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Covid-19-Simulation ergibt: Lockdown bis Ende Januar reicht nicht

08:17
16.01.2021
Der von Politikern verfolgte Zielwert bei Corona-Neuinfektionen für ein Lockdown-Ende wird nach Berechnungen des Saarbrücker Pharmazie-Professors Thorsten Lehr Ende Januar wohl nicht erreicht. «Die Chance ist extremst gering bis nicht vorhanden», sagte Lehr der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken. Er ging davon aus, dass die angestrebte Rate von 50 bei Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in sieben Tagen frühestens Mitte Februar möglich sei. «Und das wäre eine optimistische Vorhersage.»

Der Professor für Klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes hat mit seinem Forscherteam einen «Covid-Simulator» entwickelt, der das Infektionsgeschehen in Deutschland berechnet und Prognosen liefert: für ganz Deutschland, die einzelnen Bundesländer bis hin auf Landkreisebene. Er kann auch online genutzt werden: In den vergangenen zwei Monaten wurde die Seite fast eine Million Mal aufgerufen, wie er sagte.

Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz lag am Freitag bundesweit laut Robert Koch-Institut bei 146. «Momentan ist eigentlich kein Absinken in Sicht», sagte Lehr. «Es stagniert vielmehr.» Wegen Nachmeldungen aufgrund der Feiertage gebe es immer noch gewisse Unklarheiten bei den Zahlen. Festzustellen sei aber, dass die derzeitigen Maßnahmen «nicht so greifen».

Dabei brauche es auch angesichts der neuen drohenden Virusvarianten, die durch Mutationen entstanden und hochansteckend sind, «dringend eine Reduktion des Infektionsgeschehens», sagte er. Die neuen Mutante zum Beispiel aus Großbritannien könnte den R-Wert sprunghaft um 0,5 nach oben schnellen lassen. «Dann würden viele Maßnahmen auf einen Schlag weggewischt. Und da zeigt sich dann: Je weiter wir unten sind, desto besser können wir die Ausbreitung bremsen.»

Lehr tritt für einen Wert von 25 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner und Woche ein, ab dem Lockerungen möglich werden könnten. Die Politik orientiert sich bisher an der Marke von 50.

Eine Rückkehr zum Schulalltag sieht Lehr kritisch. «In den Schulen finden Infektionen statt.» Viele Kinder durchliefen die Krankheit asymptomatisch. «Wir sehen an unseren Daten, dass Schulschließungen einen großen Effekt haben.» Das liege aber nicht nur daran, dass die Institution zumache, sondern auch weil der Weg dorthin in Bus, Bahn oder zu Fuß wegfalle.

(dpa)

Sportmediziner zu Corona-Auswirkungen: Werden «Karrieren enden sehen»

08:16
16.01.2021
Sportmediziner Wilhelm Bloch hält es für vertretbar, Athleten vor großen Wettkämpfen wie Olympia in der Coronavirus-Pandemie bevorzugt zu impfen. «Nicht in erster Priorität. Aber ich könnte mir vorstellen, dass wir Ende März genügend Kapazitäten haben werden. Wobei immer noch eine Rolle spielen wird, ob auch Geimpfte das Virus übertragen», sagte der Leiter der Abteilung molekulare und zelluläre Sportmedizin an der Sporthochschule Köln in einem Interview der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Samstag). Für ihn wäre Olympia «ohne Impfung wie ein Ritt auf der Rasierklinge, aber auf einer ganz scharfen.»

Bloch und sein Team erforschen die Langzeitfolgen von Covid-19 für Sportler. Ganz genaue Aussagen könne man noch nicht treffen, aber die Sorge, dass da etwas Problematisches kommt, werde stärker. «Wir sehen bei einem Teil von infizierten Sportlern, dass wir Leistungsveränderungen haben, die auch nach vielen Wochen oder Monaten noch anhalten. Ich denke, dass wir im Leistungssport Karrieren enden sehen werden», sagte Bloch.

Durch die sehr hohen Infektionszahlen habe sich auch im Sport das Risikopotenzial «dramatisch» erhöht. «Was den professionellen Sport angeht, sind wir in Deutschland bis jetzt gut durchgekommen, aber die nächsten Wochen oder Monate werden schon sehr schwierig», sagte Bloch. Bei den derzeit hohen Corona-Zahlen könne man keine Sportevents mehr sinnvoll durchführen.

Im Hallensport und bei Kontaktsportarten werde es ganz schwierig, «das Risiko in vertretbaren Grenzen zu halten. Wenn dann noch Sportler aus unterschiedlichen Ländern zusammenkommen, ist das Risiko, das Virus einzuschleppen, eigentlich nicht abzuwenden», sagte Bloch. So sei bei der Handball-WM in Ägypten mit 32 Teams das Risiko «nicht kalkulierbar. Ich kann extrem gut die Nationalspieler verstehen, die nicht mitgefahren sind», sagte Bloch.

(dpa)

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