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Kommt bald der Durchbruch für schnelles Impfen?

16:22
10.03.2021
Eigentlich sollte heute klar werden, wann die Arztpraxen die Lizenz zum Impfen bekommen. Doch so einfach ist es dann doch nicht. Trotzdem steigt die Hoffnung auf Tempo beim deutschen Impfprogramm.

Berlin - In die schleppenden Corona-Impfungen soll endlich mehr Schub kommen. Viele warten darauf nach dem Frust über knappen Impfstoff und überlastete Termin-Hotlines. Den Durchbruch bringen sollen größere Liefermengen, die Einbeziehung der Praxen und Änderungen der Impfverordnung.

   

Bei den Hausärzten soll es möglichst Anfang April losgehen. Genauer Termin noch offen. Denn die Umstellung fällt Bund und Ländern nicht ganz leicht. Ein Überblick:

Wer gibt den Startschuss für die Praxen?

Das ist jetzt Chefsache von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten. Regierungssprecher Steffen Seibert nannte zwei Fragen: "Wann ist genau der Übergang in die Arztpraxen zu organisieren, und was ist dabei praktisch zu beachten?" Beides sollen Merkel und die Länderchefs "sehr zeitnah" auf Basis einer Empfehlung der Gesundheitsminister festlegen - und zwar noch vor der nächsten anstehenden Corona-Runde am 22. März.

Warum tun sich die Länder schwer mit der Entscheidung?

Schwierig zu klären ist: Wie viel Impfstoff soll noch für die regionalen Impfzentren reserviert werden, die die Länder für die erste Impfphase hochgezogen haben? Und wie wird sichergestellt, dass nicht Menschen noch Einladungen in die Zentren bekommen, wenn sie längst von ihrem Hausarzt geimpft sind? "Je nachdem wann der Übergang erfolgt, kann er am Anfang mit kleinen Mengen für die Arztpraxen verbunden sein", erläuterte Seibert.

Warum wurde nicht von Anfang an in den Praxen geimpft?

Weil der Impfstoff teils sehr empfindlich ist und anfangs sehr rar war. So muss das Mittel von Biontech und Pfizer stark gekühlt werden. Dennoch kann er nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) auch in Praxen verimpft werden, weil er 120 Stunden bei Kühlschranktemperaturen lagerfähig ist. Geimpft wurden am Anfang generell vor allem Über-80-Jährige und Beschäftigte und Bewohner von Pflegeheimen, weitere Gruppen rückten nach. Und bei knappem Impfstoff könnte sich mancher Arzt gegenüber "seinen Patienten" mit der korrekten Impfreihenfolge schwer tun, hatte der Chef der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, erläutert.

Wo steht Deutschland beim Impfen aktuell?

Bis Dienstag wurden laut Gesundheitsministerium 12,5 Millionen Impfdosen ausgeliefert und knapp 8,2 Millionen Dosen gespritzt. Knapp 5,6 Millionen Personen bekamen mindestens eine erste Impfdosis, 2,6 Millionen davon bereits beide nötigen Dosen. Gespritzt werden die Produkte von Biontech/Pfizer, Astrazeneca und Moderna. Immer mehr Bundesländer impfen nun aber auch schon mehr oder weniger umfangreich Lehrkräfte, Erzieherinnen oder Polizisten. Mertens warnte, so könnten Schwächste und Gefährdetste erstmal leer ausgehen. Zum Beispiel in Baden-Württemberg, wo Lehrer bereits geimpft werden könnten, gelten neuerdings auch Über-70-Jährige als impfberechtigt.

Wie viel Impfstoff kommt demnächst?

Von Biontech/Pfizer sollen es laut Ministerium von Anfang nächster Woche bis Ende März 3,23 Millionen Dosen sein, von Astrazeneca von diesem Donnerstag bis Ostern 2,54 Millionen Dosen und von Moderna bis Ostern 1,1 Millionen Dosen. Biontech und Pfizer wollen in den nächsten beiden Wochen vier Millionen Dosen Corona-Impfstoff extra an die EU liefern - auch Deutschland hat eine Option auf einen Teil.

Wie groß ist die Kapazität zum Impfen überhaupt?

In den vergangenen sieben Tagen wurden rund 1,8 Millionen Dosen gespritzt - allein am Dienstag 237.000. Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) hatte Anfang der Woche schon von der Möglichkeit von zehn Millionen Impfungen pro Woche gesprochen. Die Bundesregierung dämpfte solch hohe Erwartungen nun aber erstmal wieder. So hoch würden die Mengen nicht gleich im April wachsen, erläuterte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im ZDF. Realistisch sei das eher für Juni, sagte Seibert. Im April soll die Impfkampagne aber schon deutlich Fahrt aufnehmen.

Was soll das Impfen in den Praxen bringen?

Schub - und das unbürokratisch. Mehr als 70.000 Praxen in der ganzen Republik haben Erfahrung mit Impfungen gegen anderen Erreger. Die Impfzentren können laut KBV rund 550.000 Impfungen pro Tag leisten, das wären in 7 Tagen knapp vier Millionen. Die Praxen könnten rund fünf Millionen pro Woche schaffen, so die KBV. Kassenärzte-Chef Andreas Gassen hatte darauf hingewiesen, dass für die Verbreitung des Virus die Priorisierung zweitrangig sei - wichtig sei, dass viele geimpft würden.

Wie soll das Impfen in den Praxen funktionieren?

Dafür gibt es eingespielte Abläufe. Großhändler sollen die Impfstoffe in Apotheken liefern, von wo sie in die Praxen gebracht werden. Die Ärztinnen und Ärzte sollen anhand der Priorisierungsempfehlungen selbst entscheiden.

Ändert sich noch mehr?

Ja. Eine neue Impfverordnung von Spahn tritt rückwirkend zu Montag in Kraft. Dann kann der Astrazeneca-Impfstoff, der zunächst mangels ausreichender Daten zu Älteren bisher Jüngeren vorbehalten war, nun allen über 18 gespritzt werden. In Sachsen, Bayern, dem Saarland und gegebenenfalls weiteren Länder können in Corona-Hotspots an der Grenze alle geimpft werden, jenseits aller Priorisierungen, um so eine Art Schutzriegel von Geimpften zu schaffen. Und es soll in geringerem Umfang Impfstoff für die Zweitimpfung zurückgelegt werden.

Grenz-Hotspots: Mehr Impfstoff und eigene Impfreihenfolge

16:18
10.03.2021
Können in Grenzregionen bald schon alle geimpft werden? Die Politik will die Impfreihenfolge lockern, doch die betroffenen Landkreise zeigen sich noch zurückhaltend.

München (dpa/lby) - Grenzregionen mit hohen Corona-Infektionszahlen sollen künftig von der vorgegebenen Impfreihenfolge abweichen können. Das teilte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur mit. "Wir müssen jede Option an der Grenze nutzen, weil wir sehen, dass wir dort wenig andere Handlungsoptionen haben." Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe ihm zugesagt, die Impfverordnung des Bundes entsprechend zu ändern, erklärte Holetschek.

Die Regelung soll nach Angaben von Holetschek für Grenzregionen gelten, die wegen der Ausbreitung der britischen Coronavirus-Variante mit Sieben-Tage-Inzidenzen von über 100 kämpfen. Die Behörden sollen entscheiden können, ob bestimmte Gruppen früher geimpft werden.

Als Beispiel nannte Holetschek mögliche Reihenimpfungen in Betrieben, in denen es vermehrt Corona-Infektionen gebe. Theoretisch könnten dann auch alle über 18 Jahren geimpft werden, wo dies sinnvoll sei, sagte Holetschek. Über das Vorgehen müssten aber jeweils die Behörden vor Ort entscheiden.

Landrat Sebastian Gruber aus Freyung-Grafenau begrüßte die Entscheidung, Impfdosen künftig flexibel einsetzen zu können. "Damit können wir direkten Einfluss auf das Infektionsgeschehen nehmen und gezielt Gruppen impfen, zum Beispiel Lehrkräfte, Mitarbeiter in systemrelevanten Unternehmen", betonte der CSU-Politiker. Tirschenreuths Landrat Roland Grillmeier (CSU) forderte alle Anwohner schon auf, sich online für eine Impfung zu registrieren.

Die Landratsämter in der Grenzregion wollen erst die Änderung der Impfverordnung abwarten, bevor sie eine eigene Impfreihenfolge festlegen. Zu viele Fragen seien noch offen, hieß es am Mittwoch. Beispielsweise sei unklar, nach welchem Schlüssel die zusätzlichen Impfdosen verteilt werden und wann die Zuweisungen erfolgen sollen.

Noch im März sollen die bayerischen Corona-Hotspots an der Grenze zu Tschechien 100 000 Dosen Impfstoff extra erhalten, kündigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch nach einer entsprechenden Mitteilung der EU an. Sie kämen zusätzlich zu den 50 000 Impfdosen, die die Staatsregierung schon zugesagt hatte.

"Das ist eine echte Perspektive für Ostbayern. Denn wo aufgrund der hohen Inzidenzen nicht gelockert werden kann, muss mehr immunisiert und geimpft werden", erklärte Söder, der sich nach eigener Aussage bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen für eine flexible Impfreihenfolge einsetzte. "Jetzt ist die positive Nachricht da."

"Dies ist eine wichtige und gute Nachricht für uns", bekräftigte der Hofer Landrat Oliver Bär (CSU). "Wir können damit mehr und schneller impfen." Seit Mittwoch laufe das Impfzentrum mit mehr als 700 Impfungen täglich unter Vollauslastung, zusätzlich werde in zwölf Hausarzt-Praxen geimpft.

Die ostbayerischen Grenzregionen hatten schon seit längerem mehr Impfstoff gefordert. "Wir sind ja so etwas wie der Puffer gegenüber dem Hochrisiko- und Virusmutationsgebiet Tschechien mit den hohen Infektionszahlen", erklärte der Chamer Landrat Franz Löffler (CSU).

Das Landesamt für Gesundheit- und Lebensmittelsicherheit (LGL) meldete am Mittwoch mehr als 73 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen für Bayern. Besonders hoch waren die Zahlen demnach in den Regionen an der Grenze zu Tschechien, bundesweiter Spitzenreiter war Hof mit einem Wert von 333,88.