Die Anzahl neuer COVID-19-Fälle innerhalb eines bestimmten Zeitraums wird derzeit häufig als Indikator für die Definition von Hochrisikogebieten verwendet.
Die beobachteten Unterschiede zwischen benachbarten Ländern und Regionen in Europa werden jedoch stark durch unterschiedliche Teststrategien beeinflusst, so die Uni Luxemburg am Mittwoch in einer Mitteilung. Seit Beginn der Pandemie hat Luxemburg eine breit angelegte Teststrategie verfolgt, die eine Massentestung der Bevölkerung und eine systematische Kontaktverfolgung umfasst: Im Durchschnitt wurde jeder Einwohner mindestens 3,6-mal getestet. "Die Gesamtpositivitätsrate des Landes
- der Prozentsatz aller durchgeführten Tests, die tatsächlich positiv sind - ist mit 2,6 Prozent vergleichsweise niedrig geblieben", erläutert Dr. Joël Mossong, Epidemiologe bei der luxemburgischen Gesundheitsbehörde. "Währenddessen variieren die Raten in anderen europäischen Ländern, zwischen 5,6 Prozent im benachbarten Deutschland und 17 Prozent in den Niederlanden, wo die Deckung der Tests relativ gering ist."
Zusätzlich zu den großangelegten Tests führt Luxemburg seit letztem November wöchentlich eine repräsentative serologische Stichprobe unter seinen Einwohnern durch. Die Daten bis zum 15. Januar 2021 zeigen eine
Seroprävalenz von 7,7 Prozent, was bei Hochrechnung auf die Gesamtbevölkerung 48.264 erwarteten Fällen entspricht. "Verglichen mit den 48.630 Fällen, die bis zu diesem Datum erfasst wurden, deutet dies darauf hin, dass die Fallerkennung in Luxemburg sehr hoch ist und nur etwa 0,8 Prozent % der Fälle unentdeckt geblieben sind", erklärt Dr. Thomas Dentzer, Chief Strategy Officer bei der luxemburgischen Gesundheitsbehörde.
Während diese Art von Informationen für die meisten Länder fehlen, deuten ähnliche Daten aus
Belgien darauf hin, dass dort im Gegensatz 62,3 Prozent der Fälle unentdeckt geblieben sein könnten.Durch die mit unterschiedlichen Teststrategien verbundenen Verzerrungen und zur Berücksichtigung der Unterschiede in der Deckung der Tests würde ein nuancierterer Ansatz, der nicht nur auf den Inzidenzraten basiert, helfen, Länder und Regionen mit hohem Risiko genauer zu definieren. "Positivitätsraten, die Belegung von Krankenhäusern und Intensivstationen sowie Daten zur Seroprävalenz sollten in umfassendere Risikobewertungen einfließen", betont Prof. Paul Wilmes von der Universität Luxemburg. Auch die Auswirkungen unterschiedlicher Impfstrategien und die Häufigkeiten neuer Virusvarianten müssen berücksichtigt werden,
lautet es weiter in der gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium verfassten Erklärung.
Teddy Jaans