Mein Mann „hat die Kontrolle über sein Leben verloren“. Zumindest in den Augen seiner Mutter, die bei seinem Anblick an Karl Lagerfeld denkt. Der verstorbene Modezar hatte das sportliche Beinkleid in einer TV-Sendung einst mit Abscheu und diesen Worten verteufelt. Tatsächlich merke ich seit einigen Tagen, dass unsere Wäscheberge gefühlt nur noch aus Jogginghosen bestehen. Ferien, Lockdown, auch die Erwachsenen haben Urlaub. Da greift der Großteil unserer Familie zu bequemen Kleidern. Nun hat mein Mann ausgerechnet ein besonders altes Exemplar gewählt, als seine Mutter ihn sieht. Sie sagt vor Ort noch nichts. Doch als mein Mann wieder zuhause ist, kommt eine Nachricht: „Diese Hose sieht wirklich wie eine Schlafanzug-Hose aus!“ Mein Mann versucht, noch etwas zu retten, er argumentiert, dass es sich bei dem guten Stück um eine Rarität handelt, sie stammt schließlich noch aus seinen besten Zeiten als erfolgreicher Fußballer. Vor vielen, vielen Jahren. Das lässt die Mutter bei ihrem Sohn nicht gelten - und erwähnt das oben genannte Zitat von Modeikone Lagerfeld. Mein Mann stellt auf stur: „Jetzt erst recht!“ Doch ob Jogginghose oder nicht: Wir alle müssen herzlich lachen, und das tut gut!
Eva Baumgartner