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Astrazeneca für alle - Wissenswertes für Impfwillige

15:22
07.05.2021
Nach monatelanger Bevorzugung bestimmter Risikogruppen wird der Impfstoff von Astrazeneca für Jedermann freigegeben. Mehrere Entscheidungen liegen jetzt beim Einzelnen und den Hausärzten.

Berlin - Bevorzugtes Impfen von Pflegeheimbewohnern, chronisch Kranken sowie Pflegepersonal und Ärzten gegen Covid-19 - damit ist es in Deutschland ein Stück weit vorbei.

   

Den Impfstoff Vaxzevria des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca soll nun jeder erwachsene Impfwillige in Absprache mit dem Arzt bekommen können.

Wer befürchtete Abstriche bei der Wirksamkeit nicht scheut, kann die zwei nötigen Spritzen in einem Abstand von nur vier Wochen erhalten. Mit etwas Termin-Glück winkt Geimpften damit noch vor den Sommerferien eine Lockerung der Corona-Maßnahmen.

In der kommenden Woche, so kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag an, soll eine Million Dosen des Vektorimpfstoffs an die Arztpraxen geliefert werden, die dann ohne Priorisierung vergeben werden. Was man jetzt bedenken sollte, wenn man die Wahrnehmung Impfangebots in Betracht zieht:

EINE FRAGE DES ALTERS: Bei Astrazeneca hat es seit Februar viel Hin und Her gegeben. Anfangs hatte die Ständige Impfkommission (Stiko) keine Empfehlung für ältere Menschen ausgesprochen, da damals noch entsprechende Daten fehlten. Beim Einsatz des Mittels bei Jüngeren traten dann jedoch seltene, aber schwere und teils tödliche Nebenwirkungen nach der Impfung zu Tage: bestimmte, ungewöhnliche Blutgerinnsel in Kombination mit einer reduzierten Zahl von Blutplättchen.

Unter anderem die europäische Arzneimittelbehörde EMA nahm die Fälle unter die Lupe. Ergebnis: Der Nutzen der Impfung überwiege eindeutig das Risiko. In Deutschland empfiehlt die Stiko aktuell den Einsatz für Menschen ab 60 Jahren. In der Altersgruppe falle die Nutzen-Risiko-Abwägung "eindeutig zu Gunsten der Impfung" aus. Denn mit dem Alter steigt das Risiko für schwere und tödliche Verläufe von Covid-19 stark an. Auch für Jüngere ist die Impfung mit dem Präparat möglich, "nach ärztlicher Aufklärung und bei individueller Risikoakzeptanz durch den Patienten", wie es die Stiko ausdrückt.

EINE FRAGE DES RISIKOS: Wer jünger als 60 ist, sollte laut dem Aufklärungsblatt zur Impfung das Risiko der seltenen Komplikationen und das Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus und einer Covid-19-Erkrankung abwägen. Die Häufigkeit der speziellen Blutgerinnsel wird mit weniger als 0,01 Prozent bei den Geimpften unter 60 angegeben. Experten berichten, dass klassische Risikofaktoren wie die Einnahme der Pille offenbar keine Rolle bei der Komplikation spielen.

Argumente für oder gegen eine Impfung mit dem Vektorimpfstoff können das eigene (Kontakt-)Verhalten, der Beruf und die Inzidenz in der eigenen Region sein. Die Wahrscheinlichkeit, sich überhaupt zu infizieren, ist zum Beispiel bei weitgehend allein bleibenden Menschen in einem Ort mit niedrigen Infektionszahlen weitaus geringer als bei Personen mit vielen Kontakten in einem Corona-Hotspot.

Insgesamt sind nach RKI-Daten bislang mehr als fünf Millionen Astrazenca-Impfungen bundesweit verabreicht worden. Alarmsignale für die seltenen Komplikationen sind bekannt: Bei starken anhaltenden Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, Beinschwellungen, anhaltenden Bauchschmerzen, neurologischen Symptomen oder punktförmigen Hautblutungen sollen sich Geimpfte umgehend ärztliche Hilfe holen. Es geht vorrangig um die Zeit von zwei bis drei Wochen nach der Impfung.

Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, erklärte: "Das Risiko der speziellen Thrombosen als Nebenwirkung ist sehr gering. Dagegen ist das Risiko einer schweren Komplikation durch Covid-19 für viele Personen sehr viel höher. Lediglich bei den unter 30-Jährigen würde ich zur Verwendung eines mRNA-Impfstoffes raten."

DIE FRAGE DES IMPFABSTANDS: Die Stiko empfiehlt für Vaxzevria 12 Wochen zwischen erster und zweiter Dosis. Wie Spahn ankündigte, kann der Abstand nun aber nach Absprache zwischen Arzt und Impfling auf bis zu vier Wochen verkürzt werden. Das ist im Rahmen der Zulassung auch gedeckt. Viele wollten sich augenscheinlich nun nicht mit Astrazeneca impfen lassen, da sie nach zwölf Wochen erst im August den vollen Impfschutz bekämen, sagte Spahn am Freitag auch mit Blick auf die Urlaubszeit und Lockerungen für vollständig Geimpfte. Da auch die Erstimpfung schon schütze, gebe es aber in dieser Phase der Pandemie das Interesse, dass viele Menschen sich impfen lassen.

"Studien haben klar gezeigt, dass die Effektivität bei einem Abstand von weniger als sechs Wochen nur 55 Prozent beträgt und erst bei einem Abstand von zwölf Wochen bei über 80 Prozent liegt!", betonte hingegen Experte Watzl. Man müsse den Menschen klar sagen: "Wenn Sie Ihren Impfabstand bei Astrazeneca verkürzen, um damit schneller in den Genuss von Lockerungen zu kommen, machen Sie das auf Kosten ihres Immunschutzes!" Die Prozentangaben beziehen sich auf die Verringerung der Zahl der Erkrankungen unter Geimpften im Vergleich zu Ungeimpften in Studien.

Kritik kam auch von Stiko-Mitglied Christian Bogdan. Das Gremium hatte sich bereits am Donnerstag für das Festhalten an der Priorisierung ausgesprochen. Begründet wurde dies mit noch recht hohen Anteilen an Ungeimpften auch bei Älteren und Vorerkrankten. Bogdan teilte mit, mit der neuen Regelung würden nun vor allem Menschen erreicht, die möglichst schnell den Status des vollständig Geimpften erlangen wollten. "Dies werden mehrheitlich vor allem junge Menschen sein, die an Covid-19 aber nur äußert selten schwer oder gar tödlich erkranken."

Ein Vorteil der vorgezogen Zweitimpfung könnte Experten zufolge jedoch sein, dass bei einem verkürzten Abstand weniger Menschen ihre Zweitimpfung ausfallen lassen - zum Beispiel, weil sie an ihrem Termin im Urlaub weilen.

Malta und Algarve werden von Corona-Risikoliste gestrichen

15:14
07.05.2021
Urlaub im Ausland ohne Quarantäne: Für Corona-Geimpfte und Genese ist das bald möglich. Mit sinkenden Infektionszahlen verbessern sich aber die Chancen auch für diejenigen, die noch nicht geimpft sind.

Berlin - Die Bundesregierung streicht am Sonntag weitere beliebte Urlaubsgebiete im Ausland wegen stark sinkender Infektionszahlen von der Corona-Risikoliste.

Wer aus Malta oder von der portugiesische Algarve nach Deutschland einreist, muss dann nicht mehr in Quarantäne. Das gab das Robert Koch-Institut am Freitag auf seiner Internetseite bekannt. Für die Algarve sind die Auswirkungen aber zunächst gering, weil dort für deutsche Touristen wegen der hohen Infektionszahlen hierzulande ein Einreiseverbot gilt.

Polen wird am Sonntag vom Hochinzidenz- zum Risikogebiet heruntergestuft. Damit entfällt die Corona-Testpflicht vor Einreise auf dem Landweg aus dem an Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen grenzenden Nachbarland. Es reicht dann wieder, wenn man sich bis zu 48 Stunden nach Einreise testen lässt.

Die Einstufung als Corona-Risikogebiet erfolgt, wenn die Zahl der Neuinfektionen 50 pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) in einer Woche übersteigt. Das gilt derzeit für den größten Teil Europas. Einreisende aus Risikogebieten müssen nach ihrer Ankunft in Deutschland für zehn Tage in Quarantäne, die durch einen negativen Test nach fünf Tagen verkürzt werden kann. Ausgenommen von der Quarantäne sind mit Inkrafttreten einer neuen Verordnung in den nächsten Tagen vollständig Geimpfte und Genesene.

In Europa sind bisher nur wenige klassische Urlaubsgebiete von der Risikoliste gestrichen worden, allen voran Mallorca, aber auch die anderen Balearen-Inseln sowie die Küstenregionen Murcia und Valencia auf dem spanischen Festland. Mit Malta und der Algarve kommen am Sonntag zwei weitere hinzu. Außerdem sind ab dann Albanien, insgesamt drei Regionen in Finnland und Norwegen sowie die britischen Falkland-Inseln vor der argentinischen Küste keine Risikogebiete mehr.

In Malta dürfen deutsche Touristen einreisen, wenn sie bei Einreise einen negativen PCR-Test vorweisen, der nicht älter als 72 Stunden ist. Hotels dürfen öffnen und Touristen beherbergen. Einschränkungen in den Anlagen gibt es trotzdem: Schwimmbereiche und Spielplätze sind geschlossen. Viele Unterkünfte haben jedoch wegen Mangel an Gästen ihre Öffnung vorerst verschoben.

In Portugal sind die Einreiseregeln strenger: Nicht notwendige, touristische Reisen aus Ländern mit einer 14-Tage-Inzidenz von über 150 werden von der Regierung in Lissabon weiter nicht gestattet. Zu diesen Ländern gehört auch Deutschland, das nach jüngster Mitteilung der EU-Gesundheitsbehörde ECDC einen Wert von gut 327 aufweist.

Weitere Änderungen bei den Einstufungen der Bundesregierung ab Sonntag:

- Costa Rica, Georgien, die Malediven und Nepal werden zu Hochinzidenzgebieten mit mehr als 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen hochgestuft. Das hat aber keine Auswirkungen für Reisenden, da für Flugreisende ohnehin die Testpflicht bei Einreise gilt. An der Quarantäne ändert sich nichts.

- Neben Polen werden Ungarn, Armenien und Montenegro vom Hochinzidenz- und Risikogebiet heruntergestuft. Für alle vier Länder ergeben sich nur bei Einreise auf dem Landweg praktische Änderungen. Dann entfällt die Testpflicht schon bei Einreise.

- Neue Risikogebiete sind Malaysia, Anguilla in der Karibik und eine Region in Norwegen. Hier gilt ab Sonntag die Quarantänepflicht bei Einreise nach Deutschland.