Der Alltag zuhause geht heute erstmals ruhiger über die Bühne. Unsere zwei Grundschüler haben ab sofort nämlich im Klassenverband jeden Tag voll Unterricht. In den vergangenen Tagen gab es deshalb zahlreiche Informationen von der Schule, wie alles organisiert ist. Eine Mammutaufgabe für die Lehrer. Drei Jahrgangsstufen sind im eigentlichen Schulgebäude untergebracht, die vierte Stufe in einem anderen Schulhaus der Stadt. Die sechs Eingänge des Hauptgebäudes sind genau zugeteilt: Wir haben eine Luftaufnahme des gesamten Wohngebietes per Mail erhalten, die zeigt, in welcher Straße sich der jeweilige Eingang für unsere Kinder befindet. Immer ein älterer und ein jüngerer Jahrgang teilen sich einen Eingang: Die älteren Schüler starten eigentlich etwas früher mit dem Unterricht, dann kommen die Jüngeren. So soll es keine Staus an den Eingängen geben. So war der Plan. Die Eltern wurden ausdrücklich gebeten, ihre Kinder
nicht mit dem Auto in die Schule zu fahren, da sich an den Eingängen durch die markierten Abstände lange Schlangen bilden und die Eingänge sich teils in schmalen Gassen befinden. Diese Information ist offenbar nicht bei allen angekommen. Am Ende bricht leichtes Chaos aus: Die Jüngeren kommen zeitgleich mit den Älteren an, weshalb viel zu viele Kinder am Eingang stehen. Immer wieder rennen hilflose Schüler umher, die von ihren Eltern nicht erfahren haben, wo sich ihr Eingang befindet und mich fragen. Ich kann ihnen nicht helfen und schicke sie zu einer Lehrerin ein Stück weiter. Unzählige Autos mit eingeschaltetem Warnblinker blockieren die Straßen um das ganze Areal, so dass nicht mal mehr ein Fahrrad durchkommt. Ich stelle mir vor, dass sie statt Warnblinkern ein Schild mit Leuchtschrift auf dem Dach tragen: „Achtung, Achtung! Eltern bringen ihre Kinder zur Schule! Halten sie Abstand! Und machen sie den Weg frei! Überholen sie nicht (und ziehen sie bei Los keine 200 Euro ein...)!“ Ich muss schmunzeln. Das ändert sich schnell. Denn ich muss auf dem Hin-
und Rückweg zum Bäcker an der Schule vorbei und werde auf dem Rückweg fast von einem Auto gestreift, das mir mit einem Affenzahn den Weg abschneidet und dann im absoluten Halteverbot anhält, weil eine Mutter ihrem Sprössling nicht zu viel Weg zumuten möchte. Am Ende klappt der Start in den neuen Schulalltag irgendwie, teils aber mit Verspätung: Eine Klasse mit älteren Schülern steht noch immer am Eingang, als ich mit den Brötchen wieder nach Hause fahre, obwohl der Unterricht längst hätte beginnen sollen. Für die Lehrer wird das kein leichter Tag werden. Zumindest beim Start heute früh konnte von Ruhe keine Rede sein. Für die Kinder, die bei diesen Temperaturen teilweise mit Maske im Unterricht sitzen müssen, sicher auch nicht.
Eva Baumgartner