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20201028113258

Cyberkriminelle greifen Webseite des RKI an

10:58
28.10.2020
Cyberkriminelle haben am vergangenen Donnerstag die Webseite des Robert Koch-Instituts (RKI) zeitweise lahmgelegt. Der Angriff sei morgens zwischen 8.00 und 10.00 Uhr erfolgt, sagte ein Sprecher des Informationstechnikzentrums Bund (ITZBund). Er bestätigte damit einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins «Spiegel». Es habe sich um einem sogenannten DDOS-Angriff (Distributed Denial of Service) gehandelt.

Bei DDoS-Attacken werden Server mit einer Flut sinnloser Anfragen in die Knie gezwungen. So können Angriffe im großen Stil ausgeführt werden. Wer hinter der Attacke steckt, sei bisher nicht bekannt und werde noch untersucht, heißt es vom ITZBund. Der staatliche IT-Dienstleister betreibt die Webseite des RKI.

Das RKI ist die deutsche Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten und steht seit Monaten im Kontext der Corona-Pandemie im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Das sogenannte Dashboard, in dem aktuelle Zahlen zum Pandemiegeschehen gesammelt und angezeigt werden, war von dem Angriff nicht betroffen, da es auf einer anderen Webseite gehostet wird. Auch Funktionen der Corona-Warn-App waren durch den Angriff nicht betroffen. Die Angreifer seien auch nicht in das Netz des RKI eingedrungen.

Um eine Webseite mit einer DDoS-Attacke zu stören, sind kaum technische Kenntnisse notwendig. Cyberkriminelle bieten diese Angriffe inzwischen als Service zum Mieten ein. Sie stützen sich dabei auf sogenannte Bot-Netze, die von ihnen kontrolliert werden. Bot-Netze bestehen aus Rechnern, die mit Trojanern oder anderer Schadsoftware gekapert wurden. Den ahnungslosen Besitzer dieser Rechner ist in der Regel nicht klar, dass ihre Computer für solche Angriffe missbraucht werden. Inzwischen bestehen Bot-Netze nicht nur aus herkömmlichen Personal Computern, sondern auch durch vernetzte Gegenstände im «Internet der Dinge»

(dpa)

Umfrage: Klinikärzte in BW am Limit - Patientensicherheit gefährdet

10:57
28.10.2020
Weil Klinikärzte in Baden-Württemberg überlastet sind, kommt es einer Umfrage zufolge immer öfter zur Gefährdung von Patienten. Mehr als 65 Prozent der Klinikärzte gaben in der am Mittwoch veröffentlichen Befragung des Marburger Bunds an, dass die Patientensicherheit an ihren Arbeitsplätzen durch Arbeitszeit-Verstöße mehrmals im Monat gefährdet sei. Fast die Hälfte (46 Prozent) der Befragten erklärte, dass das in ihren Kliniken mindestens einmal die Woche der Fall sei - mehr als jeder Zehnte (11,4 Prozent) sprach von täglicher Gefährdung.

Knapp zwei Drittel (63,4 Prozent) der Mediziner erklärten, dass in der Regel nicht genügend Zeit für die Patienten da sei. Eine ständige Überziehung von Arbeitszeiten könne nicht länger hingenommen werden, sagte der Landeschef des Marburger Bunds, Frank Reuther. «Es besteht gerade mit Blick auf die Corona-Pandemie dringender Handlungsbedarf, dass sich hier zum Wohle der Patienten etwas ändert.» Die Ärzte-Gewerkschaft warnt immer wieder vor einer Überlastung von Krankenhaus-Medizinern. Sie fordert eine konsequente Kontrolle der Arbeitszeiten.

Knapp zwei Drittel (64,7 Prozent) der befragten Vollzeit-Ärzte gab an, mindestens 51 Stunden pro Woche zu arbeiten. 18,5 Prozent sprach von mehr als 60 Stunden. Nur ein Bruchteil von 2,8 Prozent erklärte, die Arbeitszeit nicht zu überziehen und nicht mehr 40 Stunden die Woche im Dienst zu sein.

Von der baden-württembergischen Krankenhausgesellschaft hieß es, dass im Jahr 2018 mit rund 23 600 Medizinern so viele wie nie zuvor in den Kliniken gearbeitet hätten. «Jeder Arzt behandelt mittlerweile gut 11 Prozent weniger Patienten als zehn Jahre zuvor», sagte Hauptgeschäftsführer Matthias Einwag. Während 2008 noch 123 Patienten von einem Mediziner versorgt wurden, seien es 2018 nur noch 109 gewesen. Man würde gerne mehr Ärzte einstellen, das gebe der Arbeitsmarkt aber nicht her. Zur Entlastung forderte die Krankenhausgesellschaft weniger Bürokratie.

Der Marburger Bund im Südwesten vertritt politisch und gewerkschaftlich die Interessen von Ärzten und gehört mit mehr als 18 000 organisierten Medizinern zu den mitgliederstärksten Landesverbänden.

(dpa/lsw)

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