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Sommerurlaub laut Spahn auch für Nicht-Geimpfte vorstellbar

07:02
08.05.2021
Die Lockerungen für Geimpfte und Genesene sind beschlossen - den Sommerurlaub könnten aber laut Gesundheitsminister Spahn wohl auch Menschen ohne Impfung in der EU genießen.

Berlin - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigt sich mit Blick auf einen Sommerurlaub in Europa optimistisch.

"Innerhalb der EU wird das Reisen voraussichtlich nicht von der Impfung abhängig sein. Auch mit den Testungen wird man sich europaweit gut bewegen können", sagte Spahn der "Rheinischen Post". Er selbst plane seinen Urlaub in Deutschland. "In dieser hoffentlich letzten Phase der Pandemie würde ich keine großen Fernreisen planen, Nordsee statt Südsee quasi."

Die Bundesärztekammer warnt jedoch davor, das Intervall zwischen zwei Astrazeneca-Impfungen zu verkürzen, um früher als geimpft zu gelten. Die Verkürzung des Intervalls müsse überdacht werden, sagte Ärztepräsident Klaus Reinhardt dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". "Wenn das Argument ist, dass damit die Menschen früher von Lockerungen profitieren können, halte ich das für bedenklich", betonte er. Studien hätten ergeben, dass ein größerer Abstand zwischen den beiden Impfungen positive Auswirkungen auf die Wirksamkeit des Vakzins haben könne. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach übte diese Kritik.

Für Mutationen des Coronavirus ist Deutschland nach Ansicht von Spahn jedoch gut gerüstet und liegt demnach mittlerweile weltweit unter den Top 5 bei den Sequenzierungen. "Und wir sichern uns in den EU-Rahmenverträgen auch Impfstoffe, die auf Mutationen angepasst werden können", sagte Spahn. Nach Aussage der mRNA-Forscher seien diese Entwicklungen innerhalb von sechs bis acht Wochen möglich, die anschließende Zulassung sei in ein bis zwei Monaten machbar.

Währenddessen werden Rufe nach stärkeren Maßnahmen laut, um überhaupt alle Bevölkerungsgruppen für eine erste Corona-Impfung zu erreichen. "Mobile Impfteams müssen in die sozialen Brennpunkte fahren und ein Angebot machen - digital beworben, wenn der Datenschutz das zulässt", sagte Grünen-Chef Robert Habeck den Zeitungen der "Funke"-Mediengruppe. "Dann können die Menschen eine SMS bekommen: Morgen um 9.00 Uhr steht das Impfmobil vor Aldi." Und dann werde von morgens bis abends vor dem Supermarkt geimpft. Das lasse sich ausbauen, so Habeck. "Wenn Impfstoffe für Jugendliche zugelassen sind, kann man in den Schulen impfen, und dort doch zum Beispiel auch die Eltern mit. Da sollte viel Kreativität an den Tag gelegt werden." Die Aufhebung der Impf-Reihenfolge könne nicht bedeuten, dass sich jeder selbst darum kümmern müsse.

Der Deutsche Städtetag hat indes versichert, dass die Kommunen bei der Impfkampagne Menschen in sozial benachteiligten Vierteln gezielt ansprechen. Alle großen Städte hätten die stadtteilbezogenen Inzidenzen im Blick, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages Helmut Dedy dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND). "Sie kümmern sich darum, Menschen zielgruppengenau anzusprechen, die über übliche Kommunikationswege schwer erreichbar sind. Ziel ist, dass die bestehenden Impfangebote von priorisierten Personen akzeptiert und angenommen werden." Darüber hinaus kämen bereits mobile Impfteams zum Einsatz, um die Menschen in benachteiligten Stadtteilen zu erreichen.

Öffnung der Außengastro: Gute Chancen für Kreise Wunsiedel und Bayreuth

06:53
08.05.2021
Der Wetterbericht für die geplante Öffnung der Außengastronomie am Montag könnte nicht besser sein. Doch nur ein Sechstel der kreisfreien Städte und Landkreise in Bayern erfüllt die grundsätzlichen Bedingungen.

Tirschenreuth ging am Freitag voran, ein Dutzend weiterer Städte und Landkreise folgen: Bayerns Biergärten dürfen ab Montag in den ersten Gegenden mit einer stabilen Corona-Inzidenz von weniger als 100 Neuinfektionen pro Woche und 100 000 Einwohner unter Hygieneauflagen wieder öffnen. Dasselbe gilt für Cafés und Gastwirtschaften mit Außengastronomie.

13 Landkreise und kreisfreie Städte hätten Anträge gestellt, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag mit. Sie würden "zeitnah geprüft und gebilligt". Neben Tirschenreuth hatten unter anderem die Landkreise Landsberg, Lindau, Amberg-Sulzbach, Neustadt an der Waldnaab, Regen, Kitzingen, Würzburg und Starnberg sowie die kreisfreien Städte Passau, Bamberg und Schwabach Anträge gestellt. Starnberg, Kitzingen und Landsberg meldeten noch am Freitag, dass die Genehmigungen erteilt seien.

Tirschenreuth, war in der ersten und zweiten Corona-Welle besonders hart getroffen worden. Nun ist es allerdings derjenige Kreis in Bayern, der am längsten eine Inzidenz von unter 100 aufweist. Seit dem 14. April liegt Tirschenreuth unter diesem Wert. Das ist deutlich länger als nötig, um die Erlaubnis zur Öffnung beim Gesundheitsministerium zu beantragen. Fünf Tage muss ein Kreis einem Sprecher zufolge unter der Marke von 100 liegen. Dann folgten zwei Tage zur Verkündung und Vorbereitung und am insgesamt achten Tag könne dann geöffnet werden - allerdings nur mit der Zustimmung des Ministeriums.

Legt man die vom Gesundheitsministerium genannten Regeln auf die vom Robert Koch-Institut veröffentlichten Zahlen an, könnten mit Stand Freitag insgesamt 16 Landkreise und kreisfreie Städte in Bayern einen Antrag zur Öffnung ab Montag stellen. Neben den bereits genannten kämen noch die Landkreise Main-Spessart und Garmisch-Partenkirchen sowie die kreisfreien Städte Weiden und Erlangen infrage.

Bereits in den Startlöchern sitzt zudem der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen mit derzeit vier Tagen unter 100. Hier könnte es - eine konstante Entwicklung und die Zustimmung des Ministeriums vorausgesetzt - theoretisch am Dienstag losgehen. Kandidaten für Öffnungen am Mittwoch mit derzeit drei Tagen unter 100 sind Stadt und Landkreis München, die Landkreise Bayreuth, Wunsiedel, Eichstätt, Nürnberger Land und Erding sowie die Stadt Würzburg.

Für die Öffnung der Außengastronomie gelten dabei strenge Hygienevorschriften. So werden laut Hotel- und Gaststättenverband bei Inzidenzen über 50 negative Corona-Tests verlangt, wenn Personen aus mehreren Hausständen an einem Tisch sitzen - mit Ausnahmen für vollständig Geimpfte und Genesene. Zudem müssen sich die Gäste registrieren - und FFP2-Masken tragen, wenn sie nicht am Tisch sitzen. In Landkreisen, deren Inzidenz an drei aufeinander folgenden Tagen wieder über 100 springt, müssen die Öffnungen zurückgenommen werden.