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Braun: Kein Lockdown zulasten Geimpfter

13:05
02.07.2021
Droht wegen der Ausbreitung der Delta-Variante ein neuer Lockdown? Für Geimpfte wird es keine Einschränkungen geben, sagt Kanzleramtschef Braun. Vorausgesetzt, die Impfung wirkt.

Berlin - Kanzleramtschef Helge Braun macht Geimpften Hoffnung, dass es für sie auch bei einer neuen Corona-Welle keinen neuen Lockdown geben dürfte - wenn die Impfungen sich auch gegen Varianten behaupten.

"Solange unsere Impfung sehr gut wirkt, kommt ja ein Lockdown zulasten derer, die vollständig geimpft sind, auch nicht infrage", sagte der CDU-Politiker dem Nachrichtenradio MDR Aktuell in einem heute veröffentlichten Interview. "Sondern denjenigen, die geimpft sind, kann man dann auch die Normalität ermöglichen - den Besuch im Konzert genauso wie das Einkaufen."

Das Robert Koch-Institut habe gesagt, Menschen mit vollständigem Impfschutz nähmen am epidemiologischen Geschehen nicht mehr wesentlich teil. Dies habe sich noch hauptsächlich auf die Alpha-Variante des Coronavirus bezogen, führte Braun aus. Geimpfte seien selber nicht mehr wirklich gefährdet, und sie gefährdeten auch keine anderen. "Dann gibt es auch keinen Grund, denjenigen zu einer Reduzierung ihrer Kontakte zu raten."

Braun: Weitere Faktoren neben Inzidenz einbeziehen

Braun machte zudem deutlich, dass wegen der zunehmenden Zahl von Geimpften bei der Bewertung der Corona-Lage künftig weitere Faktoren an Gewicht gewinnen. Die Inzidenzwerte würden weiter eine wichtige Rolle spielen, "weil sie natürlich eine Aussage darüber treffen, wie viele Leute sich neu mit Corona infizieren", sagte er. "Aber wenn wir jetzt in der Situation sind, dass eine hohe Zahl von Bürgern geimpft ist, müssen wir natürlich weitere Faktoren einbeziehen." Ganz wichtig sei die Frage, wie gut die Impfung gegenüber neuen Varianten wie Delta ist.
Deshalb werde man das Thema Krankenhausaufnahmen in der Statistik "auch noch mal stärker in den Mittelpunkt stellen" - Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) arbeite an einer entsprechenden Verordnung. "Damit wir quasi wissen: Werden Menschen, die geimpft sind, vielleicht wieder verstärkt ins Krankenhaus kommen?" Das wäre dann laut Braun ein Signal, "dass entweder wir es mit einer Variante zu tun haben, wo die Impfung nicht gut wirkt, oder es wäre ein Signal, dass in gewissen Altersgruppen (...) vielleicht der Impferfolg schon nachlässt, so dass man also nachimpfen muss".

Spahn sagte dazu in Berlin: Bisher habe gegolten "intensiv folgt der Inzidenz". Mit jeder Impfung sinke dieser Zusammenhang. Mit Blick auf Herbst und Winter sollten daher noch mehr Aspekte neben der Inzidenz berücksichtigt werden. Spahn bestätigte, dass eine Verordnung in Abstimmung sei. Diese solle stärker dazu verpflichten, Krankenhausaufnahmen von Covid-19-Patienten und Krankheitsverläufe zu melden, über die Meldungen der Intensivstationen hinaus, damit es eine noch bessere Datenlage gebe.

Spahn wirbt für Astrazeneca plus Biontech oder Moderna

13:01
02.07.2021
Die Stiko hat ihre Empfehlung für Astrazeneca-Erstgeimpfte geändert. Und diese soll jetzt zügig umgesetzt werden. Es sei genügend mRNA-Impfstoff für eine Kreuzimpfung vorhanden, meint Jens Spahn.

Berlin - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat ausreichend Impfstoff für die Umsetzung der überraschend geänderten Astrazeneca-Empfehlung der Ständigen Impfkommission zugesichert.

"Es wird sehr zügig gehen können, die Empfehlung umzusetzen, weil ausreichend mRNA-Impfstoff da ist", sagte der CDU-Politiker nach Beratungen mit seinen Länder-Kolleginnen und -Kollegen in Berlin.

Die Impfkommission hatte am Vortag überraschend mitgeteilt, dass Menschen, die eine erste Dosis des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca erhalten haben, künftig unabhängig vom Alter als zweite Spritze einen mRNA-Impfstoff wie den von Biontech oder Moderna erhalten sollen.

"So eine Empfehlung kann natürlich leicht viele, die sich impfen lassen wollen, im erste Moment verunsichern", räumte Spahn ein. Er und die Gesundheitsminister der Länder seien von der Entscheidung überrascht worden. Beim Chef der Impfkommission, Thomas Mertens, der bei den Ministerberatungen zugeschaltet gewesen sei, hätten die Politiker deshalb dafür geworben, "dass wir miteinander noch etwas besser die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Politik machen".

Allein in der kommenden Woche seien 500.000 bis 700.000 Menschen betroffen, bei denen eigentlich eine Zweitimpfung mit Astrazeneca anstehe.
Spahn betonte die besonders hohe Wirksamkeit einer Kreuzimpfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca für die erste und dem von Biontech/Pfizer oder Moderna für die zweite Spritze. Dazu komme, dass die neue Empfehlung einen Abstand der zweiten zur ersten Impfung von nur vier Wochen umfasse. Man solle also nicht mehr bis zu zwölf Wochen warten, wie es bisher bei Astrazeneca empfohlen war.

"Diese Kombination ist eine der bestverfügbaren Impfkombinationen, die es aktuell gibt", sagte Spahn. Dies mache den Impfstoff von Astrazeneca attraktiver. Derzeit gebe es viele Dosen von Astrazeneca in Deutschland vorrätig. Allein in den kommenden Tagen würden 2,4 Millionen Dosen davon geliefert.