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IWH: Deutsche Wirtschaft erholt sich von Corona-Einbruch

11:44
16.09.2020
Die deutsche Wirtschaft hat nach Ansicht des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) einen erheblichen Teil des schweren Corona-Einbruchs vom Frühjahr wettgemacht. Dennoch dürfte die Wirtschaftsleistung (BIP) im laufenden Jahr stark schrumpfen, wie das IWH am Mittwoch in Halle mitteilte. Das Institut rechnet für 2020 mit einem Einbruch des BIP um 5,7 Prozent. Kommendes Jahr sei mit einer teilweisen Erholung um 3,2 Prozent zu rechnen.

«Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Halbjahr 2020 deutlich stärker zurückgegangen als während der Finanzkrise im Winterhalbjahr 2008/2009», sagte Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident des IWH. Mittlerweile sei die Wirtschaft aber auf dem Weg in eine neue Normalität. Die Aktivität sei ab Mai kräftig gestiegen, wenngleich die Produktion immer noch deutlich niedriger liege als zu Jahresbeginn.

Auch am Arbeitsmarkt sei die Rezession angekommen: Die Zahl der Erwerbstätigen habe zwischen Februar und Juli um 1,5 Prozent abgenommen. «Nicht zuletzt wegen der automatischen Stabilisatoren und der expansiven finanzpolitischen Maßnahmen sind die verfügbaren Einkommen jedoch stabil geblieben, und der private Konsum wird in der zweiten Jahreshälfte stark zulegen.» Die Produktionskapazitäten dürften jedoch bis ins Jahr 2022 unterausgelastet bleiben.

«Automatische Stabilisatoren» haben eine große Wirkung und kommen insbesondere in Deutschland zum Tragen. Dabei lässt der Staat im Abschwung eine konjunkturbedingte Erhöhung des Staatsdefizits zu und verhindert dies nicht durch höhere Abgaben oder Ausgabenkürzungen. Das betrifft Mehrausgaben etwa der Sozialkassen. So steigen in einer Rezession unter anderen Auszahlungen der Arbeitslosenversicherung. Was die gesamtwirtschaftliche Nachfrage belebt und so die Konjunktur stabilisiert. 

(dpa)

Zahl der Corona-Nachweise in Deutschland steigt etwas

09:40
16.09.2020
Die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen in Deutschland ist zuletzt etwas gestiegen. Das geht aus aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. So wurden dem Institut zuletzt 9128 Infektionen binnen sieben Tagen gemeldet (Datenstand 16.9. 0 Uhr). Der Wert lag - nach einem leichten Rückgang - noch Anfang September zeitweise bei unter 7500 und ist seitdem wieder nach oben geklettert.

Woran der Zuwachs liegt, ist nicht ganz klar. Die Zahl der Tests in Deutschland war zuletzt laut RKI etwas zurückgegangen. Der Anteil von Reiserückkehrern an allen Neuinfizierten hat in den vergangenen Wochen laut RKI stark abgenommen. «Die Infektionen finden zunehmend im Inland statt», schreibt das RKI in seinem Lagebericht vom Dienstagabend.

Der Höhepunkt bei den Neuansteckungen hatte Ende März/Anfang April gelegen. Danach hat sich die Lage deutlich verbessert. Seit Ende Juli stieg die Zahl der Neuinfektionen wieder.

Aktuell sterben laut RKI immer weniger der gemeldeten Corona-Fälle. «Dies liegt hauptsächlich daran, dass relativ viele junge Menschen neu diagnostiziert werden, von denen relativ wenige schwer erkranken und versterben.» Es müsse nun insbesondere verhindert werden, dass wieder vermehrt ältere und besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen erkranken. «Seit der vergangenen Woche ist ein leichter Anstieg der Fallzahlen in den höheren Altersgruppen zu sehen, dieser Verlauf sollte aufmerksam beobachtet werden.»

Innerhalb eines Tages haben die Gesundheitsämter nach RKI-Angaben vom frühen Mittwochmorgen 1901 neue Corona-Infektionen gemeldet. Seit Beginn der Corona-Krise haben sich demnach mindestens 263 663 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert (Datenstand 16.9., 0.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion liegt nach RKI-Angaben bei 9368. Seit dem Vortag wurden sechs Todesfälle mehr gemeldet. Bis Mittwochmorgen hatten etwa 236 000 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen in Deutschland laut Mitteilung vom Dienstagabend bei 1,04 (Vortag: 1,18). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI in seinem aktuellen Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert bei 1,00 (Vortag: 1,04). Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor acht bis 16 Tagen.

(dpa)

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