Medizin-Experten sind enttäuscht über die Rücknahme des geplanten Oster-Lockdowns. Da aktuell ein exponentielles Wachstum bei den Intensivpatienten zu sehen sei, «hätte die Osterpause sicherlich wieder einige Infektionen verhindern können, die jetzt unvermeidbar stattfinden werden», sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. «So halten wir die Beschlüsse von Montag nach wie vor für absolut richtig und hätten die Osterpause sehr begrüßt.»
Der Epidemiologe Timo Ulrichs nannte die Rücknahme des Beschlusses zur «Osterruhe» «sehr schade». «Auch wenn die Zeitspanne knapp bemessen und der Beginn verzögert war, stellte diese Maßnahme doch den Versuch dar, eine Trendumkehr wenigstens einzuleiten», sagte der Professor für Medizin, Mikrobiologie und Katastrophenhilfe von der Akkon-Hochschule in Berlin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. «"Notbremse" und verstärkte Testaktivitäten alleine werden nicht ausreichen, und wenn wir den Zeitverzug mit einpreisen, wird die Rücknahme der "Osterruhe" auch zu einer Verbreiterung der dritten Welle führen, sodass die Rückkehr zu Lockerungen und Normalität noch einmal nach hinten verschoben werden wird.»
Beide appellierten an die Bürgerinnen und Bürger, trotz der Rücknahme des Beschlusses ein sehr ruhiges Osterfest zu feiern, um möglichst wenig neue Infektionen zu ermöglichen und die dritte Welle wenigstens abzumildern. «Noch besser wäre, mit diesen Einschränkungen im persönlichen Umfeld bereits heute zu beginnen», mahnte Ulrichs.