Erst war der Impfstoff von Astrazeneca nur für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren zugelassen, dann sorgte das Unternehmen mit der Ankündigung von Lieferkürzungen für Aufsehen, zuletzt kam der Paukenschlag über einen Impfstopp wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen des Vakzins. Wie geht es nun weiter?
Was passiert mit bereits vereinbarten Astrazeneca-Terminen?
Diese werden nach Worten des Gesundheitsministeriums bis einschließlich kommenden Montag alle abgesagt. Spätere Termine bleiben zunächst bestehen. Die Absagen gelten nur für Erstimpfungen. Zweitimpfungen mit Astrazeneca gibt es im Südwesten bisher nicht. Alle mit den Impfstoffen Biontech/Pfizer oder Moderna gebuchten Termine bleiben bestehen.
Wie komme ich dann an einen Ersatztermin?
All die, deren Termin jetzt abgesagt wird, landen auf einer Warteliste. Sie würden nun einzeln kontaktiert per Rückruf oder per Mail und bekommen einen neuen Termin. «Wir müssen uns vorübergehend wieder auf die Impfungen der über 80-Jährigen konzentrieren und arbeiten vorrangig die Warteliste ab», sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne). Damit dies möglichst schnell geschieht, wurde die bisher mögliche Terminvergabe per Telefon und online bis ebenfalls kommenden Montag ausgesetzt.
Wie gehen die Impfzentren damit um?
Sie müssen die Astrazeneca-Impfungen aussetzen und teils auch ihren Schichtbetrieb vorübergehend den neuen Bedingungen anpassen, manche schließen vorübergehend ganz. Im Impfzentrum Calw werden nun statt insgesamt 3000 nur noch 570 Impfungen pro Woche verabreicht. Der Betrieb läuft nach Worten einer Sprecherin eingeschränkt und nur noch im Einschichtbetrieb.
In den beiden Impfzentren im Kreis Karlsruhe wurde schon am Montag das Personal, das wegen der abgesagten Astrazeneca-Impfungen nicht benötigt wurde, aus den Dienstplänen genommen. In jedem der beiden Zentren im Kreis seien nun nur noch 24 statt 60 Menschen je Schicht im Einsatz, sagte der Leiter der Zentren, Dieter Hassler.
Was passiert jetzt mit den Astrazeneca-Dosen, die schon geliefert sind?
Weggeworfen wird nichts. «Der Impfstoff wird solange eingelagert», sagte etwa eine Sprecherin des Landratsamtes Calw. Andere Impfzentren äußerten sich ähnlich.
Warum kann man nicht auf einen anderen Impfstoff umsteuern?
Das ist schlicht dem Mangel an Impfstoff generell geschuldet. «Es gibt dafür einfach zuwenig», sagt ein Sprecher des Kreisimpfzentrums Bühl. In Kreisimpfzentrum Göppingen allerdings erhielten die Menschen, die am Dienstag für Astrazeneca gebucht waren, stattdessen eine Impfung mit Biontech. Man habe eine kleine Impfstoff-Reserve gehabt, hieß es von dort.
Was geschieht nun mit der eigentlich ab April geplanten flächendeckenden Impfung durch Hausärzte?
Man weiß es nicht. Es sei ja bisher nicht absehbar, bis wann die Impfungen mit Astrazeneca in Deutschland ausgesetzt bleiben werden und wie es weitergeht, erklärt ein Sprecher des Sozialministeriums. «Ob und welche Auswirkungen dies auf die geplante breitere Beteiligung der Praxen haben wird, lässt sich daher noch nicht abschätzen.»
Auch wenn Astrazenca wieder zugelassen wird - wie verunsichert sind die Menschen?
Der Leiter des Stuttgarter Klinikums, Jan Steffen Jürgensen, rechnet mit einem schwierigen Neustart für das Vakzin. «Natürlich könnte es sein, dass der Ruf des Impfstoffes weiter leidet. Psychologisch und kommunikativ wurde und wird Astrazeneca weiter in die falsche Ecke gestellt.» Daten aus Großbritannien von vielen Millionen Geimpften zeigten eine sehr gute Verträglichkeit und vor allem einen sehr hohen Schutz vor schweren Verläufen, auch bei Älteren und schon früh nach der ersten Impfung. «Das gilt es abzuwägen gegen die Bedrohung durch Covid 19. Schwerere Covid-19-Verläufe gehen in etwa jedem vierten Fall mit Thrombosen und Embolien einher.»
Auch der medizinische Leiter des Kreisimpfzentrums Heilbronn-Horkheim, Martin Uellner, nannte den Stopp für Astrazeneca sehr bedauerlich. «Zum einen ist es schade, weil solange noch weniger Impfstoff zur Verfügung stehen wird, als sowieso schon. Zum anderen wird die Impfbereitschaft nachlassen, weil sicher mehr Menschen nun Astrazeneca nicht nehmen werden wollen.»
Das befürchtet auch der baden-württembergische Landkreistag. Die Vorbehalte dem Impfstoff gegenüber dürften sich verstärken, sagte Hauptgeschäftsführer Alexis von Komorowski der «Heilbronner Stimme» und dem «Mannheimer Morgen».
(dpa/lsw)