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Proband erkrankt: AstraZeneca stoppt Test von Corona-Impfstoff

04:45
09.09.2020
Der Pharmakonzern AstraZeneca hat die klinische Studie für seinen Corona-Impfstoff vorsorglich gestoppt, nachdem bei einem der Teilnehmer gesundheitliche Probleme aufgetreten sind. Das sei eine Routinemaßnahme für solche Fälle, teilte das britische Unternehmen in der Nacht zum Mittwoch mit. „In großen Versuchsreihen treten Erkrankungen zufällig auf, müssen aber von unabhängiger Seite untersucht werden, um das gründlich zu überprüfen.“

AstraZeneca werde die Untersuchung beschleunigen, damit sich das Zulassungsverfahren für den Impfstoff so wenig wie möglich verzögere, hieß es weiter. Bei der Überprüfung geht es letztlich darum festzustellen, ob die gesundheitlichen Probleme vom Impfstoff ausgelöst wurden. Während des Stopps sollen keine weiteren Studienteilnehmer geimpft und bisher geimpfte Personen weiterhin beobachtet werden. Bei den nicht näher genannten gesundheitlichen Problemen handele es sich um einen Einzelfall, betonte das Unternehmen. Der Impfstoff befindet sich unter anderem in den USA in der dritten und abschließenden Studien-Phase mit mehreren zehntausend Teilnehmern.

AstraZeneca machte keine Angaben zu der Erkrankung. Die „New York Times“ berichtete unter Berufung auf eine informierte Person, dass es sich bei dem gesundheitlichen Problem um Transverse Myelitis handele - eine Entzündung, die das Rückenmark treffe und von Vireninfektionen ausgelöst werden könne. Der von AstraZeneca hergestellte Wirkstoff AZD1222 beruht auf der abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen und soll das Immunsystem auf Trab bringen, damit es Sars-CoV-2 im Falle einer Infektion unschädlich machen kann. 

dpa

WHO hält Entwicklung bei Corona in Tschechien für „besorgniserregend“

17:16
08.09.2020
Die jüngste Entwicklung bei den Corona-Infektionen in Tschechien ist nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) „besorgniserregend“. Das teilte die WHO-Vertretung in Prag am Dienstag bei Facebook mit. „Es gibt keine Alternative zum Testen, Nachverfolgen und Isolieren, um Covid-19 zu beherrschen - weder hier noch andernorts“, betonten die Experten.

Die UN-Gesundheitsorganisation widersprach damit dem tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babis. Dieser hatte erklärt, dass möglicherweise nur noch bei ernsten Erkrankungsfällen die Infektionsketten zurückverfolgt werden sollen. Eine Entscheidung darüber könne bereits Ende der Woche fallen.

Auf die jetzige Kritik der internationalen Experten reagierte Babis gereizt. „Das ist die WHO, die anfangs weder einen Mundschutz empfohlen noch gewusst hat, dass eine Pandemie im Gang ist - nach meiner Ansicht sollte sie schweigen“, schrieb der Multimilliardär beim Kurznachrichtendienst Twitter.

Die Behörden klagen über mangelndes Personal. Man habe bisher versucht, jeden Kontakt nachzuverfolgen, auch bei symptomlosen Personen, sagte die Leiterin des Prager Gesundheitsamts, Zdenka Jagrova, der Zeitung „Pravo“. Die Nachbarstaaten täten dies nicht immer. „Die Daten sind damit nicht vergleichbar, was dem Ruf Tschechiens schadet“, meinte die Behördenleiterin.

Tatsächlich hat die Zahl der täglichen Neuinfektionen in dem nur knapp elf Millionen Einwohner zählenden Land in den letzten zwei Wochen neue Rekordwerte erreicht. Am Montag kamen 563 weitere Fälle hinzu, womit die Gesamtzahl der aktiven Infektionen auf 8424 stieg, wie das tschechische Gesundheitsministerium am Dienstag bekanntgab. 214 Patienten waren demnach im Krankenhaus. 437 Menschen starben bisher.

Seit 1. September gilt in Tschechien wieder landesweit eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln; ab Mittwoch zudem in Prag in Geschäften und Einkaufszentren. Besonders betroffen von der Pandemie ist weiter die Hauptstadt. Angesichts der steigenden Infektionszahlen wächst daher im Nachbarland die Sorge, dass die Bundesregierung Prag als Risikogebiet ausweisen könnte. Der deutsche Botschafter in Tschechien, Christoph Israng, warnte bereits vor mehreren Tagen bei Twitter: „Wir alle müssen umsichtig sein, um Schäden für Gesellschaft und Wirtschaft zu verhindern.“

dpa