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Spahn rechnet bald mit höherer Impfstoffproduktion in Deutschland

09:31
28.12.2020
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist zuversichtlich, dass die Produktion des Corona-Impfstoffs in Deutschland bald hochgefahren werden kann. «Wir tun alles zusammen mit Biontech-Pfizer, dass es zusätzliche Produktionsstätten hier in Deutschland etwa in Marburg in Hessen geben kann», sagte Spahn am Montag im ZDF-«Morgenmagazin». «Ziel ist, noch im Februar/März dort auch Produktion möglich zu machen. Und das würde die Menge enorm erhöhen.»

Biontech hat die Marburger Produktionsanlage von dem Schweizer Pharmariesen Novartis übernommen. Nach Angaben des Unternehmens sind dort nun einige Umstellungen nötig, bevor es auch dort mit der Produktion des Covid-19-Impfstoffs losgehen kann. Forderungen nach mehr Tempo wies Spahn zurück. Die Herstellung von Impfstoffen sei überaus anspruchsvoll, sie könne nicht in drei oder vier Wochen beliebig hochgefahren werden. «Das braucht Vorlauf, und das ist in Vorbereitung in Marburg», betonte er.

Mit Befremden reagierte Spahn auf den Vorschlag des Linken-Gesundheitspolitikers Achim Kessler, Impfstoff-Hersteller zu zwingen, anderen Unternehmen eine Lizenz zum Nachproduzieren zu gewähren. «Eine Produktion für einen Impfstoff ist hoch anspruchsvoll und hochkomplex, die kann man nicht mal eben per Lizenz bei einem anderen Unternehmen machen», sagte er. Gerade auch für das Vertrauen in den Impfstoff ist es wichtig, dass alle Qualitätsanforderungen eingehalten würden.

Generell sei es einfach falsch, wenn der Eindruck entstehe, alle Länder außer Deutschland hätten genügend Impfstoff: «Der ist überall knapp, für alle auf der Welt.» Die Bundesregierung arbeite daran, dass es bald mehr Impfstoff gebe. «Aber wir machen das so, dass dann anschließend auch die Qualität stimmt.»

(dpa)

Umfrage in Corona-Krise: Mehrheit will 2021 bescheidener leben

06:21
28.12.2020
In der Corona-Krise werden die Deutschen nach Angaben des Hamburger Zukunftsforschers Horst Opaschowski (79) bescheidener. In einer repräsentativen Umfrage hätten 58 Prozent der Befragten im November angegeben, dass sie im kommenden Jahr beim Konsumieren und Geldausgeben maßvoller sein wollen. Sparsamer leben wollten vor allem die Älteren ab 65 Jahren, während die Jungen unter 24 möglichst so weiterleben wollten wie bisher, erklärte Opaschowski unter Berufung auf die Umfrage seines Instituts in Kooperation mit dem Ipsos-Institut.

«Shopping als Glücksgefühl geht zunehmend verloren», sagte der Forscher. Viel haben und viel besitzen sei kein vorrangiges Lebensziel mehr. Aber nicht nur diese Einsicht führe zur neuen Bescheidenheit. Die Bevölkerung sei in wirtschaftlicher Hinsicht gespalten. 50 Prozent machten sich finanziell keine Sorgen, doch die andere Hälfte fühle sich als Krisenverlierer.

(dpa)

Corona erschüttert die Südwest-Wirtschaft - Viele Branchen betroffen

06:19
28.12.2020
Die Corona-Krise hat weite Teile der Wirtschaft im Südwesten 2020 arg in Mitleidenschaft gezogen, teils sogar schwer in die Krise gestürzt. Eine Auswahl an Beispielen.

HOTEL- UND GASTGEWERBE: Hotels, Restaurants und Kneipen waren vom Herunterfahren der Wirtschaft in diesem Jahr gleich zweimal betroffen: Von März bis Mitte Mai und nun wieder seit Anfang November. «Die Lage ist für die Branche seit dem Ausbruch der Corona-Krise katastrophal», sagt ein Sprecher des Branchenverbandes Dehoga. Er rechnet mit Umsatzeinbußen von über 4 Milliarden Euro für das Jahr 2020. Einige Betriebe dürften in die Insolvenz schlittern - wie viele, ist unklar.

Vor der Krise gab es im Südwesten rund 31 000 gastgewerbliche Betriebe mit über 250 000 Erwerbstätigen. «Wir anerkennen den Willen der Politik, der Branche zu helfen», sagte der Sprecher und verwies darauf, dass die grün-schwarze Landesregierung im Sommer ein eigenes Hilfsprogramm aufgelegt hat. Aber gleichzeitig klagen die Betriebe über eine teils mehr als schleppende Auszahlung angekündigter Hilfsgelder.

HANDEL: Die Einzelhändler leiden mit wenigen Ausnahmen enorm unter den Corona-Beschränkungen. Das für viele Betriebe wichtige Weihnachtsgeschäft brach im Jahresvergleich weitgehend ein - vor allem bei Betrieben, die über keinen professionellen Onlineshop verfügen und keine Waren ausliefern können. Der Handelsverband Baden-Württemberg rechnet für die kommenden zwei Jahre im schlimmsten Fall mit coronabedingt bis zu 12 000 Geschäftsschließungen und Insolvenzen.

Besonders wütend machte Branchenvertreter der Beschluss der Landesregierung, dass im seit Mitte Dezember bestehenden Shutdown auch keine Abholung von Waren durch die Kunden erlaubt ist. «Es ist unglaublich, dem Mittelstand diese Möglichkeit zu verwehren», klagte Sabine Hagmann, die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbandes, der die Interessen von 40 000 Betrieben mit mehr als einer halben Million Beschäftigten vertritt. Rekordumsatzeinbußen sind sicher.

AUTO: In den Fabriken im Autoland Baden-Württemberg knipste die Corona-Krise im Frühjahr reihenweise das Licht aus - wenn auch nur vorübergehend. Trotzdem: Dass sie wochenlang nicht produzieren konnten, machte Daimler und Porsche und allen, die an ihnen hängen, einen dicken Strich durch die Rechnungen. Daimler rechnet nach einem zwischenzeitlichen Absturz in die roten Zahlen und anschließender Aufholjagd nun zumindest mit einem operativen Ergebnis auf Vorjahresniveau. Porsche wiederum hat sich früh von der Rendite-Zielmarke 15 Prozent verabschiedet und plant nun mit mindestens 10 Prozent. Nach Porsche-Maßstäben ist das eher dürftig, im Branchenvergleich immer noch bombig.

Viele Zulieferer, vor allem die kleinen, fürchten derweil, durch die Doppelbelastung aus Corona-Krise und Technologie-Umbruch unter die Räder zu kommen. Die rasante Erholung in China hat der Autobranche geholfen - doch so richtig ist der Schwung noch nicht zurück. Und jetzt gerade schlägt auch Corona wieder heftig zu.

MASCHINENBAU: Der Maschinenbau in Baden-Württemberg hält die schlimmsten Auswirkungen der Corona-Pandemie für erst einmal überwunden - trotz des aktuellen zweiten Shutdowns. Unsicherheiten aber bleiben. Und viel wird nach Auffassung des Branchenverbandes VDMA wohl davon abhängen, wie lange die Pandemie noch dauert, wie lange die zuletzt positiven Effekte aus China anhalten und wie die Unternehmen den Wiederhochlauf der Produktion und damit möglicherweise verbundene Finanzierungsprobleme meisterten.

Mindestens zehn Prozent unter Vorjahr wird der Umsatz der für den Südwesten so wichtigen Branche am Ende wohl liegen, erwartet der VDMA. Zwar rechnete zuletzt etwa jedes fünfte Unternehmen damit, schon 2021 wieder zurück aufs Vorkrisenniveau zu kommen. Etwa ein Viertel erwarte das allerdings frühestens 2023 - das gelte vor allem für Firmen aus dem Auto- und Zuliefergeschäft.

HANDWERK: Für viele Betriebe war das Jahr ein stetiges Auf und Ab. Und doch kam das Handwerk insgesamt nach Einschätzung des Handwerkstages noch ganz gut durch die Krise - zumindest verglichen mit vielen anderen Branchen, die es deutlich härter getroffen hat.

Doch wie überall gibt es Licht und Schatten: Während sich etwa das Bauhandwerk über mangelnde Auslastung nicht beklagen konnte, litten Messebauer oder Caterer - bis hin zu einem kompletten Umsatzausfall. Der Handwerkstag rechnet für das Gesamtjahr mit etwa 101 Milliarden Euro Umsatz. Das wäre ein Minus von vier Prozent im Vergleich zu 2019 und der erste Umsatzrückgang seit der Finanzkrise 2008/09. Seither war es im Handwerk im Südwesten immer nur bergauf gegangen.

SCHAUSTELLER: Die Schausteller haben im Jahr der Pandemie fast gar nicht arbeiten können. «Ein Großteil hat nur fünf Prozent des Jahresumsatzes erzielt», sagt der Chef des Schaustellerverbands im Südwesten, Mark Roschmann. Wenn sie denn ihre Fahrgeschäfte oder Buden 2020 überhaupt aufbauen konnten, dann allenfalls bei temporären Freizeitparks oder als Einzelattraktionen. Alle großen Volksfeste und Jahrmärkte fielen aus.

In der Branche der Schausteller und Marktkaufleute, die Schätzungen zufolge etwa 1000 Betriebe mit 3000 Beschäftigten zählt, sind fast ausschließlichen Familienbetriebe aktiv. «Einige werden die Krise nicht überleben», sagt Roschmann. Die nähere Zukunft sei ungewiss. Frühestens im zweiten Halbjahr 2021 werde man wieder mit der Arbeit loslegen können.

LUFTVERKEHR: Die Pandemie hat den Luftverkehr weltweit in die Krise gestürzt, davon sind auch die großen Südwest-Airports betroffen. Beim Passagieraufkommen ein Minus von bis zu 75 Prozent, beim Umsatz gar von bis zu 80 Prozent - die Airports in Stuttgart, Friedrichshafen und Karlsruhe/Baden-Baden vermelden historisch schlechte Zahlen. Allein der mit Abstand wichtigste Landesflughafen in Stuttgart rechnet für 2020 mit einem Fluggast-Rückgang um rund drei Viertel im Jahresvergleich, auf 3,2 Millionen Passagiere. Die Erlöse dürften sich nach Schätzungen gar auf etwa 150 Millionen Euro halbieren. Die Schulden steigen, das Jahresergebnis wird tiefrot.

Das Niveau von 2019 werde wohl erst Mitte der 2020er Jahre wieder erreicht, sagen die Flughafen-Chefs mit Blick auf den wichtigsten Kunden Lufthansa. Der Konzern - in Stuttgart groß mit seiner Tochter Eurowings vertreten - will dauerhaft mindestens 150 Flugzeuge der Konzernflotte nicht mehr abheben lassen und Zehntausende Jobs streichen.

(dpa/lsw)

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