Letztes Update:
20210102013048

10:36
23.06.2020
Nachdem NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) einen regionalen Lockdown für den Kreis Gütersloh verkündet hat, herrschen bei den Menschen vor Ort Entsetzen und Wut. "Wir hatten schon so viel Ärger durch den ersten Lockdown und jetzt soll das Ganze von vorne losgehen", sagt Kai Drees aus Steinhagen im Kreis Gütersloh der Deutschen Presse-Agentur. Der Gütersloher Pfarrer Stefan Salzmann spricht von viel Unmut in der Bevölkerung: "Ich nehme viel Hilflosigkeit und Unzufriedenheit wahr". Es gebe auch "eine große Wut, dass dieses System Tönnies so lange hat weitergehen können", so der evangelische Pfarrer. Seine Gemeinde sei besorgt, weil es in Teilen der Bevölkerung schon eine erhitzte Stimmung gegen die Werksarbeiter gebe.
Anwalt Drees sorgt sich auch um seinen Sommerurlaub: "Wir haben schon im Frühjahr den Urlaub umbuchen müssen, weil wir eigentlich fliegen wollten", so der 52-Jährige. "Jetzt soll es mit dem Auto nach Norderney gehen, aber wir haben von Leuten gehört, die nicht mehr dorthin fahren durften, weil sie aus dem Kreis Gütersloh kommen." Das verunsichere seine Familie und ihn.

Caritas-Vorstand Volker Brüggenjürgen. Foto: Bernd Thissen/dpa

10:22
23.06.2020
Der Caritasverband im Kreis Gütersloh erhebt bei Arbeits- und Corona-Schutzmaßnahmen schwere Vorwürfe gegen den dortigen Schlachtbetrieb Tönnies. Der Branchenriese in Rheda-Wiedenbrück habe sich "höchst fahrlässig" verhalten, sagt Caritas-Vorstand Volker Brüggenjürgen der Deutschen Presse-Agentur. Viele der 7000 Beschäftigten in der Produktionsstätte seien Werkvertragsarbeiter, deren teils unzumutbare Arbeits- und beengte Wohnbedingungen schon lange angeprangert würden. Sie hätten die Virusausbreitung begünstigt. 
"Die Leute werden in Transportern zur Arbeit gekarrt. Sie wohnen, essen, arbeiten immer dicht an dicht", sagt Brüggenjürgen zur Lage bei Tönnies. Die Schutzmaßnahmen seien völlig unzureichend gewesen. "Man hat die Arbeiter sehenden Auges in dieses Desaster hineingeschickt." Der Aufstieg zu einem Konzern mit Milliardenumsatz ist nach Worten Brüggenjürgens nur dadurch möglich gewesen, dass Tönnies auf das System mit Werkvertragsbeschäftigten gesetzt habe, die von Subunternehmen deutlich schlechter bezahlt würden als die Tönnies-Stammbelegschaft. Gesellschafter Clemens Tönnies hat vor einigen Tagen Reformen angekündigt.