Die Halsschmerzen sind heute besser, der Husten wird dafür heftiger. Noch immer bin ich total kaputt, aber viele Bewegungsmöglichkeiten hätte ich in meinem Isolationslager ohnehin nicht: um das Bett herum genau einen Meter. Dafür gibt es ein Fenster, aus dem ich ins Freie schauen kann. In punkto Essen bin ich auf den gesunden Rest der Familie angewiesen. Manchmal dauert es auch eine ganze Weile, bis meine Bitten nach etwas Essbarem erhört werden. Hat es aber geklappt, wird es mir kontaktlos vor die Tür gestellt, und ich hole das Mahl - beispielsweise formschöne und leckere Pfannkuchen mit Marmelade - dann ins Krankenzimmer. Was aber funktioniert sind Fragen der Kinder: „Kannst Du mal meine Jogginghosen waschen?“, rufen sie laut an der geheimnisvollen Tür, hinter der ich zurzeit lebe (die Kinder vermuten sicher, dass ich mir hier ein schönes Leben mache). Leider kann ich das nicht, wenn ich nicht meine Viren überall verteilen will. Deshalb wird der Nachwuchs per Videoanruf angeleitet, die Waschmaschine zu bedienen. Wenigstens ein positiver Effekt des Ganzen.
Eva Baumgartner