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Rufe nach Lockerungen für Einzelhandel werden lauter

14:55
12.02.2021
Der Druck auf die grün-schwarze Landesregierung für behutsame Lockerungen im Einzelhandel nimmt zu. CDU-Landtagsfaktionschef Wolfgang Reinhart sagte am Freitag in Stuttgart, es sollte geprüft werden, ob nicht die größten Ungerechtigkeiten zumindest abgemildert werden könnten, ohne die gemeinsame Linie von Bund und Ländern zu verlassen. Die Händler störten sich vor allem daran, dass die großen Supermarktketten und Discounter nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kinderkleidung und Blumen im Angebot haben dürften.

Reinhart erklärte: «Dort treten sich die Kunden dann fast auf die Füße, während dem Einzel- und Fachhändler es nicht einmal erlaubt ist, Kunden nach vorheriger Anmeldung einzeln und unter Achtung des Infektionsschutzes zu beraten und zu bedienen.» Da sollte geschaut werden, was im Zuge der Vereinbarungen möglich sei und ob andere Bundesländer da entgegenkommender seien als der Südwesten. «Es gibt zudem auch Branchen, die dringend Planungssicherheit brauchen, zum Beispiel die Gartenmärkte und Floristen. Für die ist der Frühling eigentlich die umsatzstärkste Zeit, und die wollen jetzt wissen: Kann ich Ware bestellen oder nicht?»

Der klassische Einzelhandel bleibt vorerst bis zum 7. März wegen der Pandemie geschlossen. Ein Sprecher des Staatsministeriums wollte auf den Vorstoß des Fraktionschefs nicht eingehen. Man beteilige sich nicht an der Diskussion zu «Öffnungsorgien». Die zuständige Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sagte: «Die Corona-Maßnahmen provozieren Ungerechtigkeiten. Auch die Gerichte prüfen verstärkt die Verhältnismäßigkeit.» Wenn man die Infektionszahlen weiter reduzieren wolle, müsse man dafür sorgen, dass die Regelungen auch vor den Gerichten standhielten. «Dem müssen wir so schnell wie möglich durch begrenzte, aber gezielte Anpassungen Rechnung tragen.»

Eine Sprecherin der Grünen-Fraktion erklärte, Ziel sei eine verantwortungsvolle Öffnung. «Ein zu frühes Lockern könnte genau das Gegenteil bewirken.»

Die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands, Sabine Hagmann, unterstützte Reinharts Forderung. «Sie liegt voll auf unserer Linie und beachtet endlich die Interessen vieler Tausender Einzelhändler im Land – nämlich, wirtschaftlich zu überleben.»

Zustimmung kam gleichfalls von den baden-württembergischen Floristen. Sie warfen Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Sozialminister Manne Lucha (beide Grüne) Ignoranz vor. Teilweise reagiere die Politik nicht auf entsprechende Schreiben, in denen die Probleme der Branche geschildert würden, sagte Geschäftsführer Wolfgang Hilbich. «Kretschmann und Lucha hüllen sich in Schweigen. Nur das Wirtschaftsministerium antwortet.» Die Lage der rund 1200 Blumenläden im Land sei dramatisch. «Für die Blumenläden ist der Saisonstart im März elementar.»

Der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag sprach sich dafür aus, den Händler wenigstens etwas mehr entgegenzukommen. «Es wäre ein wichtiges Signal an die Händler, zumindest die Vergabe von Einzelterminen an Kunden zu gestatten.»

(dpa/lsw)

Tschechische Pendler fordern von Deutschland finanzielle Hilfen

12:39
12.02.2021
Vertreter tschechischer Berufspendler, die in der Bundesrepublik arbeiten, blicken mit Sorge auf die geplanten verschärften Einreiseregeln nach Deutschland. Die Bundesregierung in Berlin hat das Nachbarland zum Virusvariantengebiet erklärt. Jan Triska von der tschechischen Pendlervereinigung APCR forderte am Freitag finanzielle Hilfen für diejenigen Arbeitskräfte, die nicht mehr über die Grenze nach Deutschland fahren dürfen oder von der Situation überfordert sind. Er wies darauf hin, dass die Pendler in Deutschland Steuern und Sozialabgaben zahlen würden.

«Es darf nicht sein, dass man von einem Tag auf den anderen auf der Straße landet», sagte Triska der Deutschen Presse-Agentur. Er rechnet damit, dass nur noch medizinisches Personal und Mitarbeiter der kritischen Infrastruktur über die Grenze gelassen werden. Die Beratungen über die Einzelheiten laufen derzeit in Berlin noch.

Selbst eine tägliche Testpflicht wäre nach Einschätzung Triskas eine große zusätzliche Belastung. «Acht Stunden auf der Arbeit, jeweils eine Stunde auf der Hin- und Rückfahrt und dann noch die Wartezeit im Testzentrum», zählte er auf. Das überfordere die Kräfte der Leute, die dann keine Zeit mehr für ihre Familien hätten.

Schätzungen zufolge fahren 35 000 bis 60 000 Tschechen zur Arbeit nach Deutschland. Weil viele davon im wegen Corona geschlossenen Gastgewerbe arbeiten, könnten es aber aktuell auch deutlich weniger sein.

(dpa)

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