Die Schülerinnen und Schüler aus den Wirtschaftsschulen, Realschulen und Gymnasien wird es freuen: Sie schreiben bis zum Ende des Schuljahres keine Schulaufgaben mehr – bis auf die Schüler aus der Q 11, zum Beispiel. Der Vorstoß des Kultusministers Michael Piazolo wird in Bayreuth überwiegend positiv aufgenommen. Und: Ab Freitag kommen doch wieder mehr Schüler aus weiterführenden Schulen in den Unterricht.
Bayreuth - Keine Schulaufgaben mehr bis zu den Sommerferien. Die Schülerinnen und Schüler der Wirtschaftsschulen, Realschulen und Gymnasien, die – bis auf etwa die Schüler aus der Q 11 – keine großen Leistungsnachweise mehr abliefern müssen, wird es freuen. Die Reaktionen auf die Maßgabe des Kultusministers Michael Piazolo von Montagabend sind überwiegend positiv. Was in Bayreuth jetzt dazu kommt: Wegen der sinkenden Inzidenzen in Stadt und Landkreis werden nun doch ab Freitag die weiterführenden Schulen ihre Schüler in den Wechsel- oder Präsenzunterricht holen.
Inzidenzen geben es her
Die Inzidenzen geben es her, sagt Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (CSU) am Dienstag im Gespräch mit dem Kurier. Deshalb werde man die weiterführenden Schulen nicht mehr gänzlich weiter im Distanzunterricht belassen können. Der Leiter der Staatlichen Schulämter für Stadt und Landkreis Bayreuth, Werner Lutz, seiht die Sache in einem günstigen Licht: „Wir haben endlich eine einheitliche Regelung für Stadt und Landkreis. Alles andere wäre schwierig gewesen.“ In der Stadt ist die Inzidenz am Dienstag den fünften Tag in Folge unter 100, liegt bei 77,6. Im Landkreis liege die Inzidenz derzeit bei 65,6, ebenfalls deutlich unter 100, was ebenfalls eine weitere Öffnung erlaube. Man werde am Freitag die Schülerinnen und Schüler in den weiterführenden Schulen in den Präsenz- oder Wechselunterricht holen können. „Dann sind noch sechs Tage Unterricht bis zu den Pfingstferien, dann käme auch im Wechselunterricht jeder noch drei Mal dran.“
Keine Schulaufgaben mehr
Gleichwohl tritt noch eine weitere Regelung parallel in Kraft. Die, dass es keine Schulaufgaben mehr bis zu den Sommerferien geben werde. Johannes Koller, der Ministerialbeauftragte für die Realschulen in Oberfranken, sagt am Dienstag auf Nachfrage unserer Zeitung, dass „so der Druck rausgenommen werden kann für die Schüler. Man kann so eine einheitliche Regelung finden für alle – das ist der Sinn dahinter“. Denn wegen der unterschiedlichen Inzidenzwerte in den bayerischen Landkreise waren viele Kinder – wie etwa in Bayreuth und Umgebung – schon sehr lange nicht mehr im Präsenzunterricht. Wenn über Stegreifaufgaben oder mündliche Leistungsnachweise Noten erhoben werden, können „die Lehrkräfte dennoch ein valides Notenbild erstellen“. Zumal solche Leistungsnachweise vielgestaltig sind: „Das können Kurzarbeiten, mündliche Prüfungen oder Referate sein – ebenso Unterrichtsbeiträge.“
„Vorteile, das so zu machen“
Es habe, sagt Koller im Kurier-Gespräch, „sicher viele Vorteile, das so zu machen“. Nicht nur, weil man nahezu täglich mit einer neuen Situation leben und klarkommen müsse, sondern weil es „nicht ideal wäre, da jetzt noch Schulaufgaben reinzupressen“. Die Vorgehensweise öffne zudem Türen, gerade für die Schüler: Die Lehrkräfte könnten in Abfragen beispielsweise Brücken bauen, „wenn die Schüler den einen oder anderen Begriff nicht mehr drauf haben, man kann differenzierter nachfassen. In der Schulaufgabe sitzen sie sonst allein wieder Ochs vor dem Berg vor einem Problem“ – und würden sich im schlimmsten Fall komplett das Schuljahr verhageln.
Unterschiedliche Meinungen
Die unterschiedlichsten Stimmen vernimmt Marco Marino, der am Graf-Münster-Gymnasium Elternbeiratsvorsitzender ist, zu dem Thema in den Chat-Gruppen der Eltern und Elternsprecher. Er selbst sehr das Thema durchaus auch ambivalent, sagt Marino auf Anfrage unserer Zeitung. „Man muss erst einmal evaluieren, wo die Schüler stehen. das ist in den vergangenen Monaten so unterschiedlich gehandhabt worden.“ Je nach fach und Lehrer sei der Distanzunterricht unterschiedlich intensiv gewesen. Schon jetzt sei erkennbar: „Die Bildungsschere verstärkt sich.“ Zwischen Kindern aus ärmeren und reicheren Verhältnissen ebenso wie zwischen Kindern, die schon vor der Pandemie und dem monatelangen Distanzunterricht besser mit dem Lernen klar kamen, und solchen, die sich schwerer getan haben.
Individuellen Stand abfragen
Für ihn persönlich als Vater müsse jetzt der Fokus der Schulen darauf gelegt werden, „den individuellen Stand der Kinder abzufragen“, sagt Marino. „Man muss da viele soziopsychologische Lücken füllen.“ Aber: „die Meinungen der Eltern gehen da komplett auseinander in der Elternschaft“, sagt Marino. Viele würden gerne Prüfungen haben, „vielleicht auch, um eine Bestätigung für ihr Tun zu bekommen“, weil sie die Chance hatten, mit ihren Kindern Stoff zu lernen, dran zu bleiben an den Unterrichtsthemen.
Nicht einfach weiter machen wie zuvor
Er allerdings halte es für wichtig, dass die Schulen die Aufgabe wahrnehmen würden, „welche Abstriche gemacht werden können“, um für das künftige Unterrichtsgeschehen keinen zusätzlichen Druck aufzubauen. Nach der Pandemie weiter zu machen wie davor, das sei nicht der zielführende Weg. Oberstes Ziel für die Schulen müsse es jetzt sein, dass „die Kinder wieder gemeinsam Zeit verbringen können“, gerade aus entwicklungspsychologischer Sicht, denn: „Die Zeit hat etwas mit uns gemacht.“ Gerade mit den Kindern, die andere Kinder und Zeit miteinander bräuchten, um sich entfalten und entwickeln zu können.