Am Mittwochmorgen war Dr. Philippe Turk, der in der Cellule de crise der Regierung für die Koordination der Krankenhäuser zuständig ist, zu Gast bei RTL und sprach dort über die Herausforderungen, die sich den Krankenhäusern aktuell stellen.
"Wir liegen über den Zahlen, die wir in der ersten Welle hatten", so Turk. "Die Lage in den Krankenhäusern ist extrem angespannt." Anders als während der ersten Welle liege das allerdings nicht an Materialmangel, sondern an knappen Bettenkapazitäten und zu wenig medizinischem Personal.
In den Notaufnahmen seien derzeit rund die Hälfte der Betten mit Covid-Patienten belegt - Plätze, die nun anderen Patienten fehlen. "Wenn die Situation anhält, werden wird gezwungen sein, Entscheidungen zu treffen. Genau so, wie die Politik zwischen der Wirtschaft und dem Virus entscheiden muss." Dringende Eingriffe, wie zum Beispiel in der Traumatologie oder in der Onkologie, sollen weiterhin aufrechterhalten bleiben.
Die Schnelltests, die ab Freitag verfügbar sein sollen, seien dem medizinischen Personal eine große Hilfe, da sie bereits nach rund einer halben Stunde ein Ergebnis liefern können. Sie haben aber auch ihre Nachteile: "Die Sensibilität dieser Tests ist viel schwächer als bei PCR-Tests, deshalb schlagen sie nur an, wenn tatsächlich eine hohe Viruslast vorliegt", so Turk. Idealerweise sollten sie daher mit PCR-Tests ergänzt werden.
"Es ist jetzt wichtig, unsere Krankenhäuser zu schützen", so Turk. Daher eröffne am Mittwoch in Esch/Alzette ein neues Centre de Consultation Covid-19 seine Türen, um die Notaufnahmen zu entlasten. In Pflegeheimen sollen Patienten nach Möglichkeit bevorzugt vor Ort behandelt werden, und man versuche, die Aufenthaltszeit in Krankenhäusern möglichst kurz zu halten.
Um das vorhandene Personal zu unterstützen, versuche man derzeit, Teilzeitkräfte zur Vollzeitarbeit zu ermutigen und auch kürzlich in den Ruhestand getretene Kräfte wieder zu aktivieren.
"Im Vergleich zur ersten Welle haben wir dieses Mal den Anspruch, andere Dienste weiterlaufen zu lassen", so Turk. Daher sei die Personalreserve aktuell kleiner, als noch im März. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen von bis zu 800, die Anfang November verzeichnet wurden, seien die Personen, die jetzt in die Krankenhäuser kommen. Die Neuinfektionen hätten sich inzwischen zwar stabilisiert, aber mittel- und langfristig seien auch rund 500 tägliche Neuinfektionen eine hohe Belastung. "Ohne einen kompletten Lockdown kann es noch Wochen und Monate dauern, bis die Zahlen wieder sinken", so Turk.