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Weltkindertag: "Jugendliche können wunderbar solidarisch sein"

08:15
20.11.2020
Im Rahmen des Weltkindertags war am Freitagmorgen der Kinderarzt Dr. Fernand Pauly bei RTL zu Gast und sprach darüber, wie Kinder und Jugendliche mit der Covid-Krise umgehen.

Nicht nur für Erwachsene sei die Situation schwer, auch Kinder leiden unter der Isolierung. Kinder hätten viel Halt verloren, da sich ihr Kreis von Bezugspersonen in der Krise verringert habe. Das Gleiche gelte für die Eltern - vor allem Alleinerziehende seien häufig mit sorgen und Ängsten alleine gelassen.

Die Isolation habe auf Kinder einen sehr viel schwerwiegenderen Effekt, als die Krankheit an sich. In der Kinderklinik müssten sich im Durchschnitt lediglich zwischen null und drei Kinder wegen einer Covid-Erkrankung behandeln lassen - Diabetes, Asthma und andere schere Krankheiten seien weitaus verbreiteter. Dadurch, dass viele Kinder in diesem Jahr aus Sportklubs ausgetreten sind, gibt es laut Dr. Pauly in diesem Jahr auch mehr übergewichtigen Kinder.

Dr. Pauly plädierte am Freitagmorgen dafür, Kinder und Jugendliche enger in den Kampf gegen das Virus mit einzubeziehen und sie nicht zum Sündenbock zu machen. "Jugendliche können wunderbar solidarisch sein", so Pauly. Das sehe man zum Beispiel an Bewegungen wie Fridays for Future. Darauf sollte man als Gesellschaft aufbauen und ihnen zeigen, wie sie konkret helfen können und dass auch sie Helden sein können. Als Beispiel nannte er eine Sensibilisierungskampagne der deutschen Bundesregierung, die in der vergangenen Woche auch in den sozialen Medien die Runde machte (Video weiter unten). 

Eines müsse sofort aufhören, so Dr. Pauly: "Unser Spießertum." An dem Virus seien weder die Jugendlichen, noch die Grenzgänger oder die Nachbarn Schuld. "Es bringt nichts, Schuldige zu suchen." Vielmehr sei jeder ein Teil der Lösung und müsse seinen Teil dazu beitragen.

"Normalerweise sind Erwachsene da, um Kinder zu unterstützen", so Pauly. Dies habe sich in der Corona-Krise umgekehrt. Kinder und Jugendliche seien zum Sündenbock geworden. Die Gesellschaft müsse umdenken, und erkennen, wie man einander helfen kann.

Dass ältere Kinder und Jugendlichen eine Maske tragen müssen, findet Dr. Pauly übrigens unproblematisch. Sie hätten sich im allgemeinen schnell an die Maske gewöhnt - in etwa so, wie Berufseinsteiger sich rasch an das Tragen einer Krawatte gewöhnen. 

Sarah Cames