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Südwest-Wirtschaft bewertet Corona-Beschlüsse als «enttäuschend»

11:45
23.03.2021
Der Industrie- und Handelskammertag im Südwesten (BWIHK) hat die jüngsten Corona-Beschlüsse von Bund und Ländern kritisiert und dringt weiter auf eine Abkehr von den Infektionszahlen als entscheidendem Maßstab für die Öffnung oder Schließung vieler Geschäfte und Betriebe. Es sei «sehr enttäuschend, dass nach über einem Jahr mit Corona erneut nur der Lockdown als Kerninstrument zur Pandemiebekämpfung herangezogen wird», teilte BWIHK-Präsident Wolfgang Grenke am Dienstag in Stuttgart mit.

Es könne nicht sein, dass weiter einzig die Sieben-Tage-Inzidenz über den Stillstand kompletter Branchen entscheide. Grenke: «Wir brauchen jetzt den Strategiewechsel hin zu einem Bündel an Indikatoren, um das Infektionsgeschehen endlich differenzierter zu erfassen. Denn sonst können unsere Händler und Dienstleister in der Breite auch zukünftig nur kurz ihr eigenes Geld verdienen.»

Was die Themen Impfen, Testen und Nachverfolgen betreffe, sei durch langwierige Diskussionen bereits viel Zeit verloren worden. «Wir brauchen dringend den politischen Willen, innovative Öffnungskonzepte zuzulassen, um die Ergebnisse schnell in die Fläche übertragen zu können. Das regelmäßige Testen ist hier als Übergang bis zum ausreichenden Impfangebot ein Baustein.»

Der Einsatz von Corona-Schnelltests ist in baden-württembergischen Unternehmen bisher allerdings eher die Ausnahme. Bei einer am Montag veröffentlichten BWIHK-Umfrage unter 935 Betrieben kam heraus, dass nur 19 Prozent der befragten Unternehmen Schnelltests anwenden. Immerhin 27 Prozent wollen demnach in Kürze mit solchen Tests starten. Die Umfrage ist allerdings nicht repräsentativ.

Bund und Länder hatten in der Nacht zum Dienstag beschlossen, das Land über Ostern in den schärfsten Lockdown seit Beginn der Pandemie vor einem Jahr zu schicken. Vom 1. bis einschließlich 5. April, also vom Gründonnerstag bis Ostermontag, soll das öffentliche, wirtschaftliche und private Leben weitgehend heruntergefahren werden. Der Lockdown wird insgesamt bis zum 18. April verlängert.

(dpa/lsw)

Mobilitätsforscher: Vor allem Innenräume ein Problem bei Corona

11:06
23.03.2021
Im Kampf gegen das Coronavirus sind aus Sicht eines Mobilitätsforschers vor allem ungeschützte Kontakte in Innenräumen ein Problem. Dass diese vermieden werden sollten, komme im Beschluss von Bund und Ländern zu kurz, erklärte Kai Nagel von der TU Berlin am Dienstag. «Gewünscht hätten wir uns, dass der Absatz (...) statt in der Präambel im Maßnahmenteil des Beschlusses aufgenommen worden wäre.» Denkbar wäre etwa eine Aufklärungskampagne gewesen.

Auch seien Zwangsmaßnahmen im Sinne der Infektionsbekämpfung effektiver als auf die persönliche Verantwortung der Bevölkerung und der Unternehmen zu setzen, wie es die Politik macht. «Wir haben aber Verständnis dafür, dass Zwang vermieden wurde», so Nagel. Jetzt sei umso wichtiger, dass möglichst viele die ungeschützten Kontakte in Innenräumen vermeiden, um das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu bringen und damit kontrollierte Öffnungen zu erlauben.

Als sinnvoll erachten Nagel und seine Kollegen, dass Kontakte in Innenräumen generell mit Schutzmaßnahmen verbunden werden müssen, und dass dies auch im Arbeitsbereich umgesetzt werden muss. Auch Schnelltests - sofern sie flächendeckend und häufig genutzt werden - und Kontaktbeschränkungen über Ostern seien hilfreich, erklärte Nagel. «Auch richtig finden wir, dass mit Modellprojekten Erfahrung gesammelt werden soll.» Es gebe viele Aktivitäten, bei denen die Infektionswahrscheinlichkeit eher gering ist. «Es ist aber sicher richtig, dies zunächst in kleinem Maßstab und mit entsprechender Kontrolle zu testen, bevor hier größere Schritte unternommen werden.»

(dpa)

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