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Britisches Parlament berät über Lockdown-Maßnahmen der Regierung

08:11
06.01.2021
Jeder fünfzigste Brite hat offiziellen Daten zufolge Corona. Es sind solche Zahlen, mit denen die Regierung in London der Bevölkerung den Ernst der Lage vor Augen führt. Harte Maßnahmen sollen die Ausbreitung des Virus stoppen.

Das britische Parlament berät am Mittwoch über die Lockdown-Maßnahmen der Regierung im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Die Abgeordneten unterbrechen dafür die Sitzungspause. Es wird damit gerechnet, dass das Paket der Regierung parteiübergreifend Zustimmung erhält. Die größte Oppositionspartei Labour hatte bereits vor längerer Zeit einen neuen Lockdown gefordert, um die rasant steigende Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Nun sollen die Menschen ihre Häuser nur verlassen, um einkaufen, zur Arbeit oder zum Arzt zu gehen. Schulen und nicht lebensnotwendige Geschäfte schließen, Freizeitsport ist untersagt.

Premierminister Boris Johnson, der noch am Sonntag Schulschließungen abgelehnt hatte, und seine obersten Gesundheitsexperten machten mit dramatischen Zahlen die Brisanz deutlich. «Etwa einer von 50 Menschen hat das Virus», sagte der medizinische Regierungsberater Chris Whitty am Dienstag. Hochgerechnet entspricht das zwei Prozent der Bevölkerung. Mit mehr als 60 000 neuen Fällen meldeten die Behörden zudem einen Tagesrekord. «Wenn die Menschen die Fakten betrachten, wird die überwältigende Mehrheit feststellen, dass wir keine Wahl haben», sagte Johnson mit Blick auf den Lockdown.

Der Premierminister zeigte sich «optimistisch und voller Hoffnung», dass sich die Situation bis zum Frühling verbessern werde. Whitty stimmte die Bevölkerung allerdings auf länger andauernde Restriktionen ein. Das Virus werde nicht mit dem Frühling verschwunden sein, sagte er. Nur wenn sich alle an die Abstands- und Hygieneregeln hielten und so schnell geimpft werde wie möglich, könne der Lockdown ausreichen. Die Hoffnung ist, dass außer Impfungen schließlich keine weiteren Maßnahmen mehr nötig sein werden, um das Virus zu kontrollieren. Vermutlich müssten aber auch im kommenden Winter einige Restriktionen in Kraft gesetzt werden, sagte Whitty. In der kalten Jahreszeit gedeihen Viren besonders.

Großbritannien setzt seit Montag nun zwei verschiedene Impfstoffe gegen das Coronavirus ein. Bisher hätten landesweit mehr als 1,3 Millionen Menschen eine Dosis erhalten, sagte Johnson.

(dpa)

Kapitel

Dienstag, 5. Januar

Israels Regierung beschließt härteren Lockdown

20:48
05.01.2021
Israels Regierung will mit einem härteren Corona-Lockdown die Infektionsdynamik bremsen. Nach einer erneuten Zunahme der Fälle beschloss das Kabinett am Dienstagabend eine Verschärfung der geltenden Restriktionen. Diese soll nach Angaben des Büros von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an Donnerstag um Mitternacht in Kraft treten und zwei Wochen andauern. Details werden demnach noch abgestimmt. Medienberichten zufolge umfasst die Verschärfung unter anderem die Schließung von Schulen und Kindergärten. Das Parlament muss den Maßnahmen noch zustimmen.

In Israel hatten die Infektionszahlen nach einem vergleichsweise milden Pandemiebeginn im Sommer massiv zugenommen. Als Grund gelten unter anderem verfrühte Lockerungen. Mitte September verhängte die Regierung einen zweiten Lockdown, der die Zahlen deutlich senkte. Ab Mitte Oktober setzte die Regierung schrittweise Lockerungen um, seither nahmen die Infektionszahlen wieder zu.

«Lassen Sie uns gemeinsam eine letzte Anstrengung unternehmen», sagte Netanjahu am Dienstag zu Beginn der Kabinettssitzung. Das Gesundheitsministerium des Landes hatte zuvor mit 8311 Fällen den dritthöchsten jemals verzeichneten Wert an Neuinfektionen binnen 24 Stunden vermeldet. Am 19. Dezember startete eine massive Impfkampagne. Ende des Monats begann in dem Mittelmeerstaat ein Teil-Lockdown. Nach dessen Regeln, die zum größten Teil weiterhin gelten, ist es unter anderem verboten, sich bei Menschen aufzuhalten, die nicht zur Kernfamilie gehören. Die Menschen dürfen sich nur noch in Ausnahmefällen mehr als 1000 Meter von ihren Wohnorten entfernen. Experten hatten die Maßnahmen als unzureichend kritisiert.

In Israel leben rund 9,3 Millionen Menschen. Deutschland hat etwa neunmal so viele Einwohner. Hier meldeten die Behörden zuletzt 11 897 Neuinfektionen binnen 24 Stunden.

(dpa)

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