Letztes Update:
20220314160107

Tag 96

14:14
17.06.2020
Aus Lateinamerika hören wir seit Wochen ausschließlich bedenkliche Nachrichten, wenn es um die Corona-Krise geht. Brasilien ist von der Pandemie schwer gebeutelt. Doch es gibt auch Länder in Lateinamerika, die Positives vermelden. Und weil positive Nachrichten in diesen Zeiten besonders wichtig sind, blicken wir heute nach Uruguay. Das Land hat seinen Einwohnern sofort den Lockdown verordnet, schon als der erste Fall am 13. März bekannt geworden war. Schulen und Geschäfte schlossen, Grenzen wurden dicht gemacht. Während in Deutschland lange komplett auf Homeschooling gesetzt wurde, schwenkte eine deutsche Schule in Uruguay sofort um: Zwar gab es dort auch Homeschooling, allerdings nicht mit Eltern als Lehrern. Die Lehrer unterrichteten dort von Anfang an weiter - per Videokonferenz. Die Ausstattung gab es in weiser Voraussicht schon vor Corona - man fand einfach, dass Digitalisierung zum Schulalltag gehört. Der Stundenplan änderte sich für die Kinder deshalb praktisch nicht.  Und alles war perfekt organisiert, berichtet eine Lehrerin, die vor mehreren Jahren von Deutschland nach Uruguay gezogen ist. Freilich: Es gibt in Uruguay kaum große Städte und ein gutes Gesundheitssystem. Doch das Land griff auch zu ungewöhnlichen Methoden: So wurden beispielsweise die Gehälter von Ministern, hohen Staatsangestellten, auch der Lohn des Präsidenten gekürzt - und damit ein Corona-Fonds finanziert. Uruguay entwickelte im eigenen Land einen Corona-Test - und testete dreimal so viel wie Brasilien. Dort liegt die Corona-Todesrate inzwischen bei traurigen 18 Prozent plus - in Uruguay unter einem Prozent. Diese erfreulichen Nachrichten sollten neben den unerfreulichen Zahlen benachbarter Länder nicht unerwähnt bleiben. 

Eva Baumgartner

Tag 95

14:40
16.06.2020
Bei den Großen im Gymnasium ist das Schuljahr so gut wie beendet. Heute hat Liv alle Bücher abgegeben und neue erhalten. Morgen ist Julius dran. Auch die meisten Noten ihres Zeugnisses wissen unsere Ältesten schon. Es sind überwiegend die Noten des ersten Schulhalbjahres. Lediglich die mündliche Mitarbeit sei aus dem zweiten Halbjahr noch teilweise in die Noten eingeflossen. Nach dieser Woche folgen noch zwei Wochen Schule, für Liv und Julius also noch zwei Tage Schule bis zu den Sommerferien.

Eva Baumgartner

Tag 94

12:10
15.06.2020
Es wird noch Ewigkeiten dauern. Diese Erkenntnis ist zwar schon seit Wochen da, vermutlich irgendwo ganz tief in den Windungen unseres Frontallappens. Doch bisher haben wir sie erfolgreich verdrängt... Wir misten seit Wochen unseren Speicher aus. Ein „Corona-Projekt“. Entstanden in einer Zeit, als wir durch mangelnde Termine ungeahnte Möglichkeiten sahen. Wann sonst soll eine Familie mit vier Kindern, berufstätigen Eltern und Terminen ohne Ende ein solches Projekt in Angriff nehmen? Genau, in einer Zeit ohne viele Termine. Und so arbeiten wir uns seit Wochen Stück für Stück unter dem Dach vor. Immer, wenn wir Zeit haben. Alle müssen ran. Wir entdecken sogar Dinge, von deren Existenz wir nichts wussten. Von Lust kann allerdings zum jetzigen Zeitpunkt keine Rede mehr sein. Wir sehen zwar schon Land, aber es ist unglaublich weit weg. Und erschwerend kommt hinzu, dass wir auch nicht mit einem Schnellboot auf das rettende Ufer zusteuern. Es ist eher so, als hätten wir dicke Schwimmringe um uns. Die uns zwar vor dem Untergehen bewahren - aber paddeln müssen wir alleine mit den Armen. Wie gesagt, es wird noch dauern. Deshalb muss ich jetzt auch mit dem Schreiben aufhören und weitermachen. Aber alles wird gut - irgendwann:-)

Eva Baumgartner