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Mobilitätsforscher erwarten mehr Ansteckungen bei privaten Treffen

11:24
04.03.2021
Die von Bund und Ländern beschlossene Lockerung bei privaten Kontakten lässt Berliner Mobilitätsforscher mehr Corona-Ansteckungen in diesem Bereich befürchten. Dadurch seien viele zusätzliche Infektionen zu erwarten, erklärte Kai Nagel von der TU Berlin am Donnerstag. Nach Simulationen, die unter anderem auf anonymisierten Mobilfunkdaten beruhen, seien private Treffen bereits in den vergangenen Wochen der «kritischste Bereich» gewesen, neben Ansteckungen im eigenen Haushalt.

Es sei zu hoffen, dass die Menschen Besuche in Eigenverantwortung weiterhin reduzierten oder sich dabei absicherten, etwa durch Masken, Schnelltests, Impfung oder Treffen im Freien, betonte Nagel. Der Leiter des TU-Fachgebiets Verkehrssystemplanung und Verkehrstelematik berichtete, Aktivitäten außer Haus nähmen seit vergangener Woche laut den Mobilitätsdaten bereits wieder zu.

Laut den Simulationen der Berliner Wissenschaftler um Nagel ist die Mutante B.1.1.7 so viel stärker ansteckend als die bisherigen Varianten, dass selbst die Beibehaltung der bisherigen Maßnahmen nicht zum Verhindern einer dritten Welle ausgereicht hätte. Einen breiten Schnelltest-Einsatz, der in Simulationen gute Wirkungen gezeigt hatte, begrüßen die Forscher daher.

Sie mahnen dabei allerdings Tempo an: «Es ist sehr zu hoffen, dass der Einstieg sofort erfolgt.» Wenn nur einmal pro Woche getestet werde, sei nur dann ausreichend Wirkung zu erwarten, wenn 80 Prozent der Bevölkerung mitmachten, schilderte Nagel. Dies gelte als schwer zu erreichen. Die Empfehlung der Wissenschaftler laute daher, wo immer möglich das Testen nach einer Einführungsphase auszudehnen, auf zweimal pro Woche.

Abgesehen von den Lockerungen bei privaten Treffen beträfen die Beschlüsse Öffnungen «in nach unseren Simulationen eher unproblematischen Bereichen», so die TU-Wissenschaftler. Essenziell sei aber, dass in diesen geöffneten Bereichen, soweit es Innenräume betreffe, eine generelle Maskenpflicht herrsche, damit es nicht zu neuerlichen Infektionen in der Fläche komme.

Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Deutschland wird angesichts weiter hoher Infektionszahlen grundsätzlich bis zum 28. März verlängert. Allerdings soll es je nach Infektionslage viele Öffnungsmöglichkeiten geben. Das haben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länder-Ministerpräsidenten am Mittwoch beschlossen. Vom kommenden Montag an sollen demnach private Kontaktmöglichkeiten gelockert werden.

Dann werden wieder private Zusammenkünfte des eigenen Haushalts mit einem weiteren Haushalt möglich sein, jedoch beschränkt auf maximal fünf Menschen. In Regionen mit Infektionszahlen unter einer Inzidenz-Schwelle von 35 sollen weitere Kontakte erlaubt sein. Bisher darf sich ein Hausstand mit maximal einer Person eines anderen Hausstands treffen.

(dpa)

Pfandbriefbank zu Immobilienmarkt: Größte Corona-Schäden kommen noch

11:23
04.03.2021
Nach Einschätzung der Deutschen Pfandbriefbank (pbb) wird das wahre Ausmaß der Corona-Schäden auf dem Immobilienmarkt erst in der zweiten Jahreshälfte sichtbar werden. «Dann werden sich voraussichtlich deutliche Auswirkungen auf die Vermietungssituation und die Immobilienpreise manifestieren», sagte Vorstandschef Andreas Arndt am Donnerstag in Garching. Als Gründe nannte der Manager viele Faktoren: erwartete Insolvenzen, höhere Arbeitslosigkeit, Freistellungen, Leerstände und weniger staatliche Hilfszahlungen für die Unternehmen in Kombination mit der Arbeit im Heimbüro, reduziertem Reiseaufkommen und dem Wachstum des Online-Handels.

Hauptgeschäft der Pfandbriefbank ist die Finanzierung gewerblicher Immobilien, zweites Standbein sind öffentliche Finanzierungen. Der vorsichtige Bankchef hat bei zwei besonders stark unter den Lockdowns leidenden Immobilienarten bereits vor einem Jahr die Reißleine gezogen: «Neue Finanzierungen für Hotels und Shopping Center haben wir eingestellt seit dem ersten Quartal.»

Die pbb verzeichnete 2020 einen coronabedingten Einbruch. Der Nettogewinn sank im Vergleich zum Vorjahr von 179 auf 117 Millionen Euro. Eine Hauptursache war die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle. Der Vorstand legte dafür 126 Millionen Euro zurück, 2019 waren es 49 Millionen Euro. Arndt geht jedoch davon aus, dass in diesem Jahr weniger Bedarf an zusätzlicher Risikovorsorge besteht. Die Bank erwartet sieben bis acht Milliarden Euro Neugeschäft, weniger als 2019 vor der Krise, aber etwas mehr als 2020.

(dpa)

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