Nach dem Rücktritt der Regierung hat die Justiz in Frankreich wegen Vorwürfen im Umgang mit der Corona-Krise gegen Ex-Premier Édouard Philippe Untersuchungen eingeleitet. Ihnen wird fehlende Bekämpfung einer Katastrophe vorgeworfen, wie mehrere französische Medien übereinstimmend berichten. Die Untersuchungen richten sich auch gegen die ehemalige Gesundheitsministerin Agnes Buzyn und ihren Nachfolger Olivier Véran. Philippe und die Regierung waren gestern geschlossen zurückgetreten. Nur wenige Stunden später präsentierte Präsident Emmanuel Macron einen neuen Premier: den weithin unbekannten Jean Castex.
Frankreich ist vom Virus schwer getroffen und zählt rund 30.000 Tote. Auf dem Höhepunkt der Krise hatte die Regierung Versäumnisse im Umgang mit der Pandemie eingeräumt. In der Kritik standen besonders der Mangel an Masken, Schutzkleidung und Tests. Beim Gerichtshof der Republik sind zahlreiche Klagen eingegangen. Er ist als einzige Institution in Frankreich in der Lage, Minister für Handlungen zu verurteilen, die in Ausübung ihres Amtes begangen wurden.