Das war ein kurzes Gastspiel: Facebook hat es nur für einen Tag nach China geschafft. Nachdem das im Reich der Mitte von der Zensur blockierte soziale Netzwerk in der ostchinesischen Stadt Hangzhou eine Firma für eine Innovationsplattform gegründet hatte, wurde die Zulassung einfach wieder entzogen. Die Entscheidung habe die Cyber-Verwaltung in Peking gefällt, berichtete die
New York Times am Donnerstag unter Berufung auf eine Person, die mit dem Fall vertraut sei.
Es habe Differenzen zwischen der nationalen Internetaufsicht und den lokalen Stellen in der Provinz Zhejiang gegeben, wo Hangzhou liegt. Die zentrale Cyber-Verwaltung sei "verärgert" gewesen, weil sie nicht genügend einbezogen worden sei. Die Wende bedeute nicht zwingend das Ende der Chancen für Facebook, ein Unternehmen in China zu gründen, aber mache einen Erfolg weniger wahrscheinlich, wurde die Person zitiert, die nicht namentlich genannt werden wollte.
Die amtliche Registrierung hatte am Mittwoch bereits für Irritationen gesorgt, weil sie schnell wieder von der nationalen Webseite genommen worden war, wo Firmengründungen mitgeteilt werden.
Die mit einer Investition von 30 Millionen US-Dollar gegründete Tochterfirma hätte eigentlich Entwickler, innovative Unternehmer und Start-ups unterstützen sollen. Das Konzept sollte dem Beispiel ähnlicher Plattformen folgen, die Facebook in Brasilien, Indien, Frankreich und Südkorea eingerichtet hat. Das Netzwerk hatte sich Hangzhou ausgesucht, weil die Stadt viele Talente anzieht. Es ist der Hauptsitz des chinesischen Internetriesen Alibaba.
DSGVO bremst Facebook: Aktie stürzt ab
Die verweigerte Zulassung ist die zweite schlechte Nachricht für Facebook innerhalb eines Tages: Auch die Bilanz des Techriesen für das zweite Quartal 2018 fiel am Mittwochabend eher nüchtern aus. Die neue EU-Datenschutzverordnung hat Facebook im vergangenen Quartal spürbar gebremst. In Europa ging die Zahl der täglich und monatlich aktiven Nutzer um eine Million auf nun 376 Millionen User zurück. Nachdem Facebook die Analysten-Erwartungen auch beim Umsatz verpasst hatte und die Äußerungen des Managements den Investoren keine Hoffnung gaben, stürzte die Aktie zeitweise um über 23 Prozent ab.
Ungeachtet der verfehlten Erwartungen ist Facebook zugleich weiterhin eine Geldmaschine. Der Quartalsumsatz stieg im Jahresvergleich um 42 Prozent auf 13,23 Milliarden Dollar (11,31 Mrd Euro). Der Gewinn wuchs um 31 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar.
dpa