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20210119061554

Infektiologe Wendtner: Geduld bei Lockdown gefragt

04:56
19.01.2021
Der Münchner Infektiologe Clemens Wendtner hält einen strengen Lockdown trotz leicht sinkender Fallzahlen weiter für nötig. «Wir sind noch nicht da, wo wir es uns wünschen», sagte der Chefarzt für Infektiologie in der München Klinik Schwabing. «Erfreulich ist, dass die Fallzahlen - auch stationär - leicht rückläufig sind. Ich gehe davon aus, dass es ein erster Effekt des Lockdowns ist. Aber wir kommen von einem sehr hohen Niveau.» Auch bei sehr optimistischer Schätzung könne die Sieben-Tage-Inzidenz maximal binnen etwa sieben bis zehn Tagen halbiert werden.

Die Zahl der Neuinfektionen binnen sieben Tagen pro 100 000 Einwohner müsse unter 50 liegen, die aus seiner Sicht anzustrebende Zielmarke sei 25. «Meine Einschätzung ist, dass wir dafür noch vier bis sechs Wochen brauchen und Mitte oder Ende Februar ein Resümee ziehen können.» In manchen Landkreisen liege die Inzidenz bei über 500. Sollte das Ziel von 25 nicht erreichbar sein, müsse man neu überlegen.

«Eine Lehre aus den vergangenen Monaten ist, dass man einen Lockdown nicht zu früh aufheben darf», sagte Wendtner. «Da muss man bei der Stange bleiben, sonst ist die ganze Mühe umsonst gewesen.»

Erst unter einer Inzidenz von 50 könnten die Gesundheitsämter Infektionsketten nachverfolgen, das sei die Voraussetzung für die Umsetzung der Quarantäne-Vorschriften. Auch die Lage in den Kliniken würde sich entspannen.

Ob der langsame Rückgang der Zahlen mit mehr Nachlässigkeit der Menschen oder einer bereits fortgeschrittenen Ausbreitung ansteckenderer Virus-Varianten zusammenhänge, sei offen. «Da ist noch viel zu wenig Wissen da», so Wendtner. «Man hat bisher noch zu wenig sequenziert, um einen Überblick zu haben.»

(dpa)

Scholz: Steuerreform hilft nur bedingt gegen Corona-Schulden

04:56
19.01.2021
Eine Steuerreform mit höherer Belastung für Vielverdiener hilft nach Ansicht von Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) nur begrenzt gegen die coronabedingt hohen Schulden. «Aus den neuen Schulden werden wir vor allem mit wirtschaftlichem Wachstum herauskommen, genauso wie es nach der Finanzkrise der Fall gewesen ist», sagte der Finanzminister der Deutschen Presse-Agentur. Das deutsche Steuersystem hält er zugleich aber generell für reformbedürftig. Es stelle sich die Frage nach der Gerechtigkeit - «mit und ohne Krise, aber nach einer Krise noch mehr».

«Es geht darum zu gucken, ob wir die steuerliche Belastung fairer verteilen können», sagte der SPD-Kanzlerkandidat. Seine Partei vertrete weiter die Auffassung: «Mittlere und niedrige Einkommen entlasten, dafür leisten die sehr hohen Einkommen einen etwas höheren Beitrag». Dafür werde die SPD auch bei der Bundestagswahl im Herbst kämpfen.

Um aus der Schuldenquote von Schätzungen zufolge rund 75 Prozent der Wirtschaftsleistung herauszuwachsen, müsse richtig investiert werden. «Wenn wir wollen, dass Deutschland auch in 10, 20, 30 Jahren technologisch und wirtschaftlich vorne mitspielt, müssen wir große technologische Missionen bewerkstelligen», sagte Scholz. «Die haben was zu tun mit dem Klimawandel, dem Ausbau der erneuerbaren Energien, dem Ausbau der Strom-Infrastruktur, der Wasserstofftechnologie, der Elektrifizierung unserer Mobilität, mit einem Innovationssprung etwa in der Gesundheitswirtschaft.» Zugleich habe sich in der Pandemie auch der Wert eines verlässlichen Gemeinwesens und eines robusten Sozialstaats erwiesen.

(dpa)

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