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DGB-Chef Hoffmann knüpft Homeoffice-Pflicht an Impfungen

07:41
01.06.2021
Laut DGB-Chef wäre es unverantwortlich, «alle wirkungsvollen Mechanismen des Infektionsschutzes über Bord zu werfen». Unternehmen müssten für einen wirksamen Arbeits- und Gesundheitsschutz sorgen.

Berlin - Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, hat sich trotz sinkender Corona-Inzidenzwerte gegen ein baldiges Auslaufen der Homeoffice-Pflicht ausgesprochen.

"Auch wenn die Infektionszahlen endlich zurückgehen - es wäre unverantwortlich, jetzt alle wirkungsvollen Mechanismen des Infektionsschutzes über Bord zu werfen", sagte Hoffmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Gerade die Unternehmen stünden im besonderen Maße in der Pflicht, für einen wirksamen Arbeits- und Gesundheitsschutz zu sorgen. Dieser beinhalte zweifelsohne auch die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. "Solange nicht ein Großteil der Beschäftigten vollständig geimpft ist, dürfen sich die Arbeitgeber nicht aus der Verantwortung ziehen."

DGB will gesetzlichen Rahmen für mobiles Arbeiten

Die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass mobiles Arbeit in einem weit größeren Umfang möglich sei, als bisher angenommen - aber auch die Schattenseiten offengelegt, sagte der DGB-Chef. Deswegen fordere der DGB einen gesetzlichen Regelungsrahmen für mobiles Arbeiten. Stärkere Mitbestimmungsrechte spielten eine zentrale Rolle. Dort, wo Mitbestimmung und Tarifbindung funktionierten, seien bereits vor der Krise, aber auch in den letzten Monaten passgenaue Vereinbarungen zur Regelung mobilen Arbeitens abgeschlossen worden.

Gemäß dem Infektionsschutzgesetz soll derzeit Arbeit im Homeoffice die Regel sein - zumindest bei Beschäftigten, die im Büro arbeiten. Die Unternehmen müssen das Arbeiten von zuhause ermöglichen, wenn keine zwingenden Gründe dagegen sprechen. Die Beschäftigten müssen dies im Normalfall auch annehmen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte Forderungen aus der Wirtschaft nach einer frühzeitigen Aufhebung der Homeoffice-Pflicht abgelehnt. Die Regelung läuft nach bisheriger Planung am 30. Juni aus.

7-Tage-Inzidenz wieder leicht gestiegen

07:39
01.06.2021
Experten hatten mehrfach darauf hingewiesen, dass es im Zuge der Mai-Feiertage unter anderem wegen weniger PCR-Tests zu einer künstlich niedrigeren Inzidenz kommt. Nun könnte dieser Effekt schwinden.

Berlin (dpa) – Erstmals seit drei Wochen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland wieder höher als am Vortag. Das geht aus Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) von Dienstagmorgen hervor.

Demnach wurden den Gesundheitsämtern zuletzt 35,2 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche gemeldet. Einen Tag zuvor wurde der Wert mit 35,1 angegeben (Vorwoche: 58,4). Zuletzt gestiegen war die Inzidenz von 9. auf den 10. Mai, seitdem war sie kontinuierlich gefallen. Was der Inzidenz-Anstieg genau bedeutet, ist nur schwer einzuschätzen. Das RKI hatte nach dem Pfingstmontag (24.5.) darauf hingewiesen, dass der Feiertag zunächst zu weniger gemeldeten Erregernachweisen – und damit einer niedrigeren Inzidenz - geführt haben dürfte.

Schon seit einigen Tagen ging die Inzidenz weniger deutlich zurück als zuvor. Zu beachten ist dabei, dass die Ansteckungen nicht mehr wie Anfang vergangenen Jahres die gesamte Bevölkerung betreffen, sondern sich vor allem auf die immer kleiner werdende Gruppe noch nicht geimpfter oder von Corona genesener Menschen konzentrieren.

"Schwierigste Phase für die Politik"

Der Berliner Virologe Christian Drosten hatte in der vergangenen Woche gesagt, angesichts einer zunehmend schwierigen Deutung der Pandemie-Entwicklung sei ein vorsichtiges politisches Handeln nötig. Bei wieder steigenden Inzidenzen stelle sich die Frage, was das bedeute - denn die dahinterstehende Krankheitslast in der Bevölkerung werde mit der Zeit durch die zunehmenden Impfungen immer weiter reduziert. "Das ist jetzt eigentlich eine der schwierigsten Phasen überhaupt für die Politik, das Ganze zu navigieren", sagte Drosten.
Zuletzt bei um die 35 hatte die Sieben-Tage-Inzidenz Mitte Oktober gelegen. Anfang Juni vergangenen Jahres lag sie bei 3,6. Nach den bisherigen Pandemie-Erfahrungen betonen Experten, man müsse weiter aufmerksam bleiben. Sie mahnen langsame, schrittweise Öffnungen an. Die Sorge vor einem Wiederanstieg der Zahlen, einer vierten Welle noch vor dem Herbst, halte er für berechtigt, hatte der Virologe Friedemann Weber von der Universität Gießen kürzlich auf dpa-Anfrage erklärt. "Eine allzu frühe Entwarnung kann dazu führen, dass Corona nicht mehr ernst genommen wird und die Zahlen wieder ansteigen." Mit einer Welle im Sinne eines exponentiellen Anstiegs rechne er aber zunächst nicht, "eher könnte es zu einem Jojo-Effekt kommen".

153 neue Todesfälle

Binnen eines Tages meldeten die Gesundheitsämter dem RKI 1785 Corona-Neuinfektionen, wie aus RKI-Angaben vom Dienstag hervorgeht, die den Stand des RKI-Dashboards von 06.09 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 1911 Ansteckungen gelegen. Am 1. Juni vergangenen Jahres hatte es 333 Meldungen gegeben.

Deutschlandweit wurden den Angaben vom Dienstag nach binnen 24 Stunden 153 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 33 Tote. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.682.911 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.498.400 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, wird nun mit 88.595 angegeben.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht von Montagnachmittag bei 0,76 (Vortag: 0,75). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 76 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.