Letztes Update:
20210320130053

Patientenschützer: Impfrate bei Corona-Vorgehen einbeziehen

13:00
20.03.2021
Beim weiteren Vorgehen in der Corona-Krise sollte aus Sicht von Patientenschützern neben den Infektionszahlen auch der Fortschritt der Impfungen stärker berücksichtigt werden. «Es braucht eine verbindliche Impfrate von 85 Prozent bei den über 80-Jährigen und 70 Prozent bei den über 70-Jährigen», sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. «Diese Menschen bedroht das Virus am meisten.» Unerlässlich sei auch ein Monitoring der Belastung von Krankenhäusern und Intensivstationen vor Ort.

Ergänzt durch ein tägliches Test-Konzept für Schule, Kultur und Wirtschaft könne dies helfen, mit den Virus zu leben. «Sowohl für die Politik als auch die Bevölkerung vor Ort gibt es dann verlässliche Orientierungsmaßstäbe, die aber bundesweit gelten müssen», sagte Brysch. Es wäre zu kurz gedacht, Öffnungen oder Schließungen allein an Inzidenzen zu knüpfen. Dies reiche nicht aus, um das Risiko für Leib und Leben richtig bewerten zu können.

(dpa)

Virologe Kekulé: «Bevölkerung muss Fehler der Politik ausbaden»

12:10
20.03.2021
Der Virologe Alexander Kekulé sieht schwere Fehler von Politik und Wissenschaft bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie. «Deshalb kann der Corona-Gipfel nächste Woche nur wieder Beschränkungen beschließen und die Notbremse zu ziehen, die ja bereits auf dem Papier vorgesehen ist. Mir blutet dabei das Herz», sagte er der «Passauer Neuen Presse» (Samstag). «Wir sollten als intelligente und reiche Industrienation doch in der Lage sein, differenziertere Lösungen zu finden. Aber das ist nicht gelungen. Damit bleibt nur wieder ein pauschaler Lockdown. Die Bevölkerung muss noch einmal die Fehler der Politik ausbaden.»

Konkret nannte er als Fehler: «Man hat den Varianten regelrecht die Tore geöffnet - zum Beispiel durch Öffnung der Schulen ohne vernünftige Alternativ-Konzepte», sagte er der «Passauer Neuen Presse» (Samstag). Hinzu komme, dass die Bevölkerung einfach «sauer» gefahren sei mit den Restriktionen und die Infektionslage an den Arbeitsplätzen immer noch nicht im Griff sei. «Es gibt also einen Dreiklang an Mängeln. Die Politik nutzt das Argument der Gefahr durch Mutationen gerne, um von eigenen Versäumnissen abzulenken.»

Auch an seinen Kollegen äußerte er scharfe Kritik. «Leider wurden viele Fehler obendrein auch aufgrund zweifelhafter Empfehlungen wissenschaftlicher Berater gemacht. Da waren einige Staaten deutlich besser als wir.»

Erneut sprach sich Kekulé dafür aus, zunächst nur einmal zu impfen. «Das reicht, damit können wir in kurzer Zeit das Sterben effektiv begrenzen. Damit wäre die Kurve der Inzidenz von der Sterblichkeit abgekoppelt.»

Vor den Bund-Länder-Beratungen an diesem Montag über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie fordern Mediziner wieder schärfere Beschränkungen. Zugleich warnen sie vor einer Zuspitzung der Lage im Gesundheitswesen.

(dpa)

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