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Unterricht ab 15. März: Stadt und Landkreis Bayreuth: Inzidenzen und drei Möglichkeiten

11:08
12.03.2021
Eigentlich gelten ab Montag neue Regelungen für die Schulen: Mehr Kinder sollen kommen können. Aber: Alles ist bestimmt von den Inzidenzwerten. Deshalb gibt es auch in dieser Woche wieder erst am Freitag eine Entscheidung für die Schulen in Stadt und Landkreis. Wie immer – und auch nicht anders machbar – auf den letzten Drücker. Für Bayreuth und dem Landkreis sieht es gut aus. Es geht wieder los.

Bayreuth - Es sind immer Entscheidungen in letzter Sekunde. Und es muss so sein. Denn nur wenn die Inzidenzwerte stimmen, kann Schule mit einer gewissen Sicherheit stattfinden. In Bayreuth wird das in der nächsten Woche so sein: In der Stadt liegt der Inzidenzwert beständig unter 100 in den vergangenen Tagen. Auch im Landkreis ist der Wert unter 100, es kann wieder losgehen an den Schulen – mit mehr Schülern.

Auch im Landkreis geht es wieder los
Deshalb, sagt Petra Rauh, stellvertretende Leiterin der Staatlichen Schulämter in Stadt und Landkreis Bayreuth, am Freitag im Gespräch mit dem Kurier: Es sei ein nervenaufreibendes Auf und Ab zu verzeichnen gewesen, aber nachdem nach der Stadt, in der in der zu Ende gehenden Woche schon Grundschüler im Wechselunterricht und die Abschlussklassen aller Schularten in den Schulen waren, starten jetzt deutlich mehr Schüler am Montag in den Unterricht in den Schulen. Und zwar in der Stadt wie im Landkreis“, sagt Petra Rauh am Freitagmorgen. „Das wird viele freuen – und auch einige erschrecken“ – wegen des Wechselunterrichts, der nicht bei allen gut ankommt. Aber es sei wichtig, „dass wir in der Bildungsregion Bayreuth nicht weiter unterschiedliche Voraussetzungen haben“.

Schulen regeln Wechselunterricht selber
Die Rückkehr in die Schulen gilt für alle Grundschulen und alle weiterführenden und berufsbildenden Schularten, wenn auch je nach Schulart unterschiedlich vorgegangen wird. Wie die Schulen den Wechselunterricht handhaben, „entscheidet jede Schule für sich, ob es den täglichen oder wöchentlichen Wechsel gibt, auch in Absprache mit den Elternbeiräten“, sagt Petra Rauh.

Selbsttests für Schüler nach Ostern
Man warte jetzt auf die Neufassung des Rahmen-Hygieneplans, der zeitnah kommen werde. Unabhängig davon werden allerdings bereits Masken an die Schulen verteilt – und Schnelltestes zum Selbsttest ausgegeben. Spätestens nach den Osterferien sollen auch Selbsttests für die Schüler „in den Schulalltag integriert werden“.

In der ersten Woche keine positiven Fälle
Gute Nachricht aus der ersten Woche mit ausgedehnterem Präsenzunterricht in der Stadt Bayreuth: „Wir haben keine Hinweise auf positive Fälle in dieser Woche bekommen“, sagt Petra Rauh. Entsprechende Fälle müssten beim Schulamt allerdings angezeigt werden.

Schulen hätten die Entscheidungen gerne früher
Die Schulen hätten die Entscheidungen am liebsten viel früher. „Schon am Montag hatten wir die ersten Anfragen von Schulen, wie es denn ab dem 15. März aussehen wird“, sagt etwa Harald Vorleuter, der Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in Oberfranken, auf Anfrage des Kuriers. „Aber: Wir brauchen in der Pandemie eben Geduld. Auch wenn wir durchaus sehen, dass viele nicht mehr können und nicht mehr wollen.“

In der Zwickmühle
Was Vorleuter sagt, lässt sich durchaus auf die anderen Schularten der weiterführenden Schulen übertragen. Was die Pandemie angeht, stecken die Schulen in einer Zwickmühle. Zwar sehe man – „wie in Coburg, Bamberg oder Hof“ – auch Stadt und Landkreis Bayreuth als eine einheitliche Bildungsregion. Aber: „Die Entscheidung“, wie Schule stattfinde, „obliegt der Kreisverwaltungsbehörde“, sagt Vorleuter. Sie trage nach Abwägen der Werte durch das Gesundheitsamt die Unterschrift von Oberbürgermeister Thomas Ebersberger und Landrat Florian Wiedemann.

Kein Kuddelmuddel
„Man betrachtet dabei die Entwicklung der letzten drei Tage und am vierten Tag wird die Änderung bekannt gemacht.“ Wie in der vergangenen Woche kann das bedeuten, dass die Schulen – da waren es die Grundschulen – in der Stadt wegen der Inzidenz unter 100 aufmachen, die im Landkreis aber zu bleiben. Wegen der Inzidenz über 100. Man wolle bei den Entscheidungen Kontinuität erreichen, wenn man Schulöffnungen, die ja durchaus selbst von den Schülern gewünscht seien, wie Vorleuter sagt, erlaube: „Man will da kein Kuddelmuddel erzeugen“ – und nicht Gefahr laufen, einen oder zwei Tage nach der Öffnung wieder schließen zu müssen. Wie es ja in Nürnberg und anderen Städten schon der Fall war. „Oberfranken ist diesbezüglich schon lange Vorreiter in Bayern, wir arbeiten mit den engen Korridoren schon länger.“ Setze den Inzidenzschalter ein in den Korridoren unter 50, zwischen 50 und 100 – und über 100 Infizierten pro 100 000 Einwohner.

Sorgen wegen B.1.1.7
Die steigenden Inzidenzwerte beobachte man „seit drei bis vier Wochen mit Sorge“, ebenso die Tatsache, dass in Nord- und Nordost-Oberfranken die britische Mutation B.1.1.7, „die ja schneller ansteckend ist, zum Teil bei mehr als 50 Prozent der Infektionen nachgewiesen wird“. Bei der Wiederöffnung der Schulen und der Rückkehr weiterer Schüler in ihre Klassenzimmer nehme das für die Schulen in Stadt und Landkreis Bayreuth zuständige Staatliche Schulamt „eine Schlüsselposition ein“, sagt Vorleuter.

Einheitliche Umsetzung nicht möglich
Dass die Umsetzung der Vorgaben aus dem Kultusministerium nicht einheitlich sein könne, liege an den höchst unterschiedlichen Corona-Zahlen, nicht nur in ganz Bayern, sondern auch und gerade in Oberfranken. Während Kulmbach und Hof um einen inzidenzwert von 300 schwanken, liege Bamberg beständig unter 50, „dort kann man ganz anders arbeiten“. Daher auch der Zwiespalt in Bayreuth Stadt und Land: „Natürlich haben wir die Stimmen, die sagen, die Kinder müssen so schnell wie möglich wieder an die Schulen, weil sie den direkten Kontakt mit der Lehrkraft, die Disziplin des Unterrichts brauchen“, sagt Vorleuter.

Wechselunterricht die schlechteste Variante
Der je nach Gymnasium tage- oder wochenweise Wechselunterricht, der ab Montag beispielsweise an den Gymnasien für die sechsten bis zehnten Klassen gilt, während die fünften, elften und zwölften Klassen in Präsenzunterricht an den Schulen sind, sei „sicher die schlechteste der drei Möglichkeiten“ neben Distanz- und Präsenzunterricht, sagt Vorleuter auf Nachfrage. „Gerade weil der Distanzunterricht von Woche zu Woche besser geworden ist, es tolle Unterrichtsmodelle inzwischen gibt.“

Schülerströme entzerren
Aber es gehe nun mal darum, die Schülerströme zu entzerren: „Weil es ab nächster Woche deutlich enger wird an den Schulen. Und: Weil sich gezeigt hat, dass das Infektionsgeschehen an den Schulen nicht das Problem ist. Es ist dort, wo die Schüler sich unterwegs in großer Zahl treffen.“ Und am Ende eng an eng und ohne die Maske unterwegs sind – anders als in der Schule. Gerade darauf werde bis zu den Osterferien zu achten sein.

Dringen auf Impfung für Lehrer
Die Lehrer an den Grund- und Förderschulen sowie den Schulen für Kranke haben einen Sprung nach oben in der Priorisierung er Impf-Reihenfolge gemacht. „An den weiterführenden Schulen sind sie in der Priorität drei geblieben bislang“, sagt der Ministerialbeauftragte für die Realschulen in Oberfranken, Harald Vorleuter (Hof). Seit Wochen „plädieren wir in den Ministerien in München dafür, dass auch die Lehrkräfte der Abschlussklassen“ in die höhere Impf-Priorisierung aufgenommen werden, sagt Vorleuter. „Aber da muss das Gesundheitsministerium Einfluss auf die Bundesministerien nehmen.“ Denn gerade die Lehrkräfte, die mit älteren Schülern zu tun haben, „müssen geschützt werden“.

Eric Waha

Spahn kritisiert Aussetzung von Impfungen mit Astrazeneca

10:36
12.03.2021
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Aussetzung von Impfungen mit dem Impfstoff von Astrazeneca in einigen Ländern kritisiert. 

Berlin - Der CDU-Politiker verwies am Freitag in Berlin auf die Europäische Arzneimittelbehörde EMA. Diese habe nach Beratung der Experten erklärt, dass es keine auffällige Häufung von Thrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung gebe. Das für Deutschland zuständige Paul-Ehrlich-Institut komme zu derselben Einschätzung. „Ich bedaure es, dass auf dieser Grundlage - Wissensstand jetzt Freitagvormittag - einige Länder in der Europäischen Union das Impfen mit Astrazeneca ausgesetzt haben.“

„Mit dem was wir bisher wissen, ist der Nutzen (…) bei weitem höher als das Risiko“, fügte er hinzu. Es gebe nach derzeitigem Stand und nach Angaben der zuständigen Behörden auch in den Ländern, die die Impfung ausgesetzt hätten, keinen Hinweis für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Impfung und Erkrankungen. Der Präsident des Robert Koch-Insituts, Lothar Wieler, sagte, es gebe zum jetzigen Zeitpunkt keinen Hinweis, dass diese Geschehnisse statistisch auffällig wären.

Dänemark hatte entschieden, vorübergehend niemanden mehr mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca zu impfen. Als Grund wurden Berichte über einen Todesfall und schwere Erkrankungen durch Blutgerinnsel nach der Impfung genannt. Man könne jedoch noch nicht feststellen, ob ein Zusammenhang zwischen dem Vakzin und den Blutgerinnseln bestehe, hieß es. Norwegen, Island und Thailand folgten der Entscheidung Dänemarks.