Die EU-Kommission erhöht den Druck auf das
Online-Netzwerk Facebook wegen der mangelhaften Anwendung von
europäischen Verbraucherschutzregeln. "Ich will nicht verbergen, dass
ich ziemlich ungeduldig werde", sagte EU-Verbraucherschutzkommissarin
Vera Jourova am Donnerstag in Brüssel. Die Beratungen liefen bereits
seit gut zwei Jahren. Facebook habe nun bis Ende des Jahres Zeit, um
alle Bedenken auszuräumen. Andernfalls könnten die nationalen
Behörden Strafen verhängen.
Die EU-Kommission und die europäischen Verbraucherschutzbehörden
stoßen sich vor allem daran, dass Facebook seinen Nutzern
verschweige, dass ihre Daten auch für kommerzielle Zwecke genutzt
werden. Nur wenige Leute wüssten, dass Facebook ihre Daten
Drittfirmen zur Verfügung stelle und dass es die Rechte an allen
Daten und Fotos halte, die die Nutzer hochladen, sagte Jourova
weiter. "Selbst nachdem man seinen Account gelöscht hat."
Das soziale Netzwerk hat in Europa der EU-Kommission zufolge rund 380
Millionen Nutzer. "Wir wollen, dass Facebook absolut transparent ist,
wie ihre Dienste funktionieren und wie sie Geld verdienen", sagte
Jourova.
Ihren eigenen Facebook-Account habe sie vor einiger Zeit entfernt, da
es ein "Drecks-Kanal" ("channel of dirt") gewesen sei. "Ich habe
beschlossen, den Account zu löschen, da es so weniger Hass in Europa
geben wird." Sie bekomme auch viele kritische Mails und antworte auf
all die, die nicht voll von Beschimpfungen und vulgärer Sprache
seien, meinte die tschechische Politikerin.