Schon oft habe ich in diesem Blog über das Essen geschrieben. Ich muss es auch heute tun, denn die täglichen Mahlzeiten nehmen inzwischen einen großen Teil unseres Lebens ein. Wahrscheinlich mangels anderer Dinge, mit denen wir uns sonst zurzeit beschäftigen können - Treffen sind bei unserer Familienstärke schließlich nicht oder kaum möglich, das Fußballtraining abgesagt. Neben Schule und Arbeit gibt es also zuhause nur wenige Möglichkeiten. „Was gibt es zu Mittag?“, ist deshalb die Frage, die regelmäßig schon kurz nach dem Frühstück gestellt wird. „Kalte Küche mit offenen Fenstern“, sage ich dazu gerne - zum Leidwesen der Kinder, die dann mit „Mensch, Mama!“ antworten. Mein Mann fragt nicht. Er spekuliert heute nämlich mit Fleischkäsebrötchen, denn gestern Abend waren noch einige Scheibchen übrig. Als er nun - vermutlich mit dem Speichelfluss eines Pawlowschen Hundes - die Vorratsdose im Kühlschrank öffnet, entgleiten seine Gesichtszüge. „Wo ist der Fleischkäse?“, fragt er fassungslos in die Runde. Stille. „Wer hat ihn gegessen?“, bohrt er weiter. Die Söhne gestehen. Ein leichtes Hungergefühl gestern nach dem Sport war der Grund, und nun ist der Fleischkäse eben so gut wie leer. Ein halbes Scheibchen liegt verloren in der großen Dose. Das Brötchen hat mein Mann in freudiger Erwartung schon aufgeschnitten. Doch die Stimmung ist angesichts der Zucchinipuffer, die nebenan in der Pfanne braten, erdenklich schlecht. Doch das Problem lässt sich lösen. Das halbe Scheibchen ist dick, und einmal durchgeschnitten wird so aus der Hälfte größenmäßig eine ganze Scheibe. Die Stimmung steigt wieder. So schwierig die derzeitige Situation in vielen Bereichen ist, so leicht ist es doch, anderen Menschen mit dem richtigen Essen etwas Freude zu bereiten. Zumindest dann, wenn genügend Vorräte da sind.
Eva Baumgartner