Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit ihrem Fehlereingeständnis und ihrer Bitte um Verzeihung Respekt geerntet, selbst bei der Opposition. Drei Beispiele aus der Zeit nach der Wiedervereinigung Deutschlands, in denen Kanzlerin und frühere Kanzler öffentlich Fehler eingestanden und sie bedauert haben:
ANGELA MERKEL: Im September 2018 räumt die Bundeskanzlerin im koalitionsinternen Streit um den damaligen Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen ungewöhnlich offen Fehler ein. Wegen umstrittener Aussagen zu rechtsextremistischen Vorfällen in Chemnitz war Maaßen an der Spitze des Geheimdienstes abgelöst worden. Seine zunächst geplante Beförderung zum Staatssekretär hatte für Empörung gesorgt. Merkel: «Wenn ich mich persönlich frage, dann habe ich mich im Zusammenhang mit der Entscheidung vom Dienstag zu sehr mit der Funktionalität und den Abläufen im Bundesinnenministerium beschäftigt, aber zu wenig an das gedacht, was die Menschen zurecht bewegt, wenn sie von einer Beförderung hören. Und dass das geschehen konnte, das bedauere ich sehr.»
HELMUT KOHL: In der CDU-Spendenaffäre übernimmt der Alt-Bundeskanzler im November 1999 die politische Verantwortung für die Führung verdeckter Parteikonten. In einer Krisensitzung des Präsidiums bedauert er in einer dann veröffentlichten Erklärung mangelnde Transparenz, fehlende Kontrolle und mögliche Verstöße gegen das Parteiengesetz. «Dies habe ich nicht gewollt, ich wollte meiner Partei dienen», sagt Kohl. «Deshalb ist es für mich ein persönliches Anliegen, die politische Verantwortung für hierbei in meiner Amtszeit entstandene Fehler zu übernehmen.» Bald darauf gesteht er ein, von 1993 und 1998 bis zu zwei Millionen Mark in bar illegal angenommen zu haben. Die Namen der Spender nennt er nicht.
GERHARD SCHRÖDER: Im Oktober 1999 bittet der damalige Bundeskanzler und SPD-Chef in der ARD bei Deutschlands Rentnern für gebrochene Wahlversprechen um Verzeihung. «Ich will nicht noch einmal in eine Situation kommen, wo ich das, was ich sage, bei genauer Betrachtung der Kassenlage in den Rentenkassen dann nicht einhalten kann», sagt Schröder. «Wenn ich könnte, würde ich zu jedem hingehen und sagen: Es tut mir leid.»