In der Politik wurden Stimmen laut, Homeoffice auch nach der Pandemie ins normalen Arbeitsleben fest zu integrieren. Das geht nicht überall.
Kulmbach - Homeoffice, das ist das Mittel der Wahl geworden, seit Corona das Land im Griff hat. Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus, damit im Büro nicht zu viele Menschen auf einem Platz sind, um gesund zu bleiben und natürlich auch, um damit dazu beizutragen, dass im „Falle eines Falles“ nicht gleich der ganze Betrieb geschlossen werden muss. Längst liegen Forderungen auf dem Tisch, die Homeoffice-Arbeit zu erhalten, auch wenn die Pandemie einmal vorbei sein sollte. Im Amtsgericht in Kulmbach hat Geschäftsleiter Karlheinz Östreicher Bilanz gezogen. Er kommt zu dem Schluss, dass die Kulmbacher Justizmitarbeiter ihre Arbeit nur zum Teil zu Hause machen können. Die Homeoffice-Quote am Kulmbacher Gericht war deshalb auch während Zeiten höchster Inzidenzen gering. Besonders die SPD hat sich stark gemacht, die Arbeit von zu Hause aus sogar mit einem Rechtsanspruch auszustatten. Doch der Vorstoß von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil fand weder in der Union noch bei der Wirtschaft Unterstützung. Viele Betriebe wollen diese Form von Arbeitsplätzen nicht oder mindestens nicht dauerhaft. Bei anderen geht es in weiten Bereichen einfach nicht. Dazu, das ergibt die Auswertung von Karlheinz Östreicher, zähle auch das Amtsgericht in Kulmbach.
Dort sei bisher nur die Verwaltung mit der elektronischen Akte ausgestattet. Dies bedeute, dass alle anderen sieben Abteilungen, die in dem denkmalgeschützten Sandsteinbau in der Oberen Stadt untergebracht sind, immer noch mit der Papierakte arbeiten. Das werde sich in den nächsten Jahren sicherlich verbessern, ist der Geschäftsleiter überzeugt. Aber für jetzt gilt: „Dies macht insbesondere für die Mitarbeiter der Geschäftsstellen ein Arbeiten im Homeoffice nahezu unmöglich, da sie Akten heraussuchen und bearbeiten müssen.“
Post einsortieren, Verfügungen ausgeben, Kopien fertigen und vieles andere gehe nur im Gericht. Alles andere würde einen riesigen Aktentransport erfordern. „Somit können nur die Richter, Rechtspfleger und Mitarbeiter der Verwaltung Homeoffice nutzen, also knapp 50 Prozent der insgesamt 46 Mitarbeiter. Die Gründe, warum die meisten Justiz-Beschäftigten in Kulmbach während Corona trotzdem täglich zur Arbeit gefahren sind, hat Östreicher aufgelistet. Aktentransport, kein Drucker im Homeoffice, kleiner Laptopbildschirm. „Derzeit steht also Zuhause kein voll ausgestatteter Arbeitsplatz zur Verfügung, sondern nur eine Notausstattung, weswegen ich persönlich auch das Homeoffice nur kurz ausprobiert habe“, ist Östreichers persönliches Fazit. Ein voll ausgestatteter Arbeitsplatz stehe nur bei sogenannten Telearbeitsplätzen zur Verfügung, die der Dienstherr einrichtet. Doch um das genehmigt zu bekommen, bedarf es eines Antrags, der an Voraussetzungen geknüpft ist. Wer bei der Justiz beschäftigt ist und daheim einen Arbeitsplatz will, muss beispielsweise pflegebedürftige Angehörige haben oder für Kindererziehung verantwortlich sein. Nur wenige Mitarbeiter haben laut Östreicher diese Gründe.
„Daher wurde Homeoffice beim Amtsgericht Kulmbach wenig genutzt. Hinzu kommt, dass die Mitarbeiter keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen müssen, da die erforderlichen Parkplätze vorhanden sind.“ Zudem herrschen, wie Östreicher weiter erklärt, im Kulmbacher Gerichtsgebäude auch gute räumliche Bedingungen. Viele Beschäftigte haben Einzelbüros. In anderen Büros seien zum Beispiel zum Schutz vor Ansteckung Trennscheiben eingerichtet worden. „Durch Ausnutzung der baulichen Möglichkeiten wurde versucht, eine Belegung eines Büros mit mehreren Mitarbeitern zu verhindern.“
Auch ohne hohe Homeoffice-Quoten habe die Gerichtsmannschaft die Pandemie bislang gut gemeistert, meint der Geschäftsleiter. „Die Mitarbeiter haben die vorgegebenen Hygienekonzepte vorbildlich umgesetzt und so ist das Amtsgericht Kulmbach, obwohl es immer für den Publikumsverkehr geöffnet war und fortlaufend Verhandlungen stattfanden, auch mit einer niedrigen Homeoffice Quote sehr gut durch die Pandemie gekommen.“ Die Einstellung und Motivation der Mitarbeiter des Kulmbacher Gerichts könne er nur loben. red