Letztes Update:
20210102013048

08:07
22.06.2020
Nach dem massiven Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies könnte das Unternehmen Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) zufolge möglicherweise haftbar gemacht werden. "Ich glaube, dass wir prüfen müssen, welche zivilrechtlichen Haftungsmöglichkeiten es gibt in diesem Bereich", sagt Heil im ARD-"Morgenmagazin". Es entstünden erhebliche Kosten für die gesundheitliche Behandlung der Menschen, "aber auch für das, was da in der Region los ist". "Ich erwarte von diesem Unternehmen, dass alles getan wird, um den Schaden zu begrenzen, um tatsächlich auch einzustehen für das, was da angerichtet wurde", sagt Heil. Im Wesentlichen gehe es um den Begriff der Verantwortung.

Foto: John Macdougall/AFP/POOL/dpa

07:54
22.06.2020
Der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans kritisiert die Arbeitsbedingungen in der Schlachtbranche scharf und rechtfertigt höhere Fleischpreise. "Die Fleischindustrie hat ein System aufgebaut, in dem Arbeitskräfte wie Glieder einer Lieferkette behandelt werden: Alles muss möglichst billig sein", sagt er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Alles ist dem Gewinnstreben und der Effizienz untergeordnet - Hauptsache, am Wochenende gibt es Steak im Sonderangebot."
Die Politik habe die Aufgabe, gute Arbeitsbedingungen und artgerechte Tierhaltung zu gewährleisten. "Natürlich verteuert das die Produkte", sagt Walter-Borjans. "Deshalb gehört zur Lösung dazu, dass Klein- und Mittelverdienende mehr Geld in der Tasche haben - durch faire Löhne und ein gerechtes Steuersystem." Wenn sie ihren Lebensstandard nur sichern könnten, "weil Osteuropäer in unseren Schlachthöfen oder Näherinnen in Bangladesch für unsere Textilien ausgebeutet werden, dann läuft etwas gewaltig schief".