Nach dem höchsten Anstieg der Corona-Neuinfektionen in Südkorea seit Monaten haben die Behörden den regierungskritischen Anführer einer christlichen Kirchengemeinde ins Visier genommen. Das Gesundheitsministerium kündigte am Sonntag an, gegen den Pastor der Sarang-Jeil-Kirche in Seoul, Jun Kwang Hoon, Anzeige zu erstatten. Dem rechtskonservativen Pastor wird vorgeworfen, die epidemiologischen Untersuchungen der Behörden zu behindern und eine nur unvollständige Liste von Kirchenmitgliedern übergeben zu haben.
Der jüngste Anstieg der Corona-Fallzahlen wird unter anderem auf eine Häufung von Infektionsfällen unter Mitgliedern von Kirchen einschließlich Sarang-Jeil in der Großstadtregion zurückgeführt. Am Samstag seien landesweit 279 neue Fälle verzeichnet worden - der höchste Anstieg seit fünf Monaten. In Verbindung mit dem Cluster in der Sarang-Jeil-Kirche seien 190 zusätzliche Fälle bestätigt worden, hieß es. Bisher wurden demnach 249 Anhänger positiv auf Sars-Cov-2 getestet. Etwa 4000 Mitglieder sollen unter Quarantäne gestellt werden.
Jun und andere Kirchenmitglieder hatten am Samstag unter Verstoß gegen Quarantäne-Auflagen an einer Großkundgebung in der Hauptstadt Seoul teilgenommen Konservative und christliche Gruppen hatten Tausende von Menschen trotz eines durch die Stadt ausgesprochen Demonstrationsverbots mobilisiert, um gegen die Politik der Regierung zu protestieren.