Einfach vorbeikommen und sich die Spritze geben lassen: Das hat vielen Kulmbachern so gut gefallen, dass sie spontan auf dem EKU-Platz zum Impfen gegangen sind.
Die junge Studentin ist gerade für zwei Monate bei ihren Eltern in Kulmbach. Ihre Mutter, sagt sie, habe sie auf das Angebot des Landkreises Kulmbach aufmerksam gemacht, sich am Samstag ohne Terminvereinbarung auf dem EKU-Platz gegen das Coronavirus impfen zu lassen. „Warum soll ich da erst zum Arzt gehen, wenn ich das gleich auch hier machen kann“, hat sie sich gesagt und sich in die lange Schlange eingereiht. Vom Start an um 8 Uhr bis zum Schluss am Mittag herrschte großer Andrang. Dabei hat es keinen gestört, dass er eine Weile anstehen musste. Im Gegenteil: Es gab viel Lob für die erste Aktion dieser Art.
Am Ende fiel die Bilanz von Impfzentrumsleiter Marcel Hocquel durchweg positiv aus: 139 Menschen haben sich in den mobilen Kabinen, die HW und Feuerwehr aufgebaut hatten, impfen lassen. „Die ersten standen schon um 7 Uhr an. Bis halb Acht hatten wir schon 35 Leute gezählt. Bis 12.30 Uhr hatten wir pausenlos zu tun“, freut sich Hocquel. Drei Arzte und ein Team von 15 Helfern waren im Einsatz. Auch aus dem Klinikum wurde das Impfzentrum von Mitarbeitern unterstützt.
Ein spontaner Entschluss sei es gewesen, sagt eine Frau. Sie habe sich zusammen mit ihrem Mann eigentlich schon lange impfen lassen wollen. Doch wegen einer Krankheit des Mannes sei es immer wieder zu Verzögerungen gekommen. „Da hab ich mir gedacht, jetzt oder nie, und bin gekommen.“ Die Aktion des Landkreises findet sie gut. „Das rückt die ganze Sache wieder ein bisschen mehr ins Bewusstsein. Viele denken ja, es ist jetzt alles vorbei. Das ist aber nicht wahr.“
Die Motivationen sind ganz unterschiedlich. Ein junger Mann muss bald ins Krankenhaus. Da sei ihm die Impfung, die er am Samstag ganz ohne Hürden bekommen konnte, gerade recht gekommen. „Ich möchte vorsorgen, auch für die Menschen um mich rum.“ Eine Frau, die mit ihrer Tochter ansteht, erzählt, dass sie sich schützen will, weil sie viel mit Menschen zu tun hat. Sie sei schon länger über die bayerische Impf-Plattform registriert, aber bislang habe sich nichts getan. „Da hab ich mir gedacht, ich schlage hier. zu.“
Seit Kurzem können auch Minderjährige ab zwölf Jahren das Vakzin bekommen. Eine zwölfjährige Schülerin hat die Möglichkeit genutzt. In Begleitung ihrer beiden Eltern hat sie gewartet, bis sie an der Reihe war. Die ärztliche Leiterin des Impfzentrums, Anja Tischer, hat sie aufgeklärt. „Das Mädchen hat mir selbstbewusst erklärt, Mama und Papa seien geimpft. Das wolle sie auch.“ Gerade bei Jugendlichen laufe die Aufklärung besonders sorgsam. „Wir fragen die sehr direkt, warum sie sich impfen lassen wollen, und natürlich brauchen wir das Einverständnis der Eltern“, sagt Tischer.
Die Chance, sich ohne Termineinladung impfen zu lassen, haben auffällig viele sehr junge Menschen genutzt am Samstag. Ein Grund dürfte die Tatsache gewesen sein, dass der Weg zur Impfung für diese Altersgruppe über die Internet momentan technisch noch nicht geht. Jugendliche könnten sich zwar registrieren, erklärt Marcel Hocquel, aber sie erhielten derzeit keine Einladung. Das war am Samstag nicht nötig und so kamen auch die zum Zug, die auf dem ganz offiziellen Weg sonst noch hätten warten müssen.
Was Hocquel an diesem Vormittag in Kulmbach oft hörte war der Satz: „Schön, dass Impfstoff zu uns kommt. Die meisten Leute waren einkaufen und haben sich gesagt, wenns passt, schauen wir einfach mal vorbei.“ So kann man auch Menschen erreichen, denen der Aufwand für die Impfung auf den formalen Weg zu groß ist und sich für die Spritze entscheiden, wenn sie sich nicht viel Mühe machen müssen. Möglicherweise hätten sie sich, obwohl keine Impfgegner, die Spritze nicht geholt
Für Marcel Hocquel steht fest: Es wird Wiederholungen geben. „Das wird angenommen. warum sollen wir es dann nicht machen? Ziel ist ja weiterhin, möglichst viele Leute zu impfen. Wenn das der Weg ist, dann machen wir das natürlich.“
Patrick Klier begründet seine Teilnahme an der Impfaktion fränkisch pragmatisch: „Dann hab ich’s hinter mir“, sagt er. Er hätte sich früher auch nicht impfen lassen können, nachdem er selbst im Februar positiv gewesen ist, erzählt er. Deswegen ist eine Impfung nun auch mit einer Spritze schon abgeschlossen.
Für Anja Tischer war der Tag ein Erfolg: „Es war deutlich mehr als ich gedacht hatte. Ich hoffe, dass wir unserem Ziel einer 85-prozentigen Impfquote im Landkreis nahe kommen.“ Am Samstag, sagt sie, sei ein weiterer großer Schritt gemacht worden. Auch im Impfzentrum war jede Menge los. 478 Menschen erhielten dort das Vakzin. Damit liegt die Quote bei den Erstimpfungen im Landkreis jetzt bei 61,31 Prozent, bei den Zweitimpfungen bei 44,58 Prozent.