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WHO-Initiative für Covid-Impfstoff hat 64 reiche Länder an Bord

16:56
21.09.2020
64 Länder mit hohem Einkommen haben sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verpflichtet, die gerechten Verteilung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus weltweit finanziell zu unterstützen. Darunter sind Deutschland, Großbritannien Frankreich und viele andere europäische Länder, nicht aber die USA. Die Unterschrift von 38 weiteren Regierungen werde in den nächsten Tagen erwartet, berichtete die WHO am Montag in Genf. Auch China beteiligt sich bislang nicht an der sogenannten Covax-Initiative der WHO. Es gebe aber permanent Gespräche mit allen Regierungen der Welt, sagte der Chef der Impfallianz Gavi, Seth Berkley.

Diese 64 Länder sichern sich auf der einen Seite Zugang zu neun Impfstoffkandidaten, die von Covax unterstützt werden. Einige haben sich unabhängig davon auch über Vorverträge mit einzelnen Firmen Impfdosen gesichert, sollte das Unternehmen erfolgreich sein, darunter auch Deutschland. Auf der anderen Seite verpflichten sie sich, 92 Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen, die an dem Programm teilnehmen, beim Einkauf von Impfdosen zu helfen.

Die WHO hat das Ziel, bis Ende 2021 zwei Milliarden Dosen eines Impfstoffs bereitzustellen. Voraussetzung ist, dass ein effizienter Impfstoff schnellstens gefunden und behördlich genehmigt wird. Sie geht davon aus, dass zwei Impfdosen pro Person nötig sind.

Covax ist eine Zusammenarbeit von Regierungen und Pharmaunternehmen. Damit soll einerseits die Erforschung von Impfstoffen und Medikamenten gegen Covid-19, die Krankheit, die das Virus auslöst, beschleunigt werden. Gleichzeitig soll Covax sicherstellen, dass ein geprüfter Impfstoff als erstes die Menschen erreicht, die ihn am dringendsten brauchen, und zwar in allen Ländern, unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten ihrer Regierungen. Dazu gehören etwa Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gesundheitsdienste und Patienten mit Vorerkrankungen, bei denen eine Infektion sehr gefährlich wäre.

Für Covax wurden nach WHO-Angaben bislang drei Milliarden Dollar bereitgestellt - nötig seien aber 38 Milliarden Dollar, wie WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag sagte.

(dpa)

Dax wegen neuer Corona-Angst unter Druck

16:21
21.09.2020
Die Furcht vor der ansteigenden Corona-Infektionswelle hat den Dax am Montag schwer in Mitleidenschaft gezogen. Der Leitindex entging letztlich nur knapp seinem größten Tagesverlust seit Mitte März, als der Virus-Crash gerade noch am Laufen war. Aus dem Handel ging er 4,37 Prozent tiefer bei 12 542,44 Punkten. Kurz zuvor war er nahe 12 500 Punkten auf ein Tief seit Anfang August gefallen.

Laut Marktanalyst Milan Cutkovic vom Handelshaus AxiTrader wurden die steigenden Corona-Infektionszahlen in Europa zum nächsten Störfaktor für die zuletzt schon ins Stocken geratene Aktienrally. So ging es auch für den MDax kräftig abwärts. Der Index der mittelgroßen Börsenwerte verlor 3,68 Prozent auf 26 499,95 Punkte.

In Deutschland erreichte die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen am Freitag einen Höchststand seit knapp fünf Monaten, während es in einigen Nachbarländern ein noch deutlich höheres Infektionsgeschehen gibt. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock schloss in einem BBC-Interview gar einen erneuten Lockdown nicht mehr aus. Börsianer befürchten in diesem Falle katastrophale Auswirkungen auf die Wirtschaft.

Im Dax gab es am Montag nur Verlierer. Am Index-Ende sackten die Papiere der Deutschen Bank um 8,8 Prozent ab. Auch europaweit verzeichnete der Finanzsektor herbe Einbußen. Als Grund dafür galt ein Leak vertraulicher Geldwäscheverdachtsmeldungen des US-Finanzministeriums über dubiose Zahlungsströme, die so genannten «FinCEN Files».

In dem Bericht zählt die Deutsche Bank zu den explizit erwähnten Geldhäusern. Auch wenn einige Fragen zu klären seien, die Files erhöhten in jedem Fall wieder die Regulierungs- und Sanktionsrisiken für die Branche, erklärte Marktanalyst Neil Wilson von Markets.com. Dass das Frankfurter Bankhaus auf einem Übernahme-Wunschzettel der Schweizer UBS stehen soll, half in diesem Umfeld nicht.

Unter den deutschen Nebenwerten hat der eskalierende Streit mit dem spanischen Telefonica-Konzern den Aktionären von United Internet und 1&1 Drillisch am Montag einen mächtigen Schlag versetzt. Nachdem bekannt wurde, dass beide ihre diesjährigen Ziele wegen steigender Zugangskosten im O2-Netz kürzen müssen, brachen die United-Aktien um fast ein Viertel ein und 1&1 sogar um fast 28 Prozent. Die Anteile von Telefonica Deutschland folgten dem Gesamtmarkt um etwa vier Prozent nach unten.

Europaweit wurden einmal mehr die Reisewerte besonders schwer getroffen von den Ängsten der Anleger. Die Papiere der Lufthansa rutschten im MDax um 9,5 Prozent ab. Dazu passte die Meldung am Nachmittag, dass die Fluggesellschaft virusbedingt noch tiefere Einschnitte bei Flotte und Personal vornehmen will. Den Aktien des Flugzeugindustrie-Zulieferers MTU bescherten die wieder eingetrübten Perspektiven im Dax ein Minus von acht Prozent.

Die wenigen positiven Lichtblicke in der Dax-Indexfamilie waren die in den vergangenen Monaten schon als Corona-Gewinner gefeierten Aktien von Hornbach, Shop Apotheke, Zooplus und Hellofresh, die im MDax oder SDax gelistet sind und dort zwischen 0,7 und 6,7 Prozent gewannen.

Auch europaweit gingen die Börsen auf Talfahrt. Der EuroStoxx büßte am Ende 3,74 Prozent auf 3160,95 Punkte ein. Für den französischen Cac 40 ging es ähnlich deutlich bergab, während der britische FTSE 100 etwa 3,4 Prozent einbüßte. Die Talfahrt zeigte sich auch in New York, wo der Dow Jones Industrial zum hiesigen Handelsschluss etwa drei Prozent verlor.

Auch der Euro geriet unter Druck, weil Anleger im US-Dollar ihre Zuflucht suchten. Zuletzt wurden 1,1742 Dollar für die Gemeinschaftswährung gezahlt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zwischenzeitlich auf 1,1787 (Freitag: 1,1833) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8484 (0,8451) Euro.

Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite von minus 0,50 Prozent am Freitag auf minus 0,52 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,08 Prozent auf 145,73 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,34 Prozent auf 174,66 Zähler zu.

(dpa)

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