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Drosten: Prognose für Schwellenwert bei Ausbreitung nicht möglich

16:32
01.09.2020
Eine Prognose, bis zu welcher Grenze sich die Zahl der Corona-Neuinfektionen noch kontrollieren lasse und wann eine massenhafte Ausbreitung beginne, ist dem Berliner Virologen Christian Drosten zufolge kaum möglich. «Das ist ganz schwer einzuschätzen, ab wann das passiert», sagte er am Dienstag in seinem ersten NDR-Podcast nach der Sommerpause. Zu erklären sei das mit dem Phänomen der sogenannten Perkolation. Drosten erklärte den Effekt am Beispiel eines gefüllten Kaffeefilters auf einer Kanne: Füge man Tropfen für Tropfen Wasser hinzu, passiere ganz lange gar nichts - und dann sickere plötzlich Wasser in die Kanne.

Ursache sei, dass zunächst eine durchgehende Verbindung wassergefüllter Hohlräume im Kaffeepulver entstehen müsse. Das Perkolationsphänomen lasse sich auch auf die Realität bei der Corona-Ausbreitung übertragen. Auch hier könne es zu einem schlagartigen Effekt, einem Schwelleneffekt kommen.

Grundlage seien Cluster in der Bevölkerung - etwa Familien oder WGs - die lose miteinander verbunden seien. Durch das Verbinden von Clustern im ganzen Land entstehe ein Übertragungsnetzwerk. Dabei gebe es aber viele Einflussfaktoren wie die mittlere Größe der Cluster, die Mobilität der Bevölkerung, den Umfang der Sozialkontakte. Von Land zu Land beeinflussten sie das Geschehen ganz unterschiedlich. «Und darum kann ich jetzt nicht sagen: Hier ist der Schwellenwert.»

Klar sei aber, dass die Lage außer Kontrolle geraten könne. «Es gibt die Möglichkeit, dass wir uns etwas vormachen, wenn wir uns sagen: Ja, das läuft ja im Moment ganz gut, dann machen wir mal so weiter wie bisher.» Bei immer mehr unentdeckten Clustern - weil Menschen ihre Infektion nicht bemerken oder verschweigen - könne es einen Perkolationseffekt geben. Die Zahlen stiegen dann schlagartig, ohne dass ein Grund erkennbar sei. «Ich habe das Gefühl, das ist, was wir gerade in Frankreich sehen.»

(dpa)

248 neue Infektionen mit dem Corona-Virus im Südwesten

15:37
01.09.2020
Stuttgart  - Die Zahl der nachweislich mit dem Coronavirus Infizierten in Baden-Württemberg ist auf mindestens 42 365 gestiegen. Das sind 248 Menschen mehr als am Vortag, wie aus Zahlen des Landesgesundheitsamtes vom Dienstag (Stand: 16.00 Uhr) hervorgeht. Als genesen gelten 37 041 Menschen. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus liegt unverändert bei 1866.

Der sogenannte Sieben-Tage-R-Wert wurde mit 0,96 angegeben. Er gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Der Anstieg der Neu-Infektionen ist nach Angaben des Gesundheitsamts auch weiterhin zu einem großen Teil auf Reiserückkehrer zurückzuführen.

Heilbronn bleibt als einzige baden-württembergische Kommune über der kritischen Marke von 35 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage. Ab diesem Wert gilt eine Vorwarnstufe. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz sank in in Heilbronn im Vergleich zum Vortag aber auf knapp 35,7 Fälle. Für ganz Baden-Württemberg liegt dieser Wert bei 13,3.

(dpa/lsw)

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