Dass Viren ihr Erbgut verändern, also mutieren, ist normal. Nicht immer geht das mit Vorteilen für den Erreger einher. Derzeit stehen insbesondere Varianten im Fokus, die zunächst in Großbritannien (B.1.1.7) und Südafrika (B.1.351) nachgewiesen wurden: Sie gelten als ansteckender im Vergleich zu früheren Formen. Auch für eine in Brasilien zirkulierende Variante wird das befürchtet.
Da die Suche nach Varianten hierzulande erst kürzlich ausgeweitet wurde, wird erst in einigen Wochen mit belastbareren Daten zum Vorkommen in Deutschland gerechnet. Bis Montag waren gut 70 Nachweise der Varianten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien beim RKI gemeldet. Allerdings gibt es hier Meldeverzögerungen.
Über die britische Variante B.1.1.7 hieß es zunächst, sie steigere die Übertragbarkeit um 50 bis 70 Prozent im Vergleich zu früheren Formen. Mittlerweile sei anhand einer robusteren Datenbasis davon auszugehen, dass der Wert eher bei circa 22 bis 35 Prozent liege, sagte der Berliner Virologe Christian Drosten kürzlich. Auch dieser Prozentsatz dürfte eine erheblich erschwerte Eindämmung der Pandemie bedeuten. Ob die Variante tatsächlich mit einer erhöhten Sterblichkeit einhergeht, wie jüngst vom britischen Premierminister Boris Johnson verkündet, gilt aber noch als fraglich.
Die verschiedenen Varianten werfen darüber hinaus Fragen zur künftigen Wirksamkeit zum Beispiel von Impfstoffen und Antikörper-Therapien auf. Befürchtet wird zudem, dass manche Mutationen auch dazu führen könnten, dass sich Covid-19-Genesene mit den neuen Varianten ein zweites Mal anstecken.
Die Mutation B.1.1.7 war Ende vergangenen Jahres in der südostenglischen Grafschaft Kent aufgetaucht und hatte sich rasch in London und Teilen des Landes ausgebreitet. Die Behörden machen sie für einen starken Anstieg der Neuinfektionen verantwortlich. «Virus-Varianten können wirken wie eine zweite Pandemie», mahnte kürzlich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).