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Keine neuen Regeln für Urlauber trotz Delta-Variante

07:51
29.06.2021
Für Reiserückkehrer wird es vorerst keine neuen strengeren Regelungen geben. Änderungen sind dagegen im Herbst bei den Impfzentren geplant.

Berlin - Fast jede zweite Neuinfektion in Deutschland dürfte bereits auf die ansteckendere Delta-Variante zurückzuführen sein, schätzt das Robert Koch-Institut. Für Urlauber ändert sich vorerst aber nichts.

EINREISE

Trotz wachsender Sorge vor einem vermehrten Einschleppen der ansteckenderen Delta-Variante müssen sich Reisende vorerst nicht auf schärfere Corona-Bestimmungen einstellen. Das ist das Ergebnis von Beratungen von Bund und Ländern vom Montag, wie die Deutsche Presse-Agentur in Berlin erfuhr. Die geltende Einreiseverordnung wird demnach nicht kurzfristig geändert. Mehrere Ministerpräsidenten hatten schärfere Bestimmungen gefordert, um eine erneute Verschärfung der Corona-Lage zu verhindern.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ist für Kontrollen von Reiserückkehrern an den Grenzen, will dabei aber Chaos vermeiden. Für stationäre Grenzkontrollen sehe er derzeit keinen Anlass. "Wir müssen schauen, dass wir uns nicht ein Infektionsgeschehen zusätzlich ins Land holen", sagte der CSU-Politiker der "Süddeutschen Zeitung". Nach eigener Aussage schwebt ihm statt stationärer Grenzkontrollen ein ähnliches System wie im vergangenen Jahr vor: eine sogenannte "Schleiermaßnahme", bei der die Reisenden auf Plätzen möglichst dicht nach der Grenze kontrolliert werden. Auch dass dort wieder Schnellteststationen eingerichtet werden könnten, sei vorstellbar.


Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans forderte schärfere Überprüfungen von Reiserückkehrern. "Ich rechne nicht mit einem schnellen Ende der Corona-Pandemie. Es wäre naiv zu glauben, dass die Infektionszahlen bei uns nicht mehr steigen. Das zeigt sich ja auch in Ländern wie Großbritannien und Israel, die trotz hoher Durchimpfung ihrer Bevölkerung derzeit eine vierte Welle durchleben", sagte der CDU-Politiker der "Rheinischen Post".




Gerade die Urlaubsreisen in den Sommerferien könnten ein Nährboden für eine weitere Pandemie-Welle werden. "Für die Rückkehr aus bestimmten Risiko-Ländern oder für Flugreisende gelten ja bereits Testpflichten, diese sollten auch an den Flughäfen stärker kontrolliert werden." Von Reisenden, die mit dem Auto oder der Bahn beispielsweise aus Spanien oder Frankreich zurückkehrten, sei es aber schwierig, die Tests zu überprüfen. "Deshalb müssen wir weiterhin an regelmäßigen Tests etwa in Schulen, Restaurants, Fitnessstudios oder Betrieben festhalten."

VIRUSVARIANTENGEBIETE

Wegen der starken Verbreitung der Delta-Variante des Coronavirus sind Portugal und Russland seit um Mitternacht als Virusvariantengebiete eingestuft. Damit gilt ein weitgehendes Beförderungsverbot für Fluggesellschaften, Bus- und Bahnunternehmen. Sie dürfen nur noch deutsche Staatsbürger und Ausländer mit Wohnsitz in Deutschland über die Grenze bringen. Für diejenigen, die einreisen dürfen, gilt eine strikte 14-tägige Quarantänepflicht, die nicht durch einen Test verkürzt werden kann und auch für vollständig Geimpfte und Genesene gilt.

IMPFZENTREN

Die Gesundheitsminister der Bundesländer wollen im Herbst den Betrieb der Impfzentren zurückfahren. Auch über den 30. September hinaus setze man bei der Eindämmung der Corona-Pandemie auf staatliche oder kommunale Impfangebote. Der Schwerpunkt dabei solle zunehmend aber auf mobilen Impfteams liegen, hieß es in einem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz vom Montagabend. Die Länder könnten dabei selbst über die künftige Infrastruktur des Impfangebots entscheiden. Im Bedarfsfall sollen die Impfzentren in jedem Fall aber auch schnell wieder aktiviert werden können.

SCHULEN

Der Städte- und Gemeindebund fordert Maßnahmen, um weitere Schulschließungen im Herbst zu verhindern. "Das größte Problem sehe ich momentan in den Schulen, weil die meisten Kinder nicht geimpft sind, auch nicht geimpft werden können. Das birgt die Gefahr, dass wir in unseren Bildungsbereichen wieder in einen Lockdown kommen. Das muss verhindert werden", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der "Passauer Neuen Presse".

Um die Hygienemaßnahmen an den Schulen effektiv umzusetzen, bräuchten die Kommunen als Schulträger eine Finanzierungszusage durch Bund und Länder, forderte Landsberg in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Dabei solle auf zeitintensive Förderprogramme verzichtet werden. "Wir müssen uns immer wieder klar machen, dass wir uns nach wie vor in einem Wettlauf mit dem Virus befinden und dementsprechend keine Zeit zu verlieren haben."

IMPFUNGEN BEI KINDERN

Kinder- und Jugendärzte haben sich in der Debatte um Risiken durch die Delta-Variante für Kinder hinter die Beurteilung der Ständigen Impfkommission (Stiko) gestellt. "Wir Kinder- und Jugendärzte folgen der Einschätzung der Ständigen Impfkommission. Diese hat prinzipiell die Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren nur bei bestimmten Vorerkrankungen empfohlen", sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Jörg Dötsch, der "Rheinischen Post"). "Daran ändert nach aktuellem Wissensstand auch die Delta-Variante nichts." Er schätze die Gesundheitsrisiken durch eine Corona-Infektion für Kinder und Jugendliche derzeit als so gering ein, dass auch Abwarten auf neue Erkenntnisse zur Impfung eine Option für zögerliche Menschen sein könne.

DELTA

Die ansteckendere Delta-Variante greift in Deutschland immer mehr um sich. Sie mache mittlerweile einen Anteil von mindestens 35 Prozent an untersuchten Proben aus, sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, am Montag in einer Schalte der Gesundheitsminister von Bund und Ländern, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Teilnehmerkreisen erfuhr. Da die Daten bereits einige Tage alt seien, sei der Anteil derzeit tatsächlich sogar auf rund 50 Prozent zu schätzen. Offiziell veröffentlicht das RKI die neuen Angaben zu den Virusvarianten-Anteilen stets am Mittwochabend.

dpa

EU-Impfzertifikat - diese Erleichterungen stehen an

07:50
29.06.2021
Am 1. Juli startet das EU-Impfzertifikat offiziell. Damit wird vieles im Urlaub einfacher, vorausgesetzt die Länder haben dafür gesorgt, dass es ausgelesen werden kann.

Brüssel - Kurz vor dem offiziellen Start des EU-Impfzertifikats sind alle EU-Länder an die dafür notwendige gemeinsame Technik angeschlossen.


Das gilt auch für Norwegen und Island, wie aus einer Übersicht der EU-Kommission hervorgeht. Die EU-Kommission bestätigte auf Anfrage, dass somit die Möglichkeit besteht, einen in Deutschland ausgestellten Nachweis über eine Impfung, einen frischen Test oder überstandener Infektion über einen QR-Code auszulesen. An welchen Stellen die Zertifikate Urlaube, Shoppingausflüge oder Wochenendtrips erleichtern, legt jedes Land selbst fest.


Das EU-Covid-Zertifikat startet formell am 1. Juli, viele Länder geben sie aber bereits seit Wochen aus. Aktuellen Zahlen des Gesundheitsministeriums zufolge sind allein in Deutschland bereits 37,3 Millionen Impfzertifikate ausgestellt worden. Die EU einigte sich in einem für sie ungewöhnlich schnellem Tempo von wenigen Monaten auf die Ausgestaltung der Nachweise. Nur in einer Handvoll Staaten werden sie noch nicht ausgegeben. Darunter sind etwa Schweden, Malta und Irland.


Deutschen Urlaubern soll ein entsprechendes Zertifikat im Ausland einiges erleichtern. Wer nach Griechenland reist und älter als zwölf Jahre ist, braucht einen Nachweis über einen frischen Test, eine mindestens zwei Wochen alte Impfung oder eine vor weniger als neun Monaten überstandene Infektion. Die Zertifikate werden auch im EU-Inselstaat Republik Zypern akzeptiert.


In Italien können die Menschen das Impfzertifikat nach Regierungsangaben verwenden, um zu öffentlichen Veranstaltungen zu gehen. Außerdem ist der Nachweis wichtig für Reisen innerhalb Italiens, nämlich dann, wenn man sich in eine Region begibt, die als Corona-Zone mit höherem Infektionsrisiko gilt, oder von dort zurückkommt.


Im Nachbarland Schweiz können nur Menschen mit Impfnachweis an Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen teilnehmen. Ebenso können Diskotheken solche Zertifikate verlangen. Die Bestimmungen sind aber in den Kantonen unterschiedlich. Mancherorts ist es Bars und Restaurants, Messen, Sportbetrieben, Theatern oder Museen freigestellt, ob sie Impfzertifikate verlangen.

Der QR-Code erleichtert in der Alpenrepublik Österreich den Zugang zu Lokalen, Hotels, Freizeiteinrichtungen und zu Veranstaltungen wesentlich. Dort gilt überall, dass Gäste genesen, geimpft oder getestet sein müssen. Wenn im Urlaub die Gültigkeit eines Tests abläuft, können auch Touristen behördliche Teststraßen gratis nutzen.

Frankreichs Europaminister Clément Beaune teilte am Montag via Twitter mit, dass der französische Gesundheitspass auf der App TousAntiCovid nun ein europäisches Format habe. Vom 1. Juli werde der Code überall in der EU erkannt, um - geimpft oder mit Test - "frei reisen" zu können.

Auch in der östlichen Nachbarschaft Deutschlands sind die Nachweise hilfreich: Wer aus der Bundesrepublik nach Polen einreist und ein Impfzertifikat vorweisen kann, muss nach der Einreise nicht für zehn Tage in Quarantäne. Das gilt auch für Genesene und Einreisende mit einem negativen Testergebnis. Hotels und Restaurants dürfen nur mit 75 Prozent Auslastung arbeiten - Geimpfte und Genesene werden dabei nicht mitgezählt. Dies kann also bedeuten, dass das Hotel noch ein Zimmer oder das Restaurant einen Tisch frei hat, wenn man einen Impfnachweis hat.

Ähnlich sieht es in Bulgarien aus. Die Einreise in das Urlaubsland am Schwarzen Meer ist für Geimpfte, Getestete und von Covid-19 Genesene ohne Quarantänepflicht möglich. Tschechien hat bisher bereits das gelbe deutsche Impfbuch anerkannt. Mit der Einführung des EU-Impfzertifikats sollte dieses stattdessen verwendet werden. Wer ein Hotel oder Restaurant besuchen will, muss geimpft, getestet oder genesen sein. Bei der eigentlichen Einreise aus Deutschland gelten keine Auflagen mehr.

Die Niederlande haben bereits einen großen Schritt zurück zu einem öffentlichen Leben fast ohne Corona-Beschränkungen gemacht. Fast alle im Zuge der Pandemie eingeführten Maßnahmen sind seit Samstag wieder aufgehoben. Als zentrale Regel gilt nur noch der Sicherheitsabstand von 1,5 Meter. Wenn der - wie etwa in einer Disco - nicht eingehalten werden kann, ist Zutritt nur mit Test- oder Impfbeweis möglich.

In Deutschlands nördlichstem Nachbarland ist am Samstag die vierte und letzte Phase der gelockerten Reisebeschränkungen in Kraft getreten. Mit der Einführung des EU-Corona-Passes wird es für die Däninnen und Dänen dann wieder möglich, Sommerferien in Europa zu machen und zugleich Urlauber in Dänemark zu begrüßen. Ab Mittwoch sollen in Schweden die Einreisebeschränkungen geändert werden: Ab dann wird es auch in dem skandinavischen Land möglich sein, per Vorzeigen des digitalen EU-Zertifikats einzureisen.

dpa