Letztes Update:
20210702112900

Mehr als 400.000 Corona-Tote in Indien

10:04
02.07.2021
Die meisten Toten gab es bei der zweiten Welle. Inzwischen sind die Corona-Neuinfektionen aber deutlich gesunken: Dennoch: Vor einer möglichen dritten Welle wird gewarnt.

Neu Delhi - In Indien sind nach offiziellen Zahlen mehr als 400.000 Menschen an oder mit Corona gestorben. Diese Marke wurde am Freitag überschritten, als das Gesundheitsministerium 853 neue Todesfälle in dem 1,3-Milliarden-Einwohner-Land meldete. Nur in den USA und Brasilien wurden bislang mehr Tote im Zusammenhang mit der Pandemie erfasst.

Die Hälfte der Toten in Indien wurde während der heftigen zweiten Welle im April und Mai registriert, die Krankenhäuser und Krematorien überlastete und die auch im Zusammenhang mit der ansteckenderen Delta-Variante steht, die zuerst in Indien gefunden worden war. Inzwischen sind die täglich gemeldeten Corona-Neuinfektionen und Todeszahlen wieder deutlich gesunken.


Etliche Expertinnen und Experten gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer in dem zweitbevölkerungsreichsten Land der Welt sehr hoch ist und besonders in ländlichen Gebieten viele Tote nicht erfasst worden sind. Auf dem Höchststand der zweiten Welle wurden pro Tag teils mehr als 4000 Tote und 400.000 Infektionen im Zusammenhang mit der Pandemie gemeldet.


Derzeit versucht Indien, seine Impfkampagne auszuweiten - auch weil einige Expertinnen und Experten vor einer möglichen dritten Welle warnen. Bislang sind aber erst 4,5 Prozent der Bevölkerung in Indien vollständig geimpft.

dpa

Wie Infektionsschutz in Schulen funktionieren kann

09:47
02.07.2021
Im neuen Schuljahr endlich wieder Unterricht ohne Masken, so der Wunsch vieler Kinder. Doch kann das klappen, gerade mit Blick auf den Herbst und Winter? Die Wissenschaft mahnt zur Vorsicht.

Berlin - Die Sommerferien haben noch längst nicht in allen Bundesländern begonnen. Doch die Debatte darüber, welche Maßnahmen es danach an den Schulen geben soll und muss - sie ist in vollem Gange.

Was nachvollziehbar ist. Denn die meisten Kinder und Jugendlichen sind nicht vor einer Ansteckung mit Sars-CoV-2 geschützt, da weder geimpft noch genesen. Und Delta, die offenbar äußerst ansteckende Variante, breitet sich auch in Deutschland aus.


Genau deshalb müsste man "eigentlich sogar noch viel vorsichtiger sein", sagt Epidemiologe Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - selbst bei niedrigen Infektionszahlen wie derzeit. Doch die Pläne der Politik klingen anders, etwa beim Thema Masken. Wenn die Inzidenzen nicht besonders hoch seien, "dann kann man auch die Masken im Unterricht wieder ablegen", sagte etwa NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Mittwoch im WDR.


Die psychologische Wirkung von Masken


Epidemiologe Zeeb hält das Tragen von Masken mindestens in weiterführenden Schulen für geboten. Er betont dabei auch deren psychologische Wirkung: "Sie sind ein Signal dafür, dass die Pandemie nicht vorbei ist und die Maßnahmen weiter wichtig sind." Auch Aerosolforscherin Birgit Wehner vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung sieht Masken als wichtigen Baustein beim Infektionsschutz in Schulen - besonders mit Blick auf den Herbst. Von einem infizierten Kind ohne Maske könne sich bei geschlossenem Fenster langsam eine Aerosol-Wolke ausbreiten, die die Viren transportiere, erklärt Wehner.

Die Wissenschaftlerin schätzt die Infektionsgefahr in bestimmten Räumen besonders hoch ein: "Wenn die Kinder etwa im Flur ohne Masken herumlaufen. Da ist oft Gedränge, da sind viele Kinder, alle Klassen durcheinander." Gebe es dann Infektionen, habe man keine Möglichkeit, etwas nachzuvollziehen. Ähnliches gelte für die Toiletten. Dort werde oft nicht ausreichend gelüftet.

Angemessener Luftaustausch nötig

Um Infektionen zu verhindern, ist ein angemessener Luftaustausch in allen Räumen nötig. Das funktioniert durch regelmäßiges Lüften ganz gut, am besten mit offener Tür und Durchzug. Deutlich zuverlässiger sind allerdings fest installierte Lüftungsanlagen. "Die Luft wird automatisch abgesaugt und ausgetauscht", erklärt Stephan Schönfelder von der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur.

Der Professor für energetische und technische Systeme plädiert dafür, Infektionsschutz und das Verbessern der Luftqualität in Klassenräumen zusammenzudenken. Von mobilen Luftreinigern als einzige Lösungsstrategie ist er nicht allzu überzeugt. Diese filtern die Luft, ohne sie zu erneuern.

"Die Qualität der Raumluft ist ein generelles Thema in Schulen", sagt Schönfelder. Realistisch gesehen, könnten aber nicht mehr flächendeckend bis zum Start des neuen Schuljahrs Lüftungsanlagen eingebaut werden. Dafür sei man zu spät dran. Also ist in den meisten Schulen weiterhin regelmäßiges Lüften angezeigt. Schönfelder empfiehlt CO2-Messgeräte für die Klassen - um zuverlässig daran erinnert zu werden, regelmäßig die Fenster zu öffnen. Man könne dann jeden Tag eine Schülerin oder einen Schüler damit beauftragen, die CO2-Ampel im Blick zu haben und Bescheid zu sagen, wenn sie auf Orange springt.

Dass Lüftungsanlagen in Schulen langfristig der Standard sein müssten, findet auch Epidemiologe Zeeb. Als Baustein für den Infektionsschutz dort sieht er weiterhin Tests. Aber reichen Antigen-Schnelltests, die eine Infektion nicht so früh und zuverlässig nachweisen wie PCR-Tests, um die mögliche Verbreitung von Delta in Schulen zu unterbinden? Der Epidemiologe hält PCR-Tests für angemessener - die nach dem sogenannten Pooling-Prinzip ausgewertet werden. Dabei werden die Proben mehrerer Testpersonen zusammen analysiert. Nur wenn dieser Gruppentest positiv ist, untersucht man die zurückbehaltenen einzelnen Proben.

Bis zum nächsten Frühjahr?

Masken tragen, testen und die Luft in allen Räumen regelmäßig austauschen - dies sollte nach den Sommerferien auch bei niedrigen Infektionszahlen an den Schulen die Maßgabe sein. Das betont auch der Leiter des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler: "Wir empfehlen, dass in Schulen weiter getestet und Mund-Nasen-Schutz getragen wird", sagte er jüngst der "Rheinischen Post".

Aus jetziger Sicht soll das "bis zum nächsten Frühjahr so sein". Dafür gebe es zwei zentrale Gründe: Man wolle das Infektionsgeschehen niedrig halten, weil auch Kinder schwer erkranken könnten. "Und zum anderen haben wir natürlich das Ziel, dass die Schulen offen bleiben."

dpa