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Deutsche Schlachtbetriebe produzieren wegen Corona weniger Fleisch

10:56
07.08.2020
Die Fleischproduktion in Deutschland ist im zweiten Quartal infolge der Corona-Krise gesunken. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verringerte sie sich im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2,6 Prozent. Nach einem Corona-Ausbruch hatten die Behörden Mitte Juni Deutschlands größtem Schlachtbetrieb Tönnies ein vierwöchige Zwangspause verordnet.

In ersten drei Monaten des Jahres hatten die Schlachtbetriebe insgesamt noch mehr Fleisch erzeugt (plus 1,4 Prozent), wie das Bundesamt am Freitag berichtete. Unter dem Strich stand im ersten Halbjahr dann ein Rückgang um rund 0,6 Prozent auf knapp 3,9 Millionen Tonnen. Neben dem Geflügel mussten dafür 28,9 Millionen Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde sterben.

Die Tönnies-Zwangspause wirkte sich auch auf die regionale Entwicklung der Schlachtmengen von Schweinefleisch aus. Während sie in Nordrhein-Westfalen im Halbjahr um 9,8 Prozent zurückging, stieg sie im größten Erzeugerland Niedersachsen um 2,0 Prozent und in Sachsen-Anhalt sogar um 12,9 Prozent. Nach Einschätzung der Statistiker haben andere Betriebe von der Tönnies-Schließung profitiert. Steigende Nachfrage gibt es weiterhin für Geflügelfleisch, dessen Menge im Halbjahr um 1,9 Prozent zulegte. Rindfleisch war hingegen erneut rückläufig.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten kritisierte, dass die deutsche Fleischproduktion selbst in der Krise auf dem hohen Niveau der vergangenen Jahre bleibe. Dies sei auch durch ausbeuterische Lebens- und Arbeitsbedingungen für Zehntausende osteuropäische Werkvertragsbeschäftigter erkauft worden, erklärte NGG-Vize Freddy Adjan. Er forderte: «Das vom Kabinett beschlossene Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in der Fleischwirtschaft muss im September ohne Abstriche den Bundestag passieren.»

(dpa)

Virologen warnen: Corona-Gefahr an Schulen nicht unterschätzen

10:56
07.08.2020
Zum Schulstart haben mehrere namhafte Virologen vor dem Risiko von Corona-Infektionen unter Schülern gewarnt und Vorschläge für Vorsichtsmaßnahmen gemacht. «Fehlende Präventions- und Kontrollmaßnahmen könnten in kurzer Zeit zu Ausbrüchen führen, die dann erneute Schulschließungen erzwingen», heißt es in einer Stellungnahme der Gesellschaft für Virologie, die am Freitag verschickt wurde. Hinter dem Papier stehen unter anderem Christian Drosten, Jonas Schmidt-Chanasit und Helmholtz-Forscherin Melanie Brinkmann. «Wir warnen vor der Vorstellung, dass Kinder keine Rolle in der Pandemie und in der Übertragung spielen», heißt es darin. Eine Unterschätzung der Übertragungsgefahren an Schulen wäre kontraproduktiv für das kindliche Wohlergehen und die Erholung der Wirtschaft.

Am Montag kehrten die Schüler in Mecklenburg-Vorpommern aus den Sommerferien zurück, am Donnerstag folgte Hamburg. Kommende Woche sind dann Schleswig-Holstein, Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen dran.

Für eine wirksame Unterdrückung der Virusausbreitung in der Gesamtgesellschaft bleibe es weiterhin Grundvoraussetzung, die Viruszirkulation in den Schulen niedrig zu halten, schreiben die Virologen in ihrer Stellungnahme. Sie schlagen mehrere Maßnahmen vor, um die Übertragungsrisiken in den Schulen zu minimieren.

Dazu gehört beispielsweise, die Klassengrößen abhängig von der Zahl der Neuinfektionen zu reduzieren. Zudem sollten aus virologischer Sicht feste Kleingruppen definiert werden mit möglichst geringer Durchmischung der Gruppen im Schulalltag.

Sollte es gegen Jahresende zu einem kritischen Anstieg der Neuinfektionen kommen, und dabei auch Bildungseinrichtungen eine Rolle spielen, bringen die Virologen auch eine Ausdehnung der Weihnachtsferien ins Spiel, um die Zeiten mit höchster Infektionsaktivität zu verringern.

(dpa)

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