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Forscher rechnen mit weniger Infektionen - Tipps für die Politik

16:57
29.04.2021
Die Infektionszahlen in der Pandemie werden nach Einschätzung mehrerer Wissenschaftler in Deutschland kaum noch steigen. „Ich rechne nicht mehr mit einer Zunahme, aber auch nicht mit einer schnellen Abnahme“, sagte Mobilitätsforscher Kai Nagel von der TU Berlin am Donnerstagnachmittag bei einer Anhörung im Parlamentarischen Begleitgremium Covid-19-Pandemie des Bundestags. Optimistischer zeigte sich Physikerin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation. Inzidenzen von deutlich unter 50 wie im vergangenen Sommer seien wahrscheinlich in den nächsten Wochen zu erreichen, sagte sie. Grund dafür sei vor allem der Impffortschritt.
Auf Fragen der Abgeordneten antworteten insgesamt vier Wissenschaftler. So riet Eva Grill, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie, zu mobilen Impfteams für sozial schwache Stadt- oder Ortsteile. Man müsse diesen Service zu den Menschen tragen, um sie zu erreichen, sagte sie. Es sei hilfreich, dabei Menschen einzubeziehen, die in Quartieren Anerkennung genießen. Generell sei es auch gut, dort immer wieder Masken zu verteilen und das Tragen zur Gewohnheit werden zu lassen.

Mobilitätsforscher Nagel schlug als Konzept Zertifizierungen für geeignete Innenräume je nach Nutzung vor. Er sprach sich auch für die Etablierung sozialer Normen aus - zum Beispiel, vor privaten Treffen als nette Geste Schnelltests zu machen.

Epidemiologe Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung sieht im Verbot von Großveranstaltungen den größten Einzeleffekt von Schutzmaßnahmen jenseits der Impfungen. Alles andere habe im Vergleich dazu nur eine rund halb so große Schutzwirkung, sagte er. Mit dem heutigen Wissen seien aber Differenzierungen möglich. Mit klaren Konzepten seien kleinere Veranstaltungen draußen möglich. Das funktioniere auch in großen Sälen mit hohen Decken - aber wenig Leuten. Auch gegen Außengastronomie mit Konzepten sei für ihn wenig einzuwenden. Für Innengastronomie aber bleibe das Ansteckungsrisiko weiter zu hoch.
Für Epidemiologin Grill macht ein Ausprobieren von Öffnungsstrategien bei hohen Inzidenzen noch keinen Sinn.

Tschechien öffnet Einzelhandel in anderthalb Wochen

16:50
29.04.2021
schechien geht erste Schritte aus dem harten Corona-Lockdown. In anderthalb Wochen - vom 10. Mai an - dürfen alle Einzelhandelsgeschäfte wieder öffnen, wie die Regierung in Prag am Donnerstag beschloss. Dabei ist die Zahl der Kunden im Geschäft begrenzt. Zudem gelten Hygiene- und Abstandsregeln. Die meisten Läden waren gut ein halbes Jahr lang geschlossen.

Eine Woche später soll die Außengastronomie folgen. Bereits von diesem Montag an werden Friseurbesuche möglich, aber nur mit einem negativen Corona-Test. Zudem kehren in Teilen des Landes weitere Schüler an die Grundschulen zurück. Die Testpflicht für Arbeitnehmer in Firmen wurde bis in den Juni hinein verlängert.

Noch vor kurzem galt das Land mit 10,7 Millionen Einwohnern als einer der europäischen Corona-Hotspots. Doch die Infektionslage hat sich deutlich gebessert. Innerhalb von sieben Tagen steckten sich nach aktuellen Zahlen noch etwa 150 Menschen je 100 000 Einwohner an. Knapp eine Million Einwohner sind inzwischen vollständig geimpft.
In den Krankenhäusern sind erstmals seit Mitte Oktober weniger als 3000 Covid-19-Patienten in stationärer Behandlung. Seit Beginn der Pandemie gab es in Tschechien mehr als 1,6 Millionen bestätigte Corona-Infektionen und mehr als 29 200 Todesfälle.