Letztes Update:
20220314160107

Tag 366

10:12
14.03.2021
Zum 1. Geburtstag dieses Blogs gibt es gestern und auch heute zahlreiche liebe Zuschriften. Ganz herzlichen Dank für die netten Worte. Die meisten Leser können es gar nicht glauben, wie schnell das Jahr nach dem ersten Lockdown vergangen ist. Und viele wissen auch noch ganz genau, was sie vor einem Jahr freitags noch gemacht haben - und was ab Samstag alles abgesagt werden musste. Die Kinder sind groß geworden in diesem Corona-Jahr, stellen einige fest. Das ist uns auch aufgefallen. Am Sonntag vor einem Jahr haben wir einen Ausflug in den Odenwald gemacht. Und fast ein Jahr später stellen wir uns an der gleichen Stelle zum Foto auf. Vor allem Julius ist gut eine Kopflänge gewachsen. Manche Dinge ändern sich auch in Pandemie-Zeiten nicht: Der Nachwuchs wächst - und hat uns bald überholt.

Eva Baumgartner

Tag 365

23:02
12.03.2021
Heute ist Tag 365! Genau ein Jahr ist es her, dass der Lockdown unser Leben auf einen Schlag verändert hat. Dass Corona nicht mehr weit weg war, sondern unseren Alltag bestimmt hat. Der erste Tag dieses Blogs war auch ein Samstag, so wie heute. An diesem Tag hätte unsere Tochter Liv Abschlussball gehabt - ihr Kleid und die Schuhe hängen noch immer ungetragen im Schrank. Unser ältester Sohn, Julius, hätte seinen ersten Einsatz als Schiedsrichter gehabt. Die beiden jüngeren Jungs Fußballspiele. Alle diese Termine waren damals einen Tag zuvor abgesagt worden. Um ehrlich zu sein: Meine Familie und ich, wir hätten vor einem Jahr nie gedacht, dass ein Virus unser aller Leben so lange auf den Kopf stellen würde. Dass die Kinder in diesem einen Jahr nur an wenigen Tagen die Schule besuchen konnten. Und dass dieser Blog so lange fortbestehen würde. Vielleicht ein paar Wochen, eventuell Monate, dann werden wir die Pandemie doch überstanden haben - das habe ich gedacht. Doch nun, ein Jahr später, stecken wir noch immer mittendrin. Die meisten sind noch nicht geimpft, Schule findet hauptsächlich zuhause statt. Sport gibt es zwar seit dieser Woche vereinzelt - doch täglich droht die steigende Inzidenz, alles wieder rückgängig zu machen. Unser normales Leben kriecht zwar langsam aus der Versenkung, droht aber täglich, wieder dort zu verschwinden. Es ist ein komisches Gefühl. Wenn ich diesen Blog Revue passieren lasse, hatten meine Familie und ich das große Glück, gut durch das Jahr gekommen zu sein. Dafür sind wir auch unendlich dankbar. Freilich, wir sind uns hier zuhause auch des Öfteren gehörig auf die Nerven gegangen - vier Kinder im Homeschooling, dazu zwei Erwachsene, die versuchen, in Ruhe zu arbeiten? Völlig unmöglich. Gleichzeitig Schule, Haushalt, Arbeit, Sorgen - auch wir waren oft erschöpft, am Ende unserer Kräfte. Sollten wir doch unsere Kinder täglich optimal versorgen, ihnen die Angst nehmen, obwohl wir selbst nicht wussten, wie es weitergeht. Doch unsere Problemchen scheinen so unbedeutend, wenn man sie mit denen der Menschen vergleicht, die ihre Lieben verloren haben, die trauern, die vor einem Scherbenhaufen stehen, weil sie als Gastronomen oder Gewerbetreibende alles verloren haben, die Gewalt erleiden mussten oder die seit einem Jahr unfassbar viel leisten, um andere zu schützen, und deshalb psychisch und physisch am Ende ihrer Kräfte sind. Die Pandemie hat in so vielen Bereichen schlimme Dinge verursacht, doch ein paar positive Seiten gibt es dennoch. Sie hat zumindest für uns entschleunigt, sie hat uns dazu gebracht, uns auf die wirklich wichtigen Dinge zu besinnen – einfach auch deshalb, weil wir nicht mehr von Termin zu Termin gehetzt sind, sondern mehr Zeit hatten. Zeit für die Familie, die immer unter uns war. Zeit zum Nachdenken, zum Miteinander sprechen. Wir haben trotz der 1,50 Meter Abstand auch viel Nähe erfahren - privat mit lieben Menschen, aber auch innerhalb dieses Blogs. Auch wenn es nicht immer leicht war, das Format täglich zu füllen: So viele nette Leser aus Mannheim, der Region oder dem Ausland (Danke auch an die Zuschriften aus den USA, Kanada oder Norwegen) haben uns geschrieben, wie sie sich fühlen, haben mit uns über absurde Hausaufgaben im Homeschooling gelacht. Oder uns sogar Tipps gegeben, was wir gegen raue Kinderhände tun können, die vom vielen Desinfektionsmittel in der Schule ganz trocken waren. In den vergangenen 365 Tagen haben wir alle gelernt, besser mit der Pandemie zu leben. Es wäre natürlich so viel schöner, besser, leichter, wenn alles wieder normal wäre. Danach sehnen wir uns alle. Doch nichts ist normal. Es wird noch viel von uns abverlangt werden, vielleicht werden die jüngsten Lockerungen auch demnächst wieder rückgängig gemacht. Aber wir haben vor allem auch gelernt, nicht aufzugeben, egal, was passiert. Und daran wollen wir auch weiter arbeiten - und wir wünschen Ihnen allen viel Kraft, das auch zu tun. Ich werde in diesen Tagen häufiger gefragt: „Du machst das schon so lange, wie lange willst Du das weitermachen?“ Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Wenn ich den lieben Lesern dieses Blogs eine kleine Freude machen kann, dann ist mein Ziel erreicht. Hoffentlich gibt es bald wieder Licht am Ende des Tunnels. Bis dahin erhellt dieser Blog hoffentlich manche trüben Tage in dieser Pandemie.

Eva Baumgartner