Morgen ist Fronleichnam. Feiertag. Viele Menschen machen sich deshalb heute auf den Weg zum Supermarkt. Jedenfalls reihen sich deutlich mehr Autos als sonst auf den Parkplätzen aneinander. Auf den Straßen in der Umgebung sehe ich immer wieder Menschen, die schon während der Fahrt vom oder zum Discounter ihre Maske tragen. Oft hat sogar der Beifahrer Mund und Nase mit einer Eigenkreation komplett bedeckt und die Augen sind nur noch als kleine Schlitze zu sehen. Ganz sicher handelt es sich dabei jedenfalls nicht um flüchtige Diebe, die ihren Einkauf nicht bezahlen konnten. Dann hätte das Duo ein anderes Tempo drauf. Eher um eine neue Gewohnheit. Im Markt gibt es eine weitere Mode-Neuheit. Die Maske der Kunden ist zwar im Gesicht, sitzt aber so tief, dass Nase und manchmal sogar Mund völlig unbedeckt sind. Weil diese Art des Tragens gar nichts bringt, muss es tatsächlich ein Fashion-Statement sein. Ein weiterer Trend fällt mir zurück im Auto auf: Wo früher diese penetrant riechenden Duftbäumchen oder die Baby-Schühchen des Lieblingsvereins des Fahrers hingen, baumeln in diesen Zeiten ... genau, Masken! Ich frage mich, ob diese nicht die Sicht versperren. Doch die Halter haben so wenigstens einen sauberen Platz für das gute Stück. Besser als die von Kaffeeresten verschmutzte Maske, die eine Freundin kürzlich nach Tagen entsetzt aus dem Becherhalter-Fach ihres Autos zieht. Doch wo ist eigentlich der beste Platz für die Maske im Auto? Auf dem Beifahrersitz? Da fährt zu oft jemand mit. Die Handtasche? Sie bietet auch nur begrenzt Platz: In den meisten Fälle würde die Maske nämlich von den vielen lebenswichtigen Dingen, die in einer Frauentasche Platz haben, erbarmungslos erdrückt. Auf dem Armaturenbrett? Da rutscht sie hin und her. Und im Handschuhfach? Da gerät sie in Vergessenheit. Wohin also damit? Ich habe noch keinen guten Platz gefunden und lege sie deshalb ganz unspektakulär auf meinen Schoß. An den Spiegel oder gar ins Gesicht kommt sie während der Fahrt jedenfalls nicht. Im Gesicht habe ich sie in diesen Zeiten schließlich oft genug. Vielleicht fällt mir der ideale Platz noch ein.
Eva Baumgartner