen dürfen, sollte diese Rolle allerdings zurückgeschraubt werden, beispielsweise als Logistik- oder Kühlzentrum. „Nun geht es darum, dass die Politik den Hausärzten vertraut. Die Impfung ist unser Weg aus der Krise.“

Der Impfstart litt auch im Pegnitzer Impfzentrum an der Sana-Klinik, das für den ganzen südlichen Landkreis zuständig sein soll, unter dem bundesweit geringen Impftempo. Im Verantwortungsbereich des Landratsamtes seien inzwischen 13 998 Erst- und 7825 Zweitimpfungen verabreicht worden. „Insgesamt sprechen wir also von 21 823 Impfungen in Stadt und Landkreis Bayreuth“, rechnet Huttinger vor. Davon seien in Pegnitz 1931 Erst- und 523 Zweitdosen verabreicht worden. Insgesamt stehen 2454 Impfungen im Pegnitzer Impfzentrum zum Ende der vergangenen Woche zu Buche.

Zur Eröffnung vor fast drei Monaten hatten die Verantwortlichen noch davon gesprochen, dass rund 100 Impfungen pro Tag möglich wären. Das sei auch nach wie vor das Limit, erklärt Ute Wagner, die beim Landratsamt für den südlichen Landkreis verantwortlich ist. Dass das phasenweise nicht erreicht werden konnte, sei an den Lieferungen gelegen, die teils ausgeblieben, teils gar nicht eingetroffen wären. „Inzwischen verimpfen wir 80 Dosen am Tag“, erklärt Wagner. Und, darauf legt Wagner großen Wert: „Wenn Termine nicht wahrgenommen werden, besetzen wir die neu. Wir werfen hier in Pegnitz keinen Impfstoff weg.“

Online-Redaktion